Viele Ehninger investieren viel Geld, um sich zu wappnen. Peter Müller schaffte sich auch einen Haustürschutz an. Foto: factum/Granville

Der grüne Kommunalpolitiker Peter Müller hat eine Interessengruppe ins Leben gerufen, die dafür sorgen möchte, dass die Gemeinde endlich mehr Schutzmaßnahmen ergreift. Der schon lange geplante Damm an der Würm lässt noch immer auf sich warten.

Ehningen - Das Wasser ist bis kurz vor unserem Haus gestanden“, erzählt Peter Müller, der in der Straße Hoher Garten in Ehningen wohnt. Genau dort, wo in der Nähe die Würm und der Krebsbach zusammenfließen. Der 51-Jährige erinnert sich noch gut an den 1. Juni, an dem nach einem Starkregen in der Gemeinde rund 40 Keller voll liefen. Und es wären viel mehr geworden, hätten die Einwohner sich nicht vorbereitet gehabt auf solch eine Situation. Um sich noch besser zu wappnen und die Verwaltung anzuspornen, endlich etwas mehr für den Hochwasserschutz zu tun, hat Peter Müller deshalb nun eine Interessengruppe ins Leben gerufen. „Bisher war es jedes Jahr knapp“, sagt er. „Und die Leute haben das Gefühl, dass es bei diesem Thema einfach nicht vorangeht.“

Exakt vor fünf Jahren war Müller selbst von den Fluten heimgesucht worden. Hunderte von Keller in der ganzen Gemeinde waren damals voll gelaufen, die Ortsmitte stand unter Wasser – all dies war kurz danach bei einer Sitzung des Gemeinderats dokumentiert worden. Die anschließende Debatte drehte sich um den geplanten Wasserdamm im Maurener Tal, sagt der EDV-Berater, der für die Grünen im Ehninger Stadtparlament sitzt. „Es war die Rede davon“, so Müller „dass mit dem Bau im Jahr 2015 begonnen werden und das Bauwerk 2017 fertig sein sollte.“ Doch was ist tatsächlich bis heute in Sachen Hochwasserschutz passiert? „Da fällt mir nichts ein“, betont der Kommunalpolitiker. „Außer, dass der Bach ausgebaggert wurde.“

Allerdings gibt es Gründe dafür, dass die Gemeinde nur schleppend vorankam. So konnte der Damm bisher nicht errichtet werden, weil die Grundstückseigentümer ihre Wiesen nicht verkaufen wollten, wie es im Rathaus heißt. Doch diese seien dazu nun bereit, betonte jüngst der Ehninger Bürgermeister Claus Unger. Im Herbst sollen demnach sämtliche Kaufverträge unter Dach und Fach sein. Dann könnte mit dem Bau des 210 Meter langen und 5,30 Meter hohen Damms wohl im nächsten Jahr begonnen werden. Für das Projekt sind 2,8 Millionen Euro veranschlagt.

Das vorletzte große Hochwasser gab es in Ehningen vor 40 Jahren. Manche Bürger sagten, sie warteten seitdem darauf, dass ein Damm gebaut wird, betont derweil Peter Müller – und sie endlich keine Angst mehr haben müssen. Aus seiner Sicht ist es deshalb an der Zeit, der Gemeinde „Dampf“ zu machen – mit einer Interessengruppe. Zur Gründungsversammlung Ende Juli hatten sich spontan 15 Betroffene eingefunden, fast täglich meldeten sich weitere Interessierte. Sie haben es satt, immer nur Versprechungen von Seiten der Verwaltung zu hören, wie Müller beklagt. Freilich: Schutzmaßnahmen im Ort machten nur wirklich Sinn, wenn der Damm gebaut sei. Denn dann könnten die Wälle und Wände im Ort kleiner ausfallen, sagt der Grünen-Politiker. Ein Mitglied der Interessengruppe hat vor seinem Haus bereits eine ein Meter hohe Schutzmauer errichtet – was am 1. Juni fast nicht ausgereicht hätte. „Es fehlten noch zwei Zentimeter, dann wäre das Wasser drüber geschwappt“, sagt Wolfgang Schindler. „Der Kelch ist auch an uns vorbei gegangen“, fügt Müller hinzu. Aber nur, weil er sich seit der letzten Flut vor fünf Jahren ausgerüstet hat. Damals standen Keller und Garage unter Wasser. Dort lagert er nun Sandsäcke, wie viele andere Menschen im Ort auch. Müller hat sich – ebenfalls wie die meisten seiner Nachbarn – auch gleich mehrere Pumpen angeschafft. Zudem legte er sich eine große Aluminium-Platte zu, mit der er seine Haustüre abdichten kann. Schließlich gilt als sicher: Der nächste heftige Gewitterregen kommt bestimmt – und der Damm lässt noch eine Weile auf sich warten.

Die Flut stieg auf 70 Zentimeter

Hochwasser:
Die Würm entwickelt sich bei starken Regenfällen schnell zu einem reißenden Strom. In Hildrizhausen gab es am 1. Juni 47 Feuerwehreinsätze, um das Wasser auf den Straßen und aus Kellern abzupumpen. Fünf Wohnungen mussten geräumt werden. Auch die Schule, das Rathaus, das Freibad und die Kläranlage wurden geflutet. Ähnlich schlimm ist Altdorf heimgesucht worden, wo die Würm entspringt. Dort stand das Wasser zeitweise bis zu 70 Zentimeter hoch auf den Straßen. Die Feuerwehr war 63 Mal im Einsatz.

Maßnahmen:
In Hildrizhausen und Altdorf werden die Wasserkanäle ertüchtigt. Altdorf putzt die Dolen und Gräben. Zudem wird dort eine Starkregengefahrenkarte erstellt.

Kontakt
: Die E-Mail der Ehninger Interessengruppe lautet: ig-hws-ehn@gmx.de.

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