Mitten in Msambweni: Eva Köder-Schmid mit ihren Schützlingen in Kenia Foto: privat

Es begann mit der Hochzeitsreise und endete mit einem Bildungsprojekt: Seit zehn Jahren ermöglichen die Kenia-Freunde aus Schöckingen afrikanischen Kindern den Besuch einer guten Schule. Die ersten beenden jetzt ihre Ausbildung.

Ditzingen - Wer die Familie Schmid in Schöckingen besucht will, kommt auch an Afrika vorbei: Großformatige Fotos von Giraffenpaaren, Nashorn-Familien oder Löwen-Sippen zieren die Wände des Treppenaufgangs. Dazwischen: Bilder von lachenden, farbenfroh gekleideten Kindern. „Besonders in der kalten Jahreszeit vermissen wir Kenia, die Natur und vor allem die Menschen“, sagt Eva Köder-Schmid. Vor zehn Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann Michael Schmid, Betreiber des Martinshofs und Schöckinger Ortsvorsteher, sowie einigen Freunden einen Verein gegründet, den man nicht unbedingt in dem kleinen, bäuerlich geprägten Ditzinger Ortsteil erwarten würde: die Kenia-Freunde saidia leo. „Das ist Suaheli und bedeutet: ‚heute helfen‘“, erklärt die Vereinsvorsitzende Köder-Schmid.

Kein Geld für eine gute Schule

Die Familie Schmid kennt sich gut aus in Kenia. Schon die Hochzeitsreise führte das Paar in das Land im Süden Afrikas. „Das Klima ist das ganze Jahr über angenehm“, sagt Michael Schmid. Durch Zufall entdeckte der reisefreudige Landwirt im Internet ein Grundstück in dem kleinen Dorf Msambweni, direkt am indischen Ozean, nahe der Grenze zu Tansania. Die Schmids flogen hin – und verliebten sich in den Ort. Sie bauten ein Haus und lernten die einheimischen Nachbarn kennen: „Offene, freundliche Menschen“, sagt Eva Köder-Schmid.

Die Lebensverhältnisse seien einfach: Viele Familien wohnen in Lehmhütten mit Dächern aus Palmblättern, ohne Elektrizität oder fließendes Wasser. Der Weg zum nächsten Brunnen sei weit. Viele, oft kinderreiche Familien lebten von der Hand in den Mund, denn es gebe kaum Arbeit: „Dann reicht das wenige Geld für das Nötigste – aber nicht für eine gute Schule.“

Es gibt nur eine Regel

Die Schmids, selbst Eltern von drei mittlerweile erwachsenen Kindern und Großeltern zweier Enkel, begannen, einzelne Mädchen oder Jungen finanziell zu unterstützen, wenn sie in Msambweni waren und merkten: Hier würde Hilfe gut tun und sich lohnen. „Kinder sind unsere Zukunft“, ist Eva Köder-Schmid überzeugt, „und nur eine gute Bildung eröffnet ihnen Möglichkeiten.“ In Schöckingen sprach sich schnell herum, was die Schmids in Kenia taten. So steckten ihnen Freunde immer wieder kleinere Summen zu mit den Worten: „Gebt es weiter.“ Das gab den Ausschlag, dass die Schmids 2010 beschlossen, einen Verein zu gründen, denn „solche Dinge gehören geregelt“, sagt Michael Schmid, der Kassier.

Heute zählen die Kenia-Freunde rund 80 Mitglieder. Viele haben Patenkinder in Msambweni, denen sie über den Verein jährlich 180 Euro Schulgeld zukommen lassen. „Ein warmes Mittagessen bekommen die Kinder auch“, so Köder-Schmid. Rund 20 Euro müssen die Familien selbst beisteuern, „damit sie Verantwortung übernehmen und den Schulbesuch mittragen.“ Einzige Regel: Pro Familie fördert der Verein höchstens drei Kinder.

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Der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort ist den Kenia-Freunden wichtig. Zweimal im Jahr reisen die Schmids auf eigene Kosten nach Msambweni. Zentraler Ansprechpartner ist Isaac, der Rektor der Karama Primary School, auf die viele der vom Verein geförderten Kinder gehen. An der Privatschule, die einen evangelisch-lutherischen Träger hat und auch muslimische Kinder aufnimmt, unterrichten engagierte Lehrer. „Das hat uns überzeugt“, sagt Köder-Schmid. Wenn die Vereinsvorsitzende nicht selbst vor Ort ist, tauscht sie sich mit Isaac per Mail oder Whatsapp aus. So kann der Verein auch kurzfristig einspringen. Manchmal bewirkt dann auch ein kleiner Betrag Großes. Wie etwa bei der Frau mit ihrem Neugeborenen, die das Krankenhaus nicht verlassen durfte, weil sie die Arztkosten von 16 Euro nicht bezahlen konnte.

Aus dem Schüler wird ein Helfer

Eva Köder-Schmids größter Wunsch ist, dass alle Mädchen und Jungen, die die Kenia-Freunde derzeit fördern, ihre Ausbildung beenden können. Und dann wäre da noch die Schulküche, mit Mitteln der Kenia-Freunde erbaut, um das Essen hygienisch zuzubereiten. Der Neubau braucht ein Vordach, „als Schutz vor Sonne und Regen.“ Die Arbeit für die Menschen in Kenia empfindet Eva Köder-Schmid als erfüllend. Ihre Augen strahlen, als sie erzählt: Unlängst habe Steven, ein Patenkind der ersten Stunde, sein Studium abgeschlossen. Doch damit nicht genug: „Mit seinem ersten Gehalt hat er die Patenschaft für ein Kind übernommen.“

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