Wo ist der Glaube an das Glück in der Ehe noch intakt? Wo hat er am meisten gelitten? Das Statistische Landesamt hat das für Baden-Württemberg analysiert.
Unter Wasser, in der Bergbahn, auf dem Gipfel, im Leuchtturm, im Schloss oder in einer historischen Kapelle – nie waren die Möglichkeiten, sich an ungewöhnlichen bis absonderlichen Orten das Jawort zu geben, so vielfältig wie heute. Aber passiert es auch? Laut dem Statistischen Landesamt ist die Antwort eindeutig: Heute wird deutlich weniger geheiratet als früher.
Um es präzise zu formulieren: Die Zahl der verheirateten Männer und Frauen in der erwachsenen Bevölkerung Baden-Württembergs ist deutlich gesunken, während der Anteil der Ledigen und der Geschiedenen gestiegen ist.
Ein Drittel bleibt ledig
Selbst der Laie, der nicht mehrere Semester Statistik an der Uni belegt hat, ahnt: Die gegenläufigen Entwicklungen hängen zusammen. Konkret haben die Statistiker die aktuellen Zahlen von Ende 2022 mit den Verhältnissen von 1980 verglichen. Insgesamt ist die Quote der Verheirateten im Südwesten in diesen vier Jahrzehnten von fast zwei Drittel (62,9 Prozent) auf gut die Hälfte (52 Prozent) gesunken. Bei den Ledigen stieg der Anteil von knapp einem Viertel (23,8) auf knapp ein Drittel (32,5).
Hinter dem landesweiten Trend verbergen sich allerdings erhebliche Stadt-Land- Unterschiede: Im Enzkreis und im Alb-Donau-Kreis ist die Verheiratetenquote heute kaum niedriger als 1980 und mit 57 Prozent landesweit spitze. In Heidelberg dagegen ist der Anteil mit 36 Prozent am niedrigsten. Die Statistiker führen dies auf das universitär geprägte Milieu der Stadt zurück.
Wo Ledige die Mehrheit sind
Nur in vier Universitätsstädten in Baden-Württemberg ist die Zahl der unverheiratet gebliebenen Menschen größer als die der Verheirateten: In Heidelberg ist jeder zweite Bewohner ledig und nur gut jeder dritte verheiratet. Auch in Mannheim und Stuttgart (mit 43 gegenüber 41 beziehungsweise 42 Prozent) sowie in Karlsruhe (mit 45 gegenüber 41 Prozent) ist die Verheiratetenquote niedriger als der jeweilige Anteil der Ledigen.
Wer sich nun fragt, ob wohl die Schwaben oder die Badener sich im Lauf der Jahrzehnte zu den größeren Heiratsmuffeln im Südwesten entwickelt haben, kann sich entspannen: Das schenkt sich nämlich, wie das Statistische Landesamt auf Anfrage errechnet hat, kaum etwas. In den badischen Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg liegt die Verheiratetenquote mit 51 Prozent um ein Prozent unter dem Landesdurchschnitt. In den württembergischen Bezirken Stuttgart und Tübingen rangiert sie mit 53 Prozent um ein Prozent darüber.