Der Kran steht bereits: Ende Februar sollen die Bauarbeiten rund um den Güterschuppen beginnen. Foto: factum/Simon Granville

Ein Unternehmer aus dem Kreis Ludwigsburg hat das denkmalgeschützte Gebäude in der Nähe des Bahnhofs gekauft und möchte eine Wirtschaft plus Hotel daraus machen. Er investiert 1,4 Millionen Euro – trotz großer Konkurrenz in der Umgebung.

Freiberg am Neckar - Wenn es nach Jürgen Kiefer geht, sitzen spätestens im Sommer 2021 die ersten Gäste auf der Terrasse hinter dem Güterschuppen in Freiberg am Neckar. Angepeilt ist die Eröffnung aber schon Ende nächsten Jahres. Der Unternehmer aus Marbach will in dem denkmalgeschützten Gebäude gleich neben dem Bahnhof ein Hotel und ein Restaurant etablieren, 1,4 Millionen Euro investiert er nach eigenen Angaben. Die Fundamente im Keller sind bereits aufgeschüttet, in zehn Wochen sollen die Bauarbeiten im Außenbereich beginnen. Pendler und Autofahrer müssen sich dann auf weitere Behinderungen rund um den Bahnhof einstellen – derzeit wird auch schon der Vorplatz umgestaltet.

„Wenn alles einmal fertig ist, dann sticht der Bahnhof heraus“, sagt Bürgermeister Dirk Schaible. Er nennt das Engagement Kiefers einen „Glücksfall“. Dass das komplette Areal ein neues Gesicht bekommt, sei für ihn entscheidend gewesen, sagt Kiefer. Er hat der Stadt das Gebäude bereits vor zwei Jahren abgekauft. Wer den renovierten Güterschuppen betreibt, wenn er einmal fertig ist, ist indes noch nicht klar. Aber Kiefer hat bereits Gespräche mit einem Interessenten geführt. Das gastronomische Angebot wird eher rustikal, keine Spitzengastronomie, etwas für die breite Masse – unter anderem soll im hinteren Bereich der 180 Quadratmeter großen Innenfläche eine Bar entstehen. Das Lokal werde sich aber nur in Verbindung mit dem Hotel tragen, ist sich Jürgen Kiefer sicher. Im Obergeschoss entstehen deshalb acht Zimmer, im Dachstock vier weitere.

Zieht es sogar Messegäste nach Freiberg?

Bleibt abzuwarten, ob die Gäste dann auch wirklich kommen. Rund 250 Meter die Straße hinunter befindet sich das Hotel Schober, 100 Meter in die andere Richtung kann man in einem American Diner mit Blick auf den Bahnhof sitzen, und auch sonst gibt es – gemessen an den 16 000 Einwohnern – eine Menge gastronomische Angebote. Dirk Schaible verweist auf die Kneipe Hutsempl, die sich lange Jahre in dem ehemaligen Bahnhofsgebäude direkt gegenüber gehalten habe und gut gelaufen sei. Und die Zahl an Hotelbetten, die bisher in Freiberg zur Verfügung stehen, reiche nicht aus. „Das beklagen die ansässigen Unternehmen“, sagt der erste Beigeordnete Stefan Kegreiß. Für Jürgen Kiefer, der unter anderem das Ärztehaus in Marbach umgebaut hat, ist der kurze Weg zur S-Bahn das schlagende Argument.

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Seiner Meinung nach kommt eine Übernachtung in Freiberg selbst für Besucher der Messe Stuttgart in Frage. Gähnende Leere im Erdgeschoss und zu wenig Kundschaft für den Gastronomen befürchtet er ebenfalls nicht – auch nicht im Sommer. Der Entwurf des Architekten Stefan Kling sieht eine 200 Quadratmeter große überdachte Terrasse auf der Rückseite zwischen Schuppen und Bahngleisen vor. Die Statik zu erhalten und auch die Dämmung des Schuppens aus dem 19. Jahrhundert sei eine „Herausforderung“ gewesen, sagt Kling. Denn an der hölzernen Hülle darf nichts verändert werden.

Gemeinderat entscheidet sich gegen kulturelles Angebot

An einigen Stellen hat das Denkmalamt allerdings ein Auge zugedrückt. Christian Müller sagt sogar: „Es ist erschreckend, wie viele Kompromisse gemacht wurden.“ Als Beispiel nennt der Architekt die Fluchtwege. Müller ist einer der Initiatoren des Bürgerprojekts Güterschuppen Gleis 1. Die Initiative wollte aus dem Schuppen ein Kulturzentrum mit Bewirtung machen. Dazu hatte sie etwa eine halbe Million Euro von Bürgern und Unternehmern eingesammelt, die zu je 1000 Euro Anteilsscheine zeichnen konnten. Weil aber nicht genug Geld zusammenkam, unterbreitete die Initiative der Stadt den Vorschlag, Anteile im Wert von 250 000 Euro zu zeichnen, unter der Voraussetzung, sie später wieder an andere Zeichner abgeben zu können. Der Gemeinderat lehnte weitere Investitionen aber ab. Unter anderem wurde argumentiert, man sei der Genossenschaft bereits entgegengekommen und habe ihr den Schuppen mietfrei überlassen, um mit Veranstaltungen für das Projekt zu werben. Dirk Schaible sagt im Nachhinein, dass die Idee zu Beginn einen „gewissen Reiz“ gehabt habe, „die Realität hat aber gezeigt, dass es nicht machbar ist“.

Christian Müller sieht das anders. „Das Konzept hätte funktioniert.“ Mit der Brauerei Distelhäuser im Rücken hätten sich nach und nach genügend Interessenten gefunden. Dass der Schuppen nun „rein kommerziell“ genutzt werde, findet er schade. „Man hätte einen wirklichen Akzent setzen und zeigen können, dass man bürgerschaftliches Engagement ernst nimmt.“ Jürgen Kiefer meint, dass der Güterschuppen auch in seiner nun geplanten Form der Öffentlichkeit zu Gute kommt. „Deshalb haben wir eine Wirtschaft drin.“

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