Die Bundesregierung hat beschlossen, im August 2023 eine 20-Euro-Sammlermünze mit dem Herrenberger Mathematiker und Astronom Wilhelm Schickard zu prägen. Das ist von großer Bedeutung für seine Heimatstadt.
Schickard oder Schickhardt? Die Schreibweise der Herrenberger Familie, die im 16. und 17. Jahrhundert Gelehrte, Geistliche, Baumeister, Pädagogen, Ärzte, Verwaltungsfachleute, Künstler und Kunsthandwerker hervorbrachte, ist unterschiedlich. Zwar gilt „Schickhardt“ als die verbreitetste Version, wie sie auch das gleichnamige Herrenberger Gymnasium verwendet. Doch einzelne Vertreter der Familie nutzten unter anderem die schlankere Schreibweise.
So zum Beispiel der Universalgelehrte Wilhelm Schickard (1592-1635). „Er hatte zunächst eine geistliche Laufbahn eingeschlagen, wurde dann aber Professor des Hebräischen und später der Astronomie in Tübingen“, weiß die Kunsthistorikerin und Herrenberger Stadtführerin Michaela Bautz zu berichten. Als vielseitig interessierter und begabter Mann betätigte er sich als Kartograph und Maler und studierte außer Hebräisch noch weitere orientalische Sprachen.
Bekannt für seine Rechenmaschine
Sein größter Erfolg war allerdings die Erfindung der ersten Rechenmaschine. Es gibt mehrere Rekonstruktionen, von denen sich das Original nicht erhalten hat. Zwei davon stehen in Herrenberg (eine am Schickhardt-Gymnasium), eine andere in Tübingen und eine vierte bei dem Unternehmen IBM. „Man kann mit der Rechenmaschine addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren. Es lassen sich Rechnungen bis 999 999 durchführen. Wenn man eine Million überschreitet, erklingt eine kleine Glocke“, erläutert Michaela Bautz.
2023 jährt sich Erfindung zum 400. Mal
Nun hat das Bundeskabinett auf Vorschlag des Finanzministeriums beschlossen, eine 20-Euro-Sammlermünze zum Gedenken an Wilhelm Schickard herauszugeben. Denn 2023 jährt sich die Erfindung der Rechenmaschine zum 400. Mal. Ab August 2023 soll das Sammlerstück über die Vertriebsmarke „Münze Deutschland“ und gewerbliche Händler erhältlich sein. Besonders freut das Florian Toncar, den FDP-Bundesabgeordneten für den Kreis Böblingen und Staatssekretär im Finanzministerium. „Spitzenforschung, schwäbischer Erfindergeist und Kreativität: Wilhelm Schickard hat schon vor 400 Jahren all das verkörpert, was unsere Region stark macht“, sagt Toncar. Er prophezeit, dass Schickard durch die Herausgabe der Münze auch bundesweit Anerkennung finden und als wichtiger Teil des historischen und kulturellen Selbstverständnisses des Landes angesehen wird.
Dass die Familie in Herrenberg ansässig wurde, ist dem Schreiner Heinrich Schickhardt (1464-1540) zu verdanken. Der Urgroßvater von Wilhelm Schickard zog um 1500 von Westfalen nach Herrenberg. „Von Propst Rebmann erhielt er den Auftrag für die Anfertigung des Chorgestühls in der Stiftskirche in Herrenberg. Obwohl Rebmann, wie damals üblich, verschiedene andere Künstler mit Teilgewerken beauftragte, war doch Schickhardt allein für den Gesamtauftrag verantwortlich und durfte deshalb das Werk bei der Fertigstellung 1517 mit seinem Namen signieren“, erklärt Bautz.
Ein anderer Schickardt war ein berühmter Architekt und Baumeister
Sein Enkel wiederum, Heinrich Schickhardt (1558-1635), gelang der Aufstieg zum berühmten Renaissance-Architekten und Hofbaumeister des württembergischen Herzogs. Genau wie sein Großvater, Vater und Onkel erlernte auch er das Schreinerhandwerk. Er machte Karriere, erbaute beispielsweise die Martinskirche in Metzingen, die Renaissancefassade des Neuen Rathauses in Esslingen, den Cannstatter Stadtkirchturm, den Marktbrunnen in Tübingen und das untere Schlossportal, die Stadtanlage von Freudenstadt und den Pomeranzengarten Leonberg.
Universalgelehrter stirbt an der Pest
Dessen Neffe wiederum war unser Wilhelm Schickard, den der Weil der Städter Astronom Johannes Kepler in einem Brief ehrfurchtsvoll einen „beidhändigen Philosophen“ nannte. Denn Schickard war wohl auch ein begabter Mechaniker und baute viele seiner erdachten Instrumente selbst. Ein schönes Ende fand er allerdings nicht. Wie seine ganze Familie starb er in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges an der Pest.
Mehr Informationen zur Gedenkmünze unter www.bundesfinanzministerium.de im Netz.