Bahnvorstand Berthold Huber, rechts neben Verkehrsminister Hermann, ist optimistisch. Foto: dpa

Die Deutsche Bahn hat ehrgeizige Ziele. So will sie die Zahl der Passagiere bis ins Jahr 2030 verdoppeln. Der Konzernvorstand Berthold Huber zeigte sich gegenüber unserer Zeitung sehr optimistisch.

Berlin - Die Deutsche Bahn will die Zahl ihrer Fahrgäste im Fernverkehr mit ICE- und Intercity-Zügen bis zum Jahr 2030 auf rund 280 Millionen pro Jahr fast verdoppeln. „Der Markt gibt das her, der Bedarf an umweltschonender Mobilität nimmt beständig zu“, sagte Konzernvorstand Berthold Huber in einem Interview mit unserer Zeitung. Dafür müssten aber alle an einem Strang ziehen. Nötig seien vor allem hohe Investitionen in das bundeseigene Schienennetz, betonte der Manager. Das müsse konsequent umgesetzt werden. Dann könne bis 2030 der Deutschlandtakt starten, der bundesweit mehr Anschlüsse, regelmäßige Abfahrtzeiten und kürzeres Umsteigen bringen soll. Bisher gibt es vor allem wegen vieler Engpässe und Baustellen häufig Verspätungen, die Reisende und Pendler verärgern.

Viele Wünsche an die Politik

Die Bahn selbst will ihre Angebotsqualität mit dem größten Investitionsprogramm der DB-Geschichte in den nächsten Jahren deutlich verbessern. „Rund 200 neue Züge für fast sieben Milliarden Euro sind bestellt, wir modernisieren die Infrastruktur und stellen in diesem Jahr mehr als 20 000 neue Mitarbeiter ein“, sagte Huber. Der DB-Vorstand verantwortet den gesamten Personenverkehr des Konzerns mit täglich 7,4 Millionen Fahrgästen. Huber begrüßte die Ankündigung von Verkehrsminister Scheuer, sich für die Senkung der Mehrwertsteuer bei Fahrkarten für den Fernverkehr von 19 auf sieben Prozent stark zu machen: „Wir könnten dadurch rund fünf Millionen zusätzliche Fahrgäste pro Jahr gewinnen.“ Drei Viertel davon würden von der Straße auf die Schiene umsteigen, erwartet der Manager. „Das würde die anvisierte Verkehrs- und damit die Klimawende weiter voranbringen.“

Kritik teilweise berechtigt

Nach dem Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll sich bis 2030 die Fahrgastzahl auf der Schiene verdoppeln. „Es ist richtig, solch ehrgeizige politische Ziele zu setzen“, meint der Manager. Schon jetzt wachse der Schienenverkehr deutlich schneller als der Luft- und Fernbusverkehr. „In vielen Städten und auch zwischen den Ballungsräumen kommt man mit dem Auto kaum noch voran, daran werden auch autonome und elektrische Fahrzeuge wenig ändern“, so Huber. „Diese Chance für die Bahn müssen wir nutzen, schon im Interesse des Klimaschutzes.“

Mit Blick auf die immer wieder vorgebrachte Kritik an der Pünktlichkeit und Sauberkeit der Züge sagte Huber: „Berechtigte Kritik ist willkommen und hilft uns, das Angebot weiter zu verbessern. Unfaire Kritik ärgert mich.“ Natürlich müsse man in vielen Punkten deutlich besser werden. Das gelte besonders für die Pünktlichkeit. „Wir sollten jedoch unser Bahnsystem nicht schlechterreden als es ist“ so Huber. Noch wichtiger als ein Zehntel Prozentpunkt mehr oder weniger bei der Pünktlichkeit der Züge sei doch, dass der Kunde mit seiner Fahrt zufrieden sei und man die Bahn gemeinsam nach vorne bringe.

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