Am Ehninger Bahnhof wurden jetzt Parkautomaten aufgestellt . Foto: factum/Granville

Für die bisher kostenlosen Park-and-Ride-Plätze werden seit dem Jahreswechsel Gebühren fällig. Das betrifft aber nicht nur Pendler, sondern wirkt sich auch auf die Anwohner der umliegenden Straßen aus.

Böblingen - Die Zeiten des kostenlosen Parkens auf den beiden Ehninger (Kreis Böblingen) Park-and-Ride-Plätzen sind vorbei. Seit dem Jahreswechsel betreibt die DB Bahn-Park – die Parkraum-Managementgesellschaft der Deutschen Bahn mit der Firma Contipark als Betreiber – die Anlagen und hat dort Parkautomaten aufgestellt. Ein Tagesticket kostet nun 1,50 Euro, pro Monat fallen 15 Euro an. Die Gemeinde Ehningen, die die Parkplätze in der Bahnhofstraße und in der Bühlallee bisher betrieben hatte, hatte auf Gebühren verzichtet. „Das gibt es sonst nur noch in Nufringen“, sagt Brigitte Joppke, die Leiterin des Ehninger Ordnungsamts, jedenfalls an der S1-Strecke zwischen Böblingen und Herrenberg.

Der Grund für die neue Regelung: Der südlich der Bahnlinie gelegene Parkplatz mit 194 Stellplätzen gehört der Bahn. Diese hatte der Gemeinde Ehningen in der Vergangenheit vertraglich die Instandhaltung und den Betrieb des Parkplatzes überlassen. Diesen Kontrakt hat der Konzern im vergangenen Jahr gekündigt. „Wir wollen das Parken in der Region Stuttgart vereinheitlichen“, erklärt ein Bahnsprecher das Konzept. Das Ziel sei es, den Park-and-Ride-Anlagen ein einheitliches Erscheinungsbild etwa durch gleiche Schilder und eine gleiche Ausstattung zu verleihen. Die Parkgebühren seien zwar teilweise höher als bei anderen Betreibern, „allerdings bieten wir eine bessere Qualität des Parkens“, versichert der Sprecher.

Verschiedene Ticketpreise

Der Parkplatz in der Ehninger Bühlallee mit 53 Plätzen gehört zwar der Gemeinde und hätte daher prinzipiell gebührenfrei bleiben können. Allerdings hat die Gemeinde entschieden, ihn an die Bahn zu verpachten, 3180 Euro erhält sie dafür pro Jahr. „So gelten überall die gleichen Regeln“, erklärt Joppke. Außerdem sei die Bahn nun für die Pflege der gesamten Anlage zuständig – eine Aufgabe, die bisher der Gemeinde Ehningen zugefallen war.

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In Gärtringen dagegen hat die Gemeinde „ihren“ Park-and-Ride-Parkplatz nicht an die Bahn abgetreten. Sie bewirtschaftet die 256 Parkplätze an der Stuttgarter Straße auf eigenem Land weiterhin selbst. Die nördliche Anlage an der Bahnhofstraße mit 176 Parkplätzen habe, wie in Ehningen, die Firma DB Bahn-Park übernommen, erklärt Thomas Thüroff, der Sachgebietsleiter Öffentliche Sicherheit und Grundstücksverkehr in Gärtringen. Das habe zu unterschiedlichen Ticketpreisen geführt. „Bei uns kostet ein Monatsticket nur zehn Euro, auf dem Parkplatz der Bahn sind es 20 Euro“, berichtet er.

In Nufringen parkt man noch kostenfrei

In Nufringen werde der Park-and-Ride-Parkplatz, der sich ebenfalls auf einem Gelände der Bahn befindet, vorerst kostenfrei bleiben, sagt die Bürgermeisterin Ulrike Binninger. Eine Studie habe im Jahr 2009 ergeben, dass sich die Einführung von Parkgebühren erst nach zehn Jahren rentieren würde. „Reich wird eine Gemeinde damit auf keinen Fall.“

Die Bahn hat allerdings auch auf die 177 Nufringer Parkplätze bereits ein Auge geworfen. Zurzeit gebe es allerdings keine Möglichkeit, den Überlassungsvertrag zu kündigen, sagt der Bahnsprecher. Sobald dies möglich sei, wolle die Bahn auch diese Park-and-Ride-Anlage selbst betreiben.

Auch für die Ehninger Anwohner etwa im Baugebiet Bühl I, das an den S-Bahnhof grenzt, haben die Parkgebühren Folgen. Da die Gemeinde befürchtet, dass Pendler ihre Autos künftig in den umliegenden Straßen abstellen könnten, hat sie eine Parkscheibenregelung eingeführt. Dort darf man von 9 bis 17 Uhr nur noch vier Stunden lang parken. Anwohner können für 30 Euro im Jahr einen Parkausweis erwerben.

Anlieger sind besorgt

Bei einigen Anliegern kommen diese Pläne nicht gut an. Herbert Egger, der in Bühl I wohnt, sorgt sich, dass trotz der Parkscheibenregelung viel mehr Autos in seiner Straße parken könnten – weil die auswärtigen Fahrer durch die neuen Schilder quasi mit der Nase auf die dortigen Parkmöglichkeiten gestoßen würden. Die zeitliche Begrenzung hält er für sinnlos. „Wenn man halbtags arbeitet, dann reichen vier Stunden aus“, meint er. Die zusätzlichen Autos würden die in diesem Bereich sehr engen Straßen vollends verstopfen. „Ich will mir nicht vorstellen, wie die Feuerwehr da noch durchfahren will.“

In Nufringen habe eine solche Parkscheibenregelung in den Wohngebieten, die in der Nähe des Bahnhofs liegen, allerdings die gewünschte Wirkung gebracht, berichtet die Bürgermeisterin Ulrike Binninger. Die Parkzeit ist dort jedoch auf lediglich zwei Stunden begrenzt.

Park-and-Ride-Anlagen

Statistik
: Im VVS-Gebiet gibt es 218 Park-and-Ride-Plätze. Dort können insgesamt rund 17 000 Autos parken.

Parktickets
: Die Kosten variieren je nach dem Betreiber und Standort der Anlage. Im Parkhaus am Bondorfer Bahnhof kostet ein Monatsticket 13 Euro, in der Herrenberger Bahnhofstraße zahlt man für dieselbe Parkdauer 20 Euro. Kostenlos kann man sein Auto auf einem Park-and-Ride-Platz laut dem VVS im Kreis Böblingen noch in Nufringen, Gäufelden, Gültstein, Höfingen, Holzgerlingen, Magstadt, Maichingen, Malmsheim, Renningen, Rutesheim und Weil im Schönbuch abstellen.

Auslastung
: Der Bedarf an Park-and-Ride-Plätzen ist laut dem VVS groß. In Herrenberg, Nufringen und in der Rutesheimer Bahnhofstraße sind sie demnach in Spitzenzeiten völlig ausgelastet. In Weil im Schönbuch-Troppel oder in Holzgerlingen liegt die Belegung dagegen nur bei höchstens 15 Prozent.

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