Papst Franziskus (links) feierte Ende Juni 2016 mit Benedikt dessen 65. Priesterjubiläum im Vatikan. Foto: dpa

Am Ostersonntag wird Joseph Ratzinger 90 Jahre alt. Seine Gesundheit ist angeschlagen, doch er ist weiterhin präsent und pflegt ein gutes Verhältnis zu seinem Nachfolger.

Rom - In den 1990er Jahren hatten Antiwitze Hochkonjunktur. Ein beliebtes Beispiel: Treffen sich zwei Päpste. Der Witz: Damals galt es als ausgeschlossen, dass es zwei Päpste gleichzeitig geben könnte. Aus dem wenig lustigen Scherz ist vor gut vier Jahren plötzlich Realität geworden. Knapp zwei Monate vor seinem 86. Geburtstag ist Joseph Ratzinger als Papst zurückgetreten. Aus Altersgründen, wie er diesen Schritt selbst erklärte. Etwa 600 Jahre lang hatte es keinen Papstrücktritt mehr gegeben. Am 28. Februar 2013, um genau 20 Uhr, begann die Sedisvakanz. Am 13. März hieß es dann „Habemus Papam“, und Jorge Mario Bergoglio wurde zum 265. Nachfolger Petrus’.

An diesem Ostersonntag wird Joseph Ratzinger, der emeritierte Papst Benedikt XVI., 90 Jahre alt. Welchen Einfluss hat der Mann aus dem oberbayerischen Marktl am Inn heute noch auf die Geschehnisse in der katholischen Kirche? Auf eigenen Wunsch lebt Ratzinger seit seinem Rücktritt „ab­geschieden von der Welt“ und dient ihr „im Gebet“ in dem Kloster Mater Ecclesiae, nur etwa 200 Meter entfernt von der Wohnung seines Nachfolgers innerhalb der Mauern des Vatikans. Laut Berichten seines Bruders Georg Ratzinger verbringt Benedikt seine Tage jetzt betend oder mit Meditieren, er bearbeite seine Korrespondenz und empfange Gäste.

Zwei Männer in Weiß

Entgegen mancher Verschwörungstheorie heißt es aus dem Vatikan, der aktuelle und der emeritierte Papst verstünden sich blendend. Alle zwei bis drei Monate besuche Franziskus seinen Vorgänger zu einem Gespräch unter vier Augen. Der Papst scheint keinen Anstoß an dem immer noch präsenten Vorgänger zu nehmen, ganz im Gegenteil. Anfang 2015 sagte Franziskus in einem Interview im mexikanischen Fernsehen, auch er werde nicht zögern zurückzutreten, wenn er den Eindruck habe, seine Kräfte reichten zur Ausübung des Petrusdienstes nicht mehr aus.

Dabei sind der Rücktritt Benedikts und seine heutige Rolle noch immer sehr umstritten. Der Historiker Hubert Wolf wirft ihm vor, mit dem Tragen der Papstgewänder und dem Weiterführen seines Papst­namens und der Anrede „Eure Heiligkeit“ trage Benedikt selbst zu der Verwirrung bei, weil es mitunter „zwei Männer in Weiß“ auf dem Petersplatz gebe. So war es beispielsweise auch am 27. April 2014 bei der Heiligsprechung Johannes XXIII. und Johannes Paul II. der Fall.

Aufregung löste im Sommer 2016 auch eine Rede Georg Gänsweins aus, Präfekt des Päpstlichen Hauses und Privatsekretär Benedikts zugleich. Georg Gänswein hatte an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom gesagt, seit dem Amtsverzicht Benedikts gebe es „de facto ein erweitertes Amt – mit einem aktiven und einem kontemplativen Teilhaber“. Er sprach von einem „gemeinsamen Dienst“, denn mit dem Rücktritt habe Ratzinger den Papstdienst nicht verlassen. Später wehrte sich Gänswein gegen Vorwürfe, er habe von zwei Päpsten gesprochen. Und Franziskus selbst gab eine klare Ansage: Benedikt sei kein zweiter Papst, sondern ein emeritierter, und damit gebe es auch kein geteiltes Papstamt. Auch Benedikt bekräftigte Ende August in einem Interview mit der italienischen Zeitung „La Repubblica“: „Der Gehorsam meinem Nachfolger gegenüber stand niemals zur Diskussion.“ All die Spekulationen konnten dem Verhältnis der beiden augenscheinlich nicht schaden.

Seine Kraft lässt nach

Jedes Jahr überbringt Franziskus seinem Vorgänger persönlich seine Weihnachtsgrüße – die Geste ist schon zu einer kleinen Tradition zwischen den beiden geworden. Geistig und intellektuell sei Benedikt noch fit, heißt es aus dem Vatikan, körperlich sehe das leider etwas anders aus, seine Kraft lasse stetig nach. „Er ist wie eine Kerze, die langsam und friedlich abbrennt“, sagte Gänswein im Frühjahr 2016 der italienischen Zeitschrift „Benessere“.

Daher gibt es auch keine gemeinsamen öffentlichen Auftritte mehr von Franziskus und seinem Vorgänger. Der letzte war am 8. Dezember 2015, als Papst Franziskus das Heilige Jahr der Barmherzigkeit einläutete. Hinter seinem Nachfolger war auch Ratzinger durch die gerade geöffnete Heilige Pforte des Petersdoms geschritten – gestützt von Gänswein. 2014 und 2015 hatte Benedikt noch persönlich an der Kardinalskreierung im Petersdom teilgenommen, auf ausdrücklichen Wunsch von Papst Franziskus, der damit trotz seines Reformeifers wohl auch eine gewisse Kontinuität demonstrieren wollte. 2016 war Benedikt die Teilnahme dann nicht mehr möglich. Franziskus führte die 17 neuen Kardinäle daraufhin nach deren Ernennung zu seinem Vorgänger.

Sowohl Franziskus als auch Benedikt sind keine Freunde rauschender Feste. Für Ostersonntag ist offiziell nichts Besonderes zum 90. Geburtstag Ratzingers geplant. Wie der Vatikan mitteilte, machte Franziskus dem emeritierten Papst bereits am Mittwoch in dessen Alterssitz seine Aufwartung. Franziskus habe ihm wie jedes Jahr seine guten Wünsche zu Ostern übermittelt und zugleich zum Geburtstag gratuliert.

Am Montag empfängt Ratzinger eine Delegation aus Bayern, der auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angehören wird. Auch den dürfte die Frage umtreiben: Was schenkt man einem Papst?

Am besten, man orientiert sich am Papst: Benedikt hat Franziskus zu dessen 80. Geburtstag vergangenes Jahr einen „sehr freundlichen Brief“ geschrieben. Außerdem soll er „drei kleine Geschenke“ für Franziskus gehabt haben, was genau, das hielt der Vatikan geheim. Es hieß lediglich, es handelte sich um drei „für beide sehr persönliche und bedeutsame Dinge“.

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