Seit sieben Jahren ist Karin Thume die Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft für Angehörige psychisch Kranker. Doch sie hat noch mehr Ehrenämter inne. Foto: Julia Bosch

Karin Thume erhält am Dienstagabend, 24. Oktober, die Ehrenplakette der Stadt Stuttgart für ihr Engagement im Bereich Soziales und Psychiatrie. Sie steht Angehörigen psychisch Kranker bei. Doch das ist nicht das einzige Ehrenamt, das die Birkacherin ausübt.

Birkach - Wenn man sich mit Karin Thume trifft, so kann kaum glauben, dass diese Frau bereits 80 Jahre alt ist. Nicht nur dass sie deutlich jünger aussieht, sie wirkt auch enorm fit, ist quirlig und hat einen äußerst dicht gefüllten Terminkalender: Am Morgen der Termin für die Zeitung, danach geht sie zu einer älteren Nachbarin, für die sie vor Kurzem eine Logopädin akquiriert hat, und am Nachmittag begleitet sie ihren Enkelsohn zur Physiotherapie. Zwischendurch muss sie Anrufe erledigen und ist generell immer erreichbar. Zwar schätzt sie abendliche Anrufe nicht besonders, doch sie ist eben für viele Angehörige psychisch kranker Menschen in Stuttgart der erste Ansprechpartner. Und diese Tätigkeit nimmt die Birkacherin ernst.

Seit sieben Jahren ist Karin Thume Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Stuttgart für Angehörige psychisch Kranker. Für dieses Engagement erhält sie am Dienstagabend im Stuttgarter Rathaus die Ehrenplakette von Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Die Auszeichnung ist eine besondere; in den vergangenen Jahren erhielt sie pro Jahr lediglich eine Person. Karin Thume kennt die Situation der Betroffenen. In ihrer Familie gab es auch einen Fall. „Damals habe ich schnell Kontakt zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum aufgenommen, und dort wurde ich zu der Aktionsgemeinschaft weiter verwiesen“, berichtet sie. Nun versucht sie, die Angehörigen zu unterstützen und weiterzubilden.

Die 80-Jährige berät Angehörige

Mittlerweile gibt es die Gruppe für die Angehörigen seit knapp 50 Jahren, seit 40 Jahren ist sie ein eingetragener Verein. Nach der Gründung in Stuttgart haben sich weitere Aktionsgemeinschaften in Baden-Württemberg gebildet, die Stuttgarter Gruppe ist mit 150 Mitgliedern jedoch die größte. An jedem ersten Mittwoch gibt es Vorträge und Diskussionen mit Experten, außerdem finden an jedem dritten Donnerstag im Monat Ausspracheabende statt. „Zudem habe ich vor 20 Jahren mit der damaligen Vorsitzenden eine Partnergruppe gegründet für Menschen, deren Lebenspartner erkrankt sind“, berichtet Thume.

Als Vorsitzende kümmert sich Thume um die Verwaltungsarbeit des Vereins. Außerdem sitzt sie als Mitglied in den Sitzungen des Sozial- und Gesundheitsausschusses im Stuttgarter Gemeinderat dabei. Und die 80-Jährige berät Angehörige und hilft ihnen, Kontakte zu Behörden und Ärzten herzustellen. Dabei hört sie immer wieder Geschichten, die ihr nahe gehen. „In der Regel komme ich damit ganz gut zurecht, aber manchmal überkommt es mich doch.“ Seit dem Tod ihres Mannes vor zweieinhalb Jahren fehlt ihr ein Mensch, mit dem sie sich regelmäßig über das Erlebte austauschen kann.

Thume ist vielseitig engagiert

Trotzdem ist das Engagement für die Angehörigen psychisch Kranker nicht die einzige ehrenamtliche Tätigkeit, die Thume ausübt. Sie ist auch die Vorsitzende der Krankenpflegevereine Birkach-Schönberg und Plieningen-Hohenheim. Außerdem hat sie einen Besuchsdienst für alte Menschen sowie eine Gehirnjogging-Gruppe gegründet. Und auch den Gesundheitsladen im Asemwald hat sie ins Leben gerufen.

Die Ehrenplakette der Stadt Stuttgart erhält Thume aber nicht für ihr gesamtes Engagement, sondern nur für ihre Arbeit in der Aktionsgemeinschaft für Angehörige psychisch Kranker. Hierbei legt die Birkacherin Wert darauf, dass sie nicht allzu sehr in den Vordergrund rückt: „Nur in einem guten Team ist gute Arbeit möglich“, sagt sie. Generell sucht die 80-Jährige keinesfalls das Rampenlicht, auch Fotos sind ihr eher unangenehm. Es scheint, als wäre sie gar nicht so unglücklich, wenn sie sich nach dem Termin im Stuttgarter Rathaus mit OB Kuhn wieder ihrem Alltagsgeschäft widmen kann.

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