Rainer Pohl von Elbwehr (von rechts) und sein Theaterkeller-Team: Nachbarin Margret Hartmann kümmert sich um die Bewirtung, Jürgen Herbig um die Programmgestaltung und Steffen Stierle um die Öffentlichkeitsarbeit. Foto: Eibner-Pressefoto/Andreas Ulmer

Mario Basler war schon da, die Toten Hosen stehen auf dem Wunschzettel: Das Team des Ehninger Kultur- und Theaterkellers (kurz: EKuThek) macht für sich und sein Publikum Träume wahr.

Ein bisschen versteckt ist er ja schon, der Ehninger Kultur- und Theaterkeller. Für Ortsfremde ist der seitliche Treppenabgang zum Souterrain der einstigen Turnhalle der Fronäckerschule zwischen Wilhelmstraße und Gartenstraße nicht ganz einfach zu finden. Aber irgendwie passt der Reiz des Verborgenen zu diesem „Schatzkästle“, wie Rainer Pohl von Elbwehr den Raum nennt. Der 74-Jährige ist der Vorsitzende des Vereins, der hier unter dem Akronym EKuThek seit 2018 Veranstaltungen organisiert – und damit eine Ehninger Institution vor dem Aus gerettet hat.

 

Bevor der EKuThek-Verein 2018 den Betrieb übernahm, hatte es hier nämlich unter der Leitung des Ehninger Facharzts Gustav A. Kohle bereits eine mehr als drei Jahrzehnte lange Theatertradition mit regelmäßigen Inszenierungen gegeben. Rainer Pohl von Elbwehr hatte zu der Theatertruppe gehört und wollte sich nach Kohles Rückzug nicht einfach mit dem Ende dieser Kulturstätte abfinden.

Die Gäste sitzen auf modernen Stühle und an alten Schulbänken

Anfangs gab es noch einige Zweifler, aber heute ist der EKuthek-Verein längst über den Status eines Geheimtipps hinausgewachsen. „Das ist der Lohn der guten Tat“, sagt Rainer Pohl von Elbwehr über das Image, das man sich über die Jahre bei Gästen und Künstlern erarbeitet habe. Ein Faktor ist wohl auch das gemütliche Gaststättenambiente: mit Kronleuchtern an der Decke, dem terrassierten Zuschauerraum, den modernen schwarz-roten Stühlen und den Uralt-Schulbänken, die noch aus der Zeit stammen, als der Bau eine Grundschule war.

Zwar hatte die Coronapandemie den Betrieb schon kurz nach dem Start wieder jäh ausgebremst – unter anderem fiel die Premiere eines selbst inszenierten Stücks im März 2020 dem Lockdown zum Opfer – mittlerweile finden hier aber das ganze Jahr über Veranstaltungen statt, die weit über das ursprüngliche Theaterkonzept hinausgehen.

Ob Kabarett, Rock-, Jazz- und Chorkonzerte, Kulturabende mit musikalisch-kulinarischem Ländermotto, Diashows, eine offene Talentbühne, Kindertheater oder ein auf eigenes Risiko finanzierter und am Ende allseits gefeierter Plauderauftritt von Ex-Fußballprofi Mario Basler – was auf die Bühne kommt, entscheidet ein kleiner, aber sehr engagierter und motivierter Kern.

Neben EKuThek-Gründungsmitglied und Schriftführerin Verena Pohl von Elbwehr (44), der Tochter des Vereinschefs, zählen dazu zwei Freunde, die erst in den Pandemiejahren hinzugekommen sind, seitdem aber wichtigen Einfluss auf die Programmgestaltung haben. Die Rede ist von Steffen Stierle und Jürgen „Jogi“ Herbig. Der 56-jährige Herbig ist zweiter Vorsitzender, der 57-jährige Stierle macht die Pressearbeit.

Ein Blick in den Raum: moderne Stühle und Uralt-Schulbänke im Zuschauerbereich Foto: Eibner/Andreas Ulmer

Die beiden haben einen sehr persönlichen Bezug zu diesem Raum, der sich seit seiner Erbauung vor 110 Jahren in Gemeindebesitz befindet und von dem Verein kostenfrei genutzt werden kann. „Das war früher unser Jugendtreff“, erzählt Steffen Stierle. Gemeinsam mit Schlagzeuger Jogi Herbig und Harald Bürkle (Keyboard, Gitarre und Gesang) hatte der Bassist hier als Teenager mit seiner Band geprobt. Die hieß damals noch Souterrain – in Anspielung auf den unterirdischen Proberaum. Nach dem Umzug ins Zwischengeschoss kam die konsequente Umbenennung in Mezzanin und unter eben diesem Namen zählten 2018 und 2019 die Konzerte der Band noch zu den ersten Events des damals noch neuen Vereins.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Steffen Stierle wohl nicht im Traum daran gedacht, hier Mitglied zu werden. „Mit dem Theaterbetrieb konnte ich ehrlich nicht viel anfangen“, gibt er zu. Seine Meinung änderte sich vor rund vier Jahren nach einer Begegnung mit Rainer Pohl von Elbwehr. Der nahm sich den langjährigen Pressewart des TSV Ehningen zur Brust und überzeugte ihn, sich den Kellerkindern anzuschließen. Stierle sagte zu und brachte seinen Kumpel Jogi Herbig mit. „Das ist ein kreativer Kopf und ein Verkäufer“, lobt er seinen Band– und Vorstandskollegen. Seitdem hat sich hier in Sachen Programmvielfalt einiges getan.

Umtriebiger Vereinschef kann einen Gang zurückschalten

Für den pensionierten Kriminalbeamten Rainer Pohl von Elbwehr brachte die Verstärkung einen positiven Nebeneffekt. Schließlich gibt es im Ort wohl kaum jemand, der sich so umtriebig für das Kultur- und Gemeindeleben einsetzt. Unter anderem organisierte Pohl von Elbwehr eine große Silvesterparty zum Jahrtausendwechsel, koordinierte 2010 als ehrenamtlicher Festbeauftragter das Ehninger 825-Jahr-Jubiläum und war langjähriger Vorsitzender des Liederkranzes. „Ich habe im Grunde immer alles gemacht“, blickt er zurück. Heute könne er sich zurücknehmen und auch mal die anderen machen lassen.

„Ich habe hier meinen Heimathafen gefunden“, sagt Herbig über den Theaterkeller. Gemeinsam mit seinem Team macht er Träume für sich und das Publikum wahr. Nach Mario Basler stehen bei dem Verein noch weitere Promis wie Harald Schmidt oder die Toten Hosen auf dem Wunschzettel.

Ob sie tatsächlich einmal hierher kommen? Wer weiß? Fragen kostet ja nichts. Und eine gesunde Portion Größenwahn hat beim Kulturmachen doch noch nie geschadet.

Raum mit bewegter Geschichte

Schulhaus
Im Jahr 1915 wird die Fronäckerschule gegründet. Bis 1982 fand hier in fünf Klassenräumen Unterricht statt. Der heutige Theaterkeller diente ursprünglich als Turnsaal, später als Jugendtreff.

Programm
 Am Samstag, 18. Januar, um 20 Uhr startet im Theaterkeller das Jahresprogramm. Magic Paddy und Samara Alessa präsentieren Illusionskunst und Artistik. Am 14. März feiert das EKuThek-Ensemble Premiere mit der Komödie „Mit Vollgas in die 80er“. Mehr Infos unter: ekuthek.com