Rolf Exler aus Untertürkheim engagiert sich in Tansania. Der Sanitärfachmann hilft beim Bau einer Gewerbeschule aktiv mit und unterrichtet afrikanische Auszubildende.
Als Rolf Exler aus Untertürkheim zusammen mit Gérard Arnold und Roland Ketterer vor vier Jahrzehnten die Bänke der Meisterschule im Sanitärgewerbe drückte, hätten die drei Klassenkameraden sicherlich nicht gedacht, dass sie im Juni 2022 einmal gemeinsam auf einem Dach in Tansania eine Solaranlage für die Warmwasserversorgung installieren, eine Kläranlage einbauen oder eine Schulküche für die Gewerbeschule einrichten werden. „Mit einfachen Mitteln konnten wir einiges erreichen“, sagt Rolf Exler im Rückblick.
Wassernot in Tansania
Zufrieden mit den Ergebnissen und erfüllt von den Erlebnissen schaut Exler auf den dreiwöchigen Arbeitseinsatz in dem ostafrikanischen Land zurück. Seit neun Jahren ist er Mitglied des Vereins Elimu4Afrika, den sein Klassenkamerad Roland Ketterer nach einer zufälligen Begegnung 2013 gründete. In einer Zigarettenpause kam der Donaueschinger mit Pater Anselm Kashatila ins Gespräch. Der Geistliche erzählte ihm von Wasserproblemen in der 22 000 Einwohner zählenden Stadt Chala, in der er ein Gemeindezentrum leitet. Sanitärexperte Ketterer versprach Hilfe. Bereits 2010 war der erste Brunnen gebohrt worden. Nach einigen Besuchen vor Ort fasste er in Absprache mit Pater Anselm einen kühnen Plan: Um den jungen Menschen aus Tansania eine Chance zu bieten, begannen sie eine Gewerbeschule, das St.-Anselm-Trainingscenter, aufzubauen. „Dort sollen die Schüler eine Ausbildung in Wasserversorgung, Elektrik, Solartechnik sowie Betriebswirtschaft erlangen“, sagt Exler.
1400 Meter lange Wasserleitung
Seit der Untertürkheimer 2021 seinen Meisterbetrieb aufgegeben hat, bringt er sich aktiv in die Aufbauarbeit in Tansania ein. Im Juni machte sich ein Fünf-Mann-Team aus Deutschland – übrigens auf eigene Kosten – auf die abenteuerliche 25-Stunden-Reise in eine der ärmsten Regionen Tansanias. Chala liegt auf 1900 Meter Höhe unterhalb eines 2400 Meter hohen Bergmassivs. „Dort gibt es einen Bergsee, der das Trainingscenter nun mit Wasser versorgt.“ Das technische Wissen inklusive der Filteranlagen lieferten Ketterer und seine deutschen Helfer, die Voraussetzung schufen die Einheimischen. „In drei Monaten gruben sie per Hand einen 1400 Meter langen Graben, der 1000 Höhenmeter überwindet“, zollt Rolf Exler den Afrikanern Respekt.
Solaranlage auf Dach montiert
Damit man sich abends zum Duschen mit dem Schöpflöffel warmes Wasser über den Kopf schütten konnte, wurde dieses Quellwasser bisher in die Sonne gestellt. Dies hat sich innerhalb der drei Wochen geändert. Dank vieler Spenden – darunter auch vom Lions Club Stuttgart Neckar – hatte Elimu4Afrika eine Warmwasser-Solaranlage nach Tansania versandt, die die Ehrenamtlichen „auf teilweise abenteuerliche Weise“ auf dem Dach des Schulgebäudes installierten. Dabei kamen Exler und seinen Klassenkameraden ihre vor Jahrzehnten erworbenen Fähigkeiten zugute. Der nächste Baumarkt ist Stunden entfernt. Statt das benötigte Teilstück online zu ordern, mussten sie den entsprechenden Abzweig selbst herstellen. „Überhaupt ist Improvisation gefragt“, sagt Exler. Sein Team wollte innerhalb der drei Wochen eine Kläranlage mit betonierten Behältern einrichten. Die Anlage lag zwar im Hafen der Hauptstadt. „Doch mehrere Behörden ließen sie ohne ein auszuhandelndes Trinkgeld nicht auf die Straße, zuletzt war der Lkw-Fahrer noch fahrunfähig“, erzählt Exler.
Die Arbeit ging den „Mzungu“, wie die Weißen auf Suaheli heißen, aber nicht aus. Sie reparierten die von Einheimischen laienhaft angebrachten Sanitäranlagen, zimmerten aus vorhandenen Materialien Regale für das Sanitärlager, richteten Ablageflächen samt Waschbecken für die Küche ein, berieten Farmer bei der Bewässerung ihrer Felder und unterrichteten die Schüler der Gewerbeschule. Nachdem das erste Schulgebäude Ende 2021 fertiggestellt war, konnte im Januar der Unterricht starten. „Die Schüler kommen teilweise aus mehreren Hundert Kilometer Entfernung. Das Schulgeld wird meist von Paten, oftmals auch Mitgliedern aus unserem Verein, bezahlt“, erzählt Exler, der sich als ehemaliger Innungsobermeister jahrelang für die Ausbildung des Sanitärnachwuchses einsetzte.
Paten spenden Schulgeld
Zweitgrößter Wasserfall Afrikas
Die Dankbarkeit sei immens. Exler berichtet von strahlenden Augen und fröhlichen Tänzen, mit denen die Mzungu begrüßt wurden. „Die Einheimischen wohnen in Lehm- oder Wellblechhütten. Wer als Hausmeister zwei Euro am Tag verdient, gehört zum Mittelstand.“ Dabei sei Tansania reich an Sehenswürdigkeiten. Viel Zeit für Sightseeing blieb den Sanitärexperten jedoch nicht. Aber der Abstecher zum Tanganjikasee und zum Kalambo-Wasserfall, dem zweitgrößten Afrikas, schenkte ihnen „unvergessliche Momente“.
Kläranlage in letzter Minute gebaut
Die Kläranlage kam übrigens am Tag vor der Abreise doch noch an. „Statt in zwei Tagen wie geplant, haben wir sie innerhalb eines halben Tages und der ganzen Nacht, teilweise mit Stirnlampen, eingebaut“, sagt Exler. Zurzeit ist die künftige Lesehalle und Hauptverwaltung der Schule in Bau. „Die Arbeit geht sicher nicht aus, und ich werde vermutlich nicht das letzte Mal vor Ort sein“, sagt Rolf Exler.