Hannelore Fischer (73) engagiert sich seit 25 Jahren im Sowas. Foto: Gottfried Stoppel

Das Soziale Warenhaus, kurz Sowas, in Backnang sucht händeringend neue ehrenamtliche Helfer. Der Vorsitzende des Trägervereins, Heinz Franke, stichelt gegen Fridays For Future.

Backnang - Ein gewöhnlicher Nachmittag im Sozialen Warenhaus in Backnang. Punkt 14.30 Uhr, die Eingangstüre wird geöffnet. Und Hannelore Fischer erwartet den Kundenansturm – wie schon ungezählte Male. Die gelernte Krankenschwester engagiert sich seit 1995 beim Verein Kinder- und Jugendhilfe, der das Sowas und die Backnanger Tafel im Gebäude Theodor-Körner-Straße 1 betreibt.

Funktioniert der Staubsauger?

Fischer ist 73 Jahre alt, einmal wöchentlich ist sie einen Nachmittag lang allein verantwortlich dafür, dass alles rund läuft. Im Sowas werden gute gebrauchte Waren verkauft; Hausrat und Kleidung, Schallplatten, Bücher und vieles mehr. Es gibt kaum etwas, das nicht im Angebot wäre. Eine Kollegin betreut die Tafel nebenan, wo preiswerte Lebensmittel abgegeben werden. Auch sie ist im Rentenalter und arbeitet seit vielen Jahren ehrenamtlich mit.

Ein junger Mann will von Hannelore Fischer wissen, ob der Staubsauger, der nur 15 Euro kostet, auch tadellos funktioniert. Sie sagt, das Gerät sei von einem Elektriker geprüft worden – und verkauft es. Eine Kundin steht an der Kasse, sie will einen ganzen Berg Kleidungsstücke bezahlen. Im Sowas sind jetzt geschätzt zwei Dutzend Kunden. Und viele wollen etwas von der ehrenamtlichen Mitarbeiterin. Manche kommen in erster Linie um zu schwätzen, um sich die Zeit ein bisschen zu vertreiben. Andere treibt die pure Not her, sie haben kein Geld, um neue Waren einzukaufen oder Lebensmittel in regulären Einzelhandel.

Seit 1988 Vorsitzender des Trägervereins

Das Sowas und die Tafel liefen gut, sagt Heinz Franke, der seit 1988 Vorsitzender des Trägervereins ist, im Ehrenamt wohlgemerkt. Jahr für Jahr werde sogar ein kleiner Überschuss erwirtschaftet, der sei aber auch nötig, um die anderen Dienste des Vereins zu finanzieren, etwa die Schwangerschaftskonfliktberatung. Es gibt trotzdem ein ganz dickes Problem. „Wir bauchen Ehrenamtliche“, sagt Franke – für das Sowas und für die Backnanger Tafel. Die freiwilligen Helfer würden älter, junge Leute kämen nicht nach. Und dann stichelt Franke ein bisschen, das tut er mitunter ganz gerne, um die Dinge auf den Punkt zu bringen.

Vorsitzender Franke: Wir schonen Ressourcen

Mit einem süffisanten Lächeln im Gesicht sagt er, die Fridays-For-Future-Bewegung sei ja ganz toll, denn sie habe das Thema Klimaschutz ins Bewusstsein vieler Menschen gebracht. Dann indes erklärt er, es sei „zu wenig nur zu demonstrieren“. Er wäre froh, wenn die jungen Leute, die oft freitags auf die Straße gehen, sich konkret engagierten – gerne zum Beispiel im Sowas einmal wöchentlich ein paar Stunden mit anpackten. Das Sowas und die Tafel seien Klimaschutz-Projekte par excellence. „Wir schonen Ressourcen“, weil jeder, der Second-Hand-Artikel kaufe, dazu beitrage, dass weniger Kohlendioxid produziert werde. Franke sagt, er wolle die Menschen ganz bewusst ein bisschen provozieren. Er hofft, dass sich zumindest ein paar junge Leute angesprochen fühlen und mal vorbeikommen zum Probearbeiten.

Noch sorgen rund drei Dutzend zumeist ältere Ehrenamtliche dafür, dass das Sowas täglich geöffnet werden kann, sogar samstags. Während der Sommerferien allerdings habe man das Geschäft wegen Mitarbeitermangels nachmittags geschlossen lassen müssen, berichtet Daniela Kramm, die einzige hauptamtliche Beschäftigte in Sozialen Warenhaus. Und wenn sich nicht bald neue Männer und Frauen finden, die in ihrer Freizeit mit anpacken, dann werde es wirklich eng.

Manche Käufer kommen sogar aus Stuttgart

Für viele Kunden seien die langen Öffnungszeiten des Sowas und der Tafel in Backnang attraktiv. Manche Käufer kämen von weit her angereist, sogar aus Stuttgart. Viele andere Tafeln öffneten nämlich nur stundenweise und ließen immer nur eine Handvoll Kunden ins Geschäft – die anderen müssten mitunter draußen auf der Straße warten. Das sei für viele Menschen erniedrigend, weiß Heinz Franke. Im Sowas mit der integrierten Tafel sei auf den ersten Blick gar nicht erkennbar, wer womöglich bedürftig ist und wer nicht, denn nur für den Kauf der Lebensmittel sei ein Berechtigungsausweis nötig. Alle anderen Waren werden zu Kleinstpreisen an jedermann abgegeben.

Eine Kundin probiert einen Mantel an, ein Mann stöbert in den Regalen, und Hannelore Fischer hat hinter der Kasse alle Hände voll zu tun. Sie erzählt, dass sie bei allen möglichen Gelegenheiten den Menschen, die sie treffe, von der Notsituation im Sowas erzähle. Bis dato aber ohne Erfolg. Also schaffen sie und die anderen Ehrenamtlichen halt weiter. „Wir Alten“, sagt sie aus Erfahrung, „sind nach so einem Tag im Sowas am Abend platt“

Infos: Wer im Sowas mithelfen will, kann sich melden – entweder unter der Telefonnummer 0 71 91/34 19-148 oder mit einer E-Mail an sowas@kinderundjugendhilfe-bk.de.

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