Der frühere Eishockey-Profi Mike Glemser ist seit Februar 2023 querschnittsgelähmt. Es sind die Folgen eines Foulspiels, das eine Klage nach sich zog. Ein Gütetermin brachte nun keine Einigung, aber neue Erkenntnisse.
Am frühen Morgen war Mike Glemser mit seiner Freundin Lara Lindmayer daheim in Pforzheim aufgebrochen, um rechtzeitig in Garmisch-Partenkirchen zu sein. Im dortigen Gerichtsgebäude tagte am Donnerstag ab 11.10 Uhr die örtliche Kammer des Arbeitsgerichts München. Auf der Tagesordnung stand der Fall des früheren Eishockey-Profis, der seit einer Sport-Tragödie, die sich am 3. Februar 2023 ereignete, vom Hals abwärts gelähmt ist und im Rollstuhl sitzt.
Nun verklagt Mike Glemser, der aus Stuttgart stammt, seinen damaligen Gegenspieler Jan-Niklas Pietsch, von dem er in der Partie seiner Starbulls Rosenheim beim SC Riessersee gefoult worden war, auf ein Schmerzensgeld von mindestens 650 000 Euro. Insgesamt beläuft sich der Streitwert der Klage auf 822 000 Euro. Neue Erkenntnisse brachte der Gütetermin in Garmisch-Partenkirchen nicht, das Treffen vor der Arbeitsrichterin Birgit Römheld war nach fünf Minuten schon wieder vorbei. Interessante Einschätzungen gab es aber sehr wohl zu hören.
Diese kamen allerdings nicht von Mike Glemser. Der 27-jährige Ex-Profi und dessen Anwalt Oliver Negele (Bobingen) wollten nach dem Gütetermin keine Stellung nehmen. Im Gerichtssaal hatte Negele erklärt, dass die Verhandlung in Garmisch-Partenkirchen aus seiner Sicht nicht notwendig gewesen wäre: „Wir wollten mit der Haftpflichtversicherung von Jan-Niklas Pietsch außergerichtlich verhandeln, doch wir haben von seiner Seite die notwendigen Daten dafür bis heute nicht bekommen.“ Aus Sicht von Wolfram Cech (Hannover) gibt es dafür auch einen Grund: „Die private Haftpflichtversicherung hat abgewunken, da es sich um einen Arbeitsunfall handelt“, erklärte der Anwalt von Jan-Niklas Pietsch, „und eine andere Versicherung gibt es nicht.“
Nachdem schnell absehbar war, dass es zu keiner gütlichen Einigung kommen wird, verkündete Richterin Birgit Römheld den nächsten Schritt: Sie wird einen Termin für eine Verhandlung vor der Kammer festsetzen. Diesem sieht Wolfram Cech mit großer Gelassenheit entgegen.
Anwalt widerspricht Glemsers Darstellung
Während Mike Glemser, Lara Lindmayer und Oliver Negele das Gerichtsgebäude in Garmisch-Partenkirchen schnell verließen, beantwortete der Anwalt von Jan-Niklas Pietsch ausführlich die Fragen der Medienvertreter – und widersprach der Darstellung von Mike Glemser, dass sich Jan-Niklas Pietsch nach dem Unglück nie bei ihm gemeldet habe.
„Das ist kategorisch falsch“, sagte Cech, „er hat kurz nach dem Unfall Kontakt zur Freundin von Mike Glemser aufgenommen und seinen Besuch angeboten, das wurde abgelehnt.“ Auf die Frage, warum Jan-Niklas Pietsch den querschnittsgelähmten Mike Glemser nie um Entschuldigen gebeten habe, antwortete dessen Anwalt: „Die Tragödie, die passiert ist, tut ihm leid. Aber er muss sich für nichts entschuldigen.“
Wie schwer das Foul gewesen ist, nach dem Mike Glemser unglücklich mit dem Kopf in die Bande geprallt war, wird bei dem Kammertermin erneut zur Sprache kommen. Wolfram Cech erklärte, dass seinem Mandaten sowohl ein Vorsatz bei der Handlung wie auch ein Vorsatz, was die Schwere der Verletzung angeht, nachgewiesen werden müsse, um ihn verurteilen zu können.
„Es ist für uns klar, dass er Mike Glemser nicht absichtlich verletzen wollte“, sagte der Jurist aus Hannover, Checks dieser Intensität würde es in jedem Eishockeyspiel „70 bis 100“ geben: „Wenn diese Klage Erfolg hat, dann müsste ich allen meinen Mandaten aus dem Eishockey raten, mit dem Sport aufzuhören. Dieser Fall ist tragisch, aber die Schwere der Verletzung muss bei der Beurteilung der Handlung ausgeblendet werden.“ Zudem betonte Cech, dass es bei der Höhe der Forderung von Mike Glemser, anders als von diesem dargestellt, sehr wohl um die Existenz von Jan-Niklas Pietsch gehe: „Es gibt keine Versicherung, die einspringt. Sollte er verurteilt werden, haftet er mit Haus und Hof.“
Wie der Fall ausgeht, ist offen. Bis es zu dem Kammertermin in Garmisch-Partenkirchen kommt, dürfte es erfahrungsgemäß drei bis vier Monate dauern.