Die Angeklagten sollen bei etlichen Geldspielautomaten die Gewinnausschüttung mit einer speziellen Software beeinflusst haben. Foto: dpa/Britta Pedersen

Ein Ehepaar und seine beiden Söhne sollen mit Komplizen Geldspielautomaten manipuliert und so das Finanzamt um Millionen betrogen haben. Pikant ist, dass eine der Angeklagten früher Führungsämter innehatte.

Stuttgart - Das Ziel sei gewesen, hohe Schwarzgeldeinnahmen zu generieren, sagt Staatsanwalt Thomas Schek vor der 20. Strafkammer des Landgerichts Stuttgart. Er hat die sieben Angeklagten, darunter ein Ehepaar und dessen zwei Söhne, wegen Steuerhinterziehung in Höhe von rund sieben Millionen Euro angeklagt. Die Gruppe soll jahrelang Geldspielautomaten manipuliert haben.

Der Hauptangeklagte, ein 63-jähriger Automatenaufsteller aus Waiblingen, soll als Kopf der von der Staatsanwaltschaft Bande genannten Gruppe 2013 mit den Manipulationen begonnen haben, nachdem seine Firma hatte Insolvenz anmelden müssen. Dabei seien USB-Sticks mit einer bestimmten Software – Russen-Sticks, Re-Setter, Bremser oder Bucher genannt – zum Einsatz gekommen.

Der Spieler merkt von der ganzen Sache nichts

Mit dieser Manipulationssoftware werden bei den Automaten Gewinnausschüttungen vorgegaukelt, die es gar nicht gegeben hat. Der angebliche Gewinn bleibt im Spielautomat, der Spieler merkt von der Manipulation nichts, weil ihm beim Spielen kein Gewinn angezeigt wird.

Zusätzlich werden die Ergebnislisten der einzelnen Automaten mit sogenannten Cash-Data-Notebooks so geschönt, dass die Behörden erst einmal nichts merken. Wenn – angeblich – mehr Gewinne ausgeschüttet werden, verdient der Spielhallenbetreiber weniger und zahlt dementsprechend weniger Umsatz- und Gewerbesteuer.

Der Hauptangeklagte soll mehrere Spielhallen in der Stuttgarter Innenstadt, in Waiblingen und in Augsburg betrieben, dies aber durch Strohfrauen, die als Geschäftsführerinnen vorgeschoben waren, verschleiert haben. Auch seien die Angeklagten in Kontakt mit einer Bande in Köln gestanden, die ebenfalls Spielautomaten manipuliert hatte.

Gewinn in anderem Fall: 48 Millionen Euro

Die Angeklagten sollen indes nicht nur eigene Automaten manipuliert haben. Man habe quasi als Dienstleister Betrugssoftware und Cash-Data-Notebooks auch an interessierte Spielhallenbetreiber weiterverkauft. Staatsanwalt Thomas Schek wirft den sieben Angeklagten insgesamt 160 Einzeltaten vor.

Dass mit solcherlei Betrug viel Geld zu verdienen ist, zeigt auch ein Prozess in Hagen. Dort stehen drei Spielhallenbetreiber vor Gericht, die laut Anklage 48 Millionen Euro an Steuern und Abgaben hinterzogen haben sollen. Die Staatsanwaltschaft Hagen hat mehrere Luxusautos der Angeklagten beschlagnahmt, die jetzt zur Versteigerung stehen – darunter ein Lamborghini mit 700 PS und ein mit echter Goldfolie verzierter Mercedes.

Die in Stuttgart angeklagte Frau soll für die Aufstellung von Automaten in Süddeutschland zuständig gewesen sein. Pikant dabei ist, dass die knapp 63-Jährige einst für die CDU in einem Gemeinderat im Rems-Murr-Kreis saß und in der Partei mehrere lokale Führungsämter innehatte.

Der Prozess vor der 20. Wirtschaftsstrafkammer wird am 7. November fortgesetzt.

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