Der Radweg zwischen Ehningen und Böblingen ist seit Freitag gesperrt. Foto: factum/Granville, dpa

Wegen den gefährlichen Raupen des Eichenprozessionsspinners sperrt die Gemeinde Ehningen den Radweg nach Böblingen. Auch andernorts machen die Tiere Probleme.

Böblingen - Es klingt unangenehm, was Claus Walz, der Leiter des Ehninger Bauamts, zu berichten hat. Bei Arbeiten am Gehölzstreifen zwischen dem Radweg, der vom Ehninger Ortsausgang zum Böblinger Tierheim verläuft, sowie der Kreisstraße sind mehrere Mitarbeiter des Bauhofs mit den giftigen Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners in Berührung gekommen. Die Folge: Rötungen der Haut, Pusteln, Beulen. „Die Arbeiten dort mussten abgebrochen werden“, sagt Walz.

Die Verwaltung entschied deshalb noch am Freitag, den Radweg aus Sicherheitsgründen bis auf Weiteres zu sperren, und hat eine Plastikschranke mit einem daran befestigten Warnschild aufgestellt. „Radweg gesperrt, Eichenprozessionsspinnerbefall“ steht darauf. Trotzdem werde die Schranke von Fußgängern und Radfahrern immer wieder zur Seite gerückt, berichtet der Bauamtsleiter Walz.

Bekämpfung der Schädlinge im Ort

Ein weiteres Problem an dieser Stelle: Die Gemeinde Ehningen ist nur für eben jenen Gehölzstreifen zwischen dem Radweg und der Straße zuständig. Der benachbarte Wald, in dem ebenfalls von den Raupen befallene Bäume stehen könnten, falle in die Zuständigkeit des Forstamts, so Walz. Eine mögliche Kontrolle müsse daher von dort ausgehen.

Innerhalb Ehningens laufe der Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner dagegen gut. „Dort haben wir alles im Griff.“ Schon seit April würden die kommunalen Bäume von den Bauhofmitarbeitern auf einen Befall kontrolliert. Sollten die Raupen in besonders kritischen Gegenden – etwa nahe Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen – entdeckt werden, „gehen wir das aktiv an“. Dann würden entweder Bauhofmitarbeiter in einem Ganzkörperschutzanzug anrücken oder gleich ein Schädlingsbekämpfer bestellt werden. Allerdings betreffe dies meist nur einzelne Bäume.

Verletzte auch in Sindelfingen

Auch in Sindelfingen läuft der Kampf gegen die gefährlichen Raupen auf Hochtouren. Besonders stark betroffen seien Siedlungsbereiche am Waldrand und auf der Burghalde, berichtet Christine Hemme, die Abteilungsleiterin des dortigen Amtes für Grün und Umwelt. „Am Haus Sommerhofen musste der gesamte Spielplatz gesperrt werden.“ Auch in Sindelfingen sind bereits einige Verletzte zu beklagen gewesen, darunter ebenfalls Mitarbeiter des Grünpflegebetriebs. „Die Sensibilisierung der Bürger und die Regenfälle der vergangenen Wochen haben aber dazu beigetragen, dass umfangreiche Erkrankungen bislang erfreulicherweise ausgeblieben sind“, sagt Hemme.

Bei der Stadt Böblingen habe es wegen des Eichenprozessionsspinners noch keine Sperrungen von Wegen oder Plätzen gegeben, sagt Wolfgang Pfeiffer, der Stadtsprecher. Allerdings will man den betroffenen Radweg nach Ehningen nun auch gründlicher unter die Lupe nehmen.

Gefahr durch die Brennhaare

Im Landratsamt Böblingen, das für den Wald im Kreis zuständig ist, beobachtet man das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners genau. Seit einigen Jahren kämen die Tiere mit starken Schwankungen der Population regelmäßig vor, sagt Rebecca Kottmann, die Sprecherin der Behörde. „Dieses Jahr tritt der Eichenprozessionsspinner nach Beobachtungen des Amtes für Forsten im Vergleich zu den letzten Jahren vermehrt auf.“ Normalerweise würde er sich vor allem an Waldrändern und auf einzeln stehenden, sonnigen Bäumen aufhalten. „Dieses Jahr ist aber zu beobachten, dass er auch im Waldbestand und damit an weniger besonnten Bäumen vorkommt“, so Kottmann. Es sei auch nicht zu erwarten, dass die Tiere wieder aus der hiesigen Natur verschwinden würden. Deshalb müssten sich Waldbesucher und Forstarbeiter ähnlich wie bei Zecken oder Wespen auf die Tiere einstellen.

Auch wenn die Wandersaison der Tiere in zwei Wochen beendet sein dürfte, kann Christine Hemme noch keine Entwarnung geben. Aus den Gespinstnestern könnten die gefährlichen Brennhaare nämlich noch jahrelang vom Wind verweht werden.

Der Eichenprozessionsspinner

Tierart: Der Eichenprozessionsspinner ist ein harmloser Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von 25 bis 30 Millimetern. Den Namen erhielt das Insekt, weil seine Raupen in Formationen von mehreren Tieren wie bei einer Prozession an Eichen empor wandern. Gelegentlich sind sie auch an Hainbuchen zu finden. Die Raupen fressen die Blätter ihrer Wirtsbäume und können die Pflanzen schädigen.

Gefahr: Nicht die ausgewachsenen Falter an sich sind gefährlich für den Menschen. Es sind die Brennhaare der Raupen in bestimmten Entwicklungsstadien­, die Gift enthalten und bei Kontakt Pusteln und Ausschlag auf der Haut verursachen. In schweren Fällen können sogar Atembeschwerden, Atemnot, Augenreizungen oder ein allergischer Schock auftreten. Deshalb sollte man unbedingt Abstand zu den Tieren wahren.

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