Das Kernstück der neuen Umfahrung im Ehninger Norden ist eine Eisenbahnunterführung. Foto: factum/Granville

Die Gemeinde stemmt das Projekt trotz schwankender Gewerbesteuereinnahmen. Die Bühl-Allee samt Eisenbahnunterführung soll im Mai fertig sein. Letztere ist das Herzstück der Umfahrung, die vor allem für die Bewohner der Neubaugebiete gedacht ist.

Ehningen - Was Sindelfingen beim Auf und Ab der Gewerbesteuereinnahmen erlebt, erfährt die Gemeinde Ehningen im kleineren Stil. Geht es in der Daimlerstadt stets um zweistellige Millionenbeträge, so hat es die Kommune, in

der IBM seine Deutschland-Zentrale hat, zumeist nur mit einstelligen Millionenbeträgen zu tun. Dennoch treffen auch sie die Schwankungen enorm. Durch Nachzahlungen verbuchte der Ehninger Kämmerer im vergangenen Jahr 12,5 Millionen Euro Gewerbesteuer. Es gab aber auch schon Jahre, in denen nur etwa die Hälfte dieses Betrags in die Kasse floss.

Ungeachtet dessen wird in der knapp 8900 Einwohner zählenden Gemeinde weiterhin kräftig investiert. Einen großen Batzen Geld bringt sie für eine neue Umgehungsstraße auf: An der Bühl-Allee wird im dritten Bauabschnitt eine Eisenbahnunterführung geschaffen, damit die Bewohner der neuen Wohngebiete im Norden Ehingens nicht mehr durch den Ort fahren müssen. Kostenpunkt: insgesamt fast zwölf Millionen Euro.

Wohngebiete werden mit der Kreisstraße verbunden

Knapp vier Millionen Euro haben die beiden ersten Abschnitte der etwa einen Kilometer langen Strecke gekostet, die die Wohngebiete Bühl I und II mit der Kreisstraße zwischen Böblingen und Herrenberg verbindet. Für rund acht Millionen Euro wird derzeit mit einem enormen Aufwand eine Unterführung unter den beiden Zuggleisen hergestellt.

Vor Kurzem wurde ein 13 Meter breiter, 13 Meter langer und neun Meter hoher Betonstahlrahmen mit einem Gewicht von 1200 Tonnen unter die Behelfsbrücke geschoben, über welche die Züge zurzeit rollen. Sie bildet das Herzstück der künftigen Unterführung an der Bühl-Allee. Der Zugverkehr musste an diesem Tag vorübergehend ruhen. Ansonsten erfolgen die Arbeiten bei laufendem Bahnbetrieb. Derzeit spritzt eine riesige Pumpe Beton zwischen den Rahmen und den Brückenaufbau. Wo die 1400 Bühl-Bewohner und andere Verkehrsteilnehmer künftig den Ort umfahren können, ist bereits zu erkennen. Auch an der Trasse wird fleißig gearbeitet. „Wir sind voll im Zeitplan und auch im Kostenrahmen“, versichert der Bauleiter Yannik Beetz. Im nächsten Mai soll die Strecke freigegeben werden.

Umfahrung soll Lebensqualität erhöhen

Zuvor müssen jedoch noch die Behelfsbrücke entfernt und die künftige Zugüberquerung mit neuen Gleisen und dem Schotterbett hergestellt werden. Das Ganze soll zwischen dem 11. und 14. November geschehen. Der S-Bahn-, der Regional- und auch der Güterverkehr werden dann nochmals eingestellt, die Bahnreisenden müssen mit Bussen vorliebnehmen. Die Ehninger schließen mit der neuen Bühl-Allee ein lange geplantes Projekt ab. Die Umfahrung soll die Lebensqualität in der Kommune erhöhen, an deren Verbesserung die Ehninger seit Jahren arbeiten.

Nach dem Zuzug der IBM-Deutschland-Zentrale im Jahr 2009 flossen zudem auch für weitere Vorhaben die nötigen Summen: 6,5 Millionen Euro kostete eine neue Sporthalle, vor Kurzem wurde für 2,2 Millionen Euro eine neue Stadtbibliothek in der Ortsmitte eröffnet, die als Kulturzentrum genutzt wird.

Aktuell wird mit fünf Millionen Euro Gewerbesteuer geplant

Und seit diesem Schuljahr stehen in der Friedrich-Kammerer-Gemeinschaftsschule 14 neue Klassenzimmer mit dem neuesten technischen Standard zur Verfügung. Auch eine neue Mensa kann bald in Betrieb genommen werden. Für den Neubau bringt die Gemeinde den anderen großen Batzen Geld auf: insgesamt elf Millionen Euro. In diesem Jahr fallen dafür fünf Millionen Euro an. Im 39-Millionen-Euro-Etat sind im aktuellen Plan Investitionen von insgesamt 13,4 Millionen Euro vorgesehen. Darunter fällt auch die Erweiterung des Kindergartens in der Moltkestraße, die 1,3 Millionen Euro kostet. In der Kämmerei herrscht Zuversicht, mit den Ausgaben gut klarzukommen. Vorsichtigerweise wurde die Gewerbesteuereinnahme für dieses Jahr mit fünf Millionen Euro angesetzt.

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