Erst der Vater, dann die Tochter: wie bei den Leibingers gehen Orden und Ehrentitel des Landes Baden-Württemberg über Generationen immer wieder an die gleichen Familien.
Es war ein Déjà-vu der besonderen Art. Am gleichen Ort, dem Runden Saal der Villa Reitzenstein, fand nach fast dreißig Jahren die gleiche Zeremonie statt. Damals wie heute verlieh der Ministerpräsident dem Kopf des Unternehmens Trumpf den Ehrentitel Professor. Nur die Protagonisten waren andere: 1996 zeichnete Erwin Teufel (CDU) den Vater Berthold Leibinger aus, Ende 2025 Winfried Kretschmann (Grüne) die Tochter Nicola Leibinger-Kammüller. Wichtige Ratgeber waren beide für die Regierenden.
Doppelt geehrt: die Würths und die Bernadottes
Sind bestimmte Familien im Südwesten also gleichsam auf staatliche Auszeichnungen abonniert? Ob die Ehrenprofessur schon einmal zwei Generationen nacheinander traf, vermochte Kretschmann auf Nachfrage nicht zu sagen. Eine Sprecherin der Staatskanzlei bestätigte aber gewisse Ballungen: Es gebe weitere Beispiele, in denen besonders in Unternehmerfamilien Mitglieder unterschiedlicher Generationen geehrt worden seien, ob mit Titeln oder Orden. Der „Schraubenkönig“ Reinhold Würth etwa habe zwei Medaillen des Landes erhalten, seine Frau Carmen Würth den Verdienstorden. Selbigen erhielt auch Bettina Gräfin Bernadotte von der Insel Mainau, 2024 aus der Hand Kretschmanns. Ihr Vater Lennart Graf Bernadotte wiederum war 1989, noch zu Zeiten von Lothar Späth, zum Ehrenprofessor gekürt worden. Stets würden jedoch „die persönlichen Verdienste jeder einzelnen Person geehrt“, betont die Sprecherin.
Oder gibt es doch eine gewisse Austauschbarkeit? Das legt eine aktuelle Anfrage des CDU-Abgeordneten Willi Stächele nahe. Darin erkundigt er sich, warum aus der geplanten Ehrung eines Mannes mit der Staufermedaille bisher nichts geworden sei – und diese statt seiner nun der „ebenfalls ehrenamtlich engagierten Gattin“ zukommen solle. Die Antwort steht noch aus.