Die neue Trasse soll die Ehninger Ortsmitte entlasten. Foto: factum/Granville

Das Bauvorhaben, zu dem eine Eisenbahnüberführung gehört, belastet den Etat zusätzlich. Weil es eine Gemeindestraße ist, zahlt die Bahn nichts. Die Gemeinde hofft, dass über die Erschließungsbeiträge der Bühl-Bewohner genug in die Kasse kommt.

Ehningen - Ein lang geplantes Projekt mit komplizierten Bauarbeiten ist beendet. Der Ehninger Bürgermeister Claus Unger und zahlreiche Beteiligte an dem zwölf Millionen Euro teuren Vorhaben schnitten am Donnerstag das Band zur Eröffnung der Erschließungsstraße Bühl durch. Dazu gehört eine neue Eisenbahnüberführung, weshalb der Zugverkehr zwischenzeitlich ruhen musste. „Litten die Anwohner der Dagersheimer Straße und der Eichendorffstraße bisher unter dem Verkehr, werden sie nun eine deutliche Entlastung spüren“, erklärte Unger.

Gewerbesteuereinnahmen eingebrochen

Mit der Verkehrsverbindung werden die fast 1800 Bewohner in den Wohngebieten Bühl I und II mit der Kreisstraße zwischen Böblingen und Herrenberg verknüpft. Eine Bahnunterführung für die Bewohner, die auf die Kreisstraße wollten, gab es bisher schon: an der Eichendorffstraße. Allerdings ging es dort eng zu. Es wurde eine Ampel eingerichtet, um den Verkehr jeweils einspurig hindurchzulenken.

Manch kritischer Ehninger fragt sich, weshalb diese Unterführung nicht verbreitert und stattdessen die millionenschwere neue Unterquerung gebaut worden ist. „Wir brauchen die Umgehung“, sagen viele andere, „sie ist für die neuen Wohngebiete wichtig.“ Die Straße mit der neuen Brücke sei bereits unter seinem Vorgänger Hans Heinzmann vor dem Jahr 2004 geplant worden, sagt Unger. Im Zuge der Besiedlung von Bühl II hielt die Gemeinde an dem Vorhaben fest, ohne freilich zu ahnen, dass sie eines Tages in finanzielle Not kommen würde. Denn die Gewerbesteuereinnahmen sind enorm eingebrochen. Eine Rückzahlung von 2,5 Millionen Euro wurde fällig, Ende dieses Jahres kalkuliert Ehningen nur noch mit 1,5 Millionen Euro. In Spitzenzeiten nahm man 17 Millionen Euro ein. Doch durch die Firmen IBM und Bertrandt kommt nicht mehr so viel in die Kasse.

Noch keine Endabrechnung

Die Haushaltslage mit geplanten 10,8 Millionen Euro Schulden zum Jahresende ist prekär. Unger ist ins Landratsamt zitiert worden, um zu besprechen, wie künftig genehmigungsfähige Haushalte möglich sind. Zwar steuern die Bühl-Bewohner über Erschließungsbeiträge ihren Obolus an der neuen Trasse bei. Doch ist die Endabrechnung noch nicht gemacht. „Wir gehen da ins Risiko“, sagt Unger , „an uns bleibt wohl ein Millionenbetrag hängen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: