Arbeitet bald wieder für den VfB Stuttgart: Alexander Wehrle. Foto: imago/Sven Simon

Der ehemalige Präsident Erwin Staudt hat beim VfB Stuttgart von 2003 bis 2011 mit Alexander Wehrle zusammengearbeitet – jetzt spricht Staudt über seinen Ex-Schützling und seine Aufgabe als neuer Vorstandschef.

Stuttgart - Acht Jahre lang war Alexander Wehrle in der bis 2011 währenden Amtszeit des Präsidenten Erwin Staudt der Referent des Vorstands beim VfB Stuttgart – jetzt redet Staudt über die Zeit von damals und die großen Aufgaben Wehrles als Vorstandschef von morgen.

 

Herr Staudt wie hat der junge Alexander Wehrle damals in Stuttgart unter Ihrer Führung gearbeitet?

Er war schon immer ein Teamplayer. Alex war immer loyal, empathisch – und dazu bereit, in die Offensive zu gehen. Für ihn gab es nie ein „kann ich nicht, mag ich nicht“. Er hat die Dinge angepackt.

Das heißt?

Er hat immer versucht, eine Vision aufzubauen und einen Weg zu zeichnen, wo es hingehen soll. Und das wurde dann in machbaren Schritten nach und nach abgearbeitet. So habe ich ihn beim VfB erlebt, und so hat er dann auch in Köln gearbeitet.

Ein kluger Plan kann auch jetzt beim VfB nicht schaden – wie könnte er aussehen?

Es ist ja klar, dass Alex in dieser schwierigen Corona-Lage und auf Sicht finanzielle Weichen stellen muss – da braucht es dann keine langen Diskussionen, da braucht es Ideen, Vorschläge und schnelle Entscheidungen. Er wird seine guten Verbindungen nutzen können, da bin ich mir sicher.

Und sportlich?

Geht es natürlich kurzfristig gedacht in dieser Saison um den Klassenverbleib. Ich bin mir sicher, dass der VfB das schaffen wird. Die Abstände in der Bundesliga sind so gering, und die Mannschaft hat sicher das Potenzial, um eine gute Rückrunde zu spielen. Da mache ich mir wenig Sorgen.

Und dann?

Geht es darum, einen Plan zu entwickeln, um vorwärts zu kommen. Ich halte es nicht für vermessen, mittelfristig die Teilnahme am Europapokal wieder als Ziel auszurufen. Erst einmal geht es darum, den VfB wieder sicher in der Bundesliga zu etablieren. Und dann sollte man den nächsten Schritt gehen. Ich bin mir sicher, dass Alexander Wehrle das mit einem positiven Geist und einem gesunden Maß an Selbstvertrauen angehen wird.

Angehen muss Wehrle bald auch knifflige Aufgaben. Unter anderem wird er entscheiden müssen, ob er um Sportdirektor Sven Mislintat herum einen externen oder – wie von Mislintat gedacht – einen internen Sportvorstand installiert.

Der VfB muss schauen, wie er es in der Vorstandschaft organisatorisch und strukturell löst. Meines Wissens berichtet Mislintat als Sportdirektor dem Vorstandschef. Alex wird sicher nicht nach Stuttgart kommen und etwas Unüberlegtes oder Unkluges machen. Ich weiß aus den Gesprächen mit ihm, dass Alex – wie die ganze Bundesliga – weiß, was Mislintat und seine Jungs für einen guten Job machen.