Liselotte Rommel im Gespräch mit OB Fritz Kuhn. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Vor 250 geladenen Gästen hat die Stadt am Donnerstagabend im Stadtmuseum des vor fünf Jahren verstorbenen Alt-OBs Manfred Rommel gedacht. Dabei wurde auch das Straßenschild mit seinem Namen enthüllt, das dereinst das Dach des S-21-Tiefbahnhofs zieren soll.

Stuttgart - Den ihm gebührenden Platz in der Geschichte der Landeshauptstadt hat der vor fünf Jahren verstorbene Altoberbürgermeister Manfred Rommel (CDU) schon. Und seit Donnerstagabend hat er nun auch einen sichtbaren Platz in Stuttgart, wenn auch zunächst nur im Stadtmuseum: Der Straßburger Platz, der dereinst das Dach des von Rommel stets befürworteten neuen S-21-Tiefbahnhofs bilden soll, wird nach der Fertigstellung des Bahnprojekts einmal seinen Namen tragen. Mit der symbolischen Enthüllung des Straßenschilds in Anwesenheit und zur Freude von Rommels hochbetagter Witwe Liselotte und seiner Tochter Catherine endet eine bisweilen ziemlich blamabel anmutende Debatte um eine angemessene Würdigung des populären Rathauschefs.

Die Platztaufe im Stadtpalais war eingebettet in die Eröffnung einer Sonderausstellung aus Anlass von Rommels 90. Geburtstag am 24. Dezember und der Verleihung des erstmals vergebenen Manfred-Rommel-Stipendiums an den Historiker Felix Heidenreich. OB Fritz Kuhn (Grüne) würdigte dabei seinen Amtsvorgänger: „Manfred Rommel war beliebt und bedeutend. Er hat sich engagiert dafür eingesetzt, dass Toleranz, Liberalität und Weltoffenheit gegen jedwede Anfeindung in Stuttgart erhalten bleiben. Dafür stand er Zeit seines Lebens. Der heutige Abend ist eine Verbeugung vor seiner Leistung.“ Rommels legendärer Sprachwitz und sein Humor seien wichtige Gründe für seine Popularität bei der Bevölkerung gewesen, so Kuhn vor den 250 geladenen Gästen.

Initiative zur Platzbenennung ging von Weggefährten Rommels aus

Die Initiative zur Platzbenennung war freilich zunächst nicht vom Rathaus, sondern von früheren politischen Weggefährten wie dem ehemaligen Finanzbürgermeister Klaus Lang ausgegangen. Lang hatte im November 2017 in einem Brief an die Ratsfraktionen eine Ehrung, die sich auch im Stuttgarter Stadtbild niederschlage. Bis dato hatte die Stadt dem Verstorbenen mit der Benennung des Flughafens auf den Fildern die Reverenz erwiesen. Außerdem hatte OB Kuhn das mit 35 000 Euro dotierte Stipendium für Wissenschaftler und Autoren ausgelobt, die sich mit Rommels politischen Themen befassen.

Das ausgerechnet die eigenen Parteiteifreunde der Platztaufe nach ihrem weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannten Rathauschef zunächst ablehnend gegenüber standen und der Chef der CDU-Ratsfraktion, Alexander Kotz, die Kombination Flughafen/Stipendium seinerzeit als ausreichende und angemessene Würdigung erachtete, erzürnte nicht nur Klaus Lang, Auch zahlreiche altgediente Christdemokraten reagierten mit Unverständnis und Kritik. Erst nach der Revolte der Basis und der Drohung des CDU-Urgesteins Lang, aus Protest sein Parteibuch zurückzugeben, ruderte Kotz zurück: Er habe die Stimmung aufgenommen in der CDU wohl „nicht ganz treffsicher“ aufgenommen. Am Donnerstagabend konnte Kotz selbst miterleben, wie recht er damit hatte.

Namenschild kann frühestens 2025 aufgestellt werden

Bei der Suche nach einem geeigneten Platz waren die Freien Wähler schneller als die CDU, die sich dem Vorschlag wie auch alle anderen Fraktionen des Gemeinderats anschloss. OB Kuhn war schließlich eigens in die französische Partnerstadt Straßburg gereist, um dort bei seinem Amtskollegen das Einverständnis für die Umbenennung einzuholen. Das Schild mit dem Namen Manfred-Rommel-Platz wird allerdings frühestens 2025 das Areal am Hauptbahnhof zieren: Das ist der derzeitige Termin für die Fertigstellung des unterirdischen Durchgangsbahnhofs. „Das ein noch nicht existierender Platz nach ihm benannt wird, hätte ihm gefallen“, ist sich Kuhn sicher.

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