Unter der hohen Decke hat eine galerieähnliche Ebene Platz. Durch die großen Fenster geht es auf den Balkon. Foto: Gottfried Stoppel

Die ehemalige Schule im Teilort Hößlinswart wird in ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen umgebaut. Damit erfüllt sich der Bürgerwunsch, das ortsbildprägende Gebäude zu erhalten.

Berglen - Bunte Fußspuren führen über den Pausenhof, in den Klassenzimmern hängen noch mit Kreide bemalte Tafeln. Kaum zu glauben, dass der letzte Schultag in Hößlinswart schon fast vier Jahre her ist. Dass das Gebäude fast unverändert dasteht, hat damit zu tun, dass es sich Berglen mit der Nachnutzung des Geländes nicht einfach gemacht hat. „Wir hätten natürlich alles abreißen und die 14 Ar in Bauflächen aufteilen können“, sagt Bürgermeister Maximilian Friedrich. Das sei aber nicht im Sinne der Bürger und der Gemeinde gewesen. „Es stand im Fokus, das Gebäude in seiner Grundstruktur zu erhalten.“

Ein Ärztehaus oder eine Anlage für betreutes Wohnen hatten sich die Bürger unter anderem gewünscht. Doch nach der Prüfung durch ein Stuttgarter Stadtplanungsbüro sei eigentlich nur die Umwandlung in ein Wohnhaus als Option übrig geblieben.

Acht Wohnungen mit 50 bis 120 Quadratmetern sind geplant

Den Zuschlag für das Projekt haben schließlich zwei Schwaikheimer bekommen, der Investor Joachim Braun und der Architekt Peter Vollmer. Braun sieht die Vermietung der geplanten acht Wohnungen als Altersvorsorge. „Wir sind froh, dass Mietwohnungen entstehen, denn die Nachfrage danach ist in Berglen hoch“, sagt Bürgermeister Friedrich. Architekt Vollmer war von dem Projekt sofort begeistert: „Die Schule ist ein besonderes Haus, das etwas Besonderes bleiben wird und besonderes Wohnen ermöglichen wird“, sagt er.

Geplant ist, das Gebäude um etwa sieben Meter zu verlängern. Dann finden darin acht Wohnungen zwischen 50 und 120 Quadratmetern Platz. Die Gebäudestruktur mit den Klassenzimmern und dem Flurbereich bleibt im Grunde erhalten. „Eigentlich könnten die Zwischenwände stehen bleiben, aber aus Schallschutzgründen müssen wir diese erneuern“, erläutert Vollmer. Bedingt durch die besondere Gebäudestruktur sollen sich die Wohnungen im Obergeschoss teilweise über drei Ebenen ziehen. Zum einen wird eine etwa 65 Zentimeter hohe Plattform in Richtung Fenster nötig sein, da durch diese der Zugang zu Balkonen erfolgen soll. Mit diesen wird das Gebäude nachgerüstet. Zum anderen ist eine Art Galerie unter dem Dach geplant, allerdings muss dafür die Dachkonstruktion etwas verändert werden, um den nötigen Raum zu gewinnen. Größere Umbauten sind auch im Sanitärbereich nötig. Bisher gibt es im ganzen Obergeschoss nur ein kleines Waschbecken, die Toiletten befinden sich in einem kleinen Anbau.

Die Außenmauer aus Sandstein wird erhalten

Da einige Wohnungen einen Zugang von der rückwärtigen Seite erhalten, wird es dort eine Außentreppe geben. Andere Einheiten werden über das bisherige Treppenhaus erschlossen. Die dort befindliche etwa 45 Zentimeter dicke Sandstein-Außenmauer an der Westseite des Gebäudes wird stehen bleiben – auch wenn sie aus energetischen Gründen eine Herausforderung darstellt. Ein moderner Energiestandard soll auf jeden Fall erreicht werden. „Unser Ziel ist es aber eigentlich, ein Plusenergiehaus hinzubekommen“, erläutert Peter Vollmer. Wenn möglich soll das Haus also mehr Energie erzeugen, als es verbraucht. Strom soll eine Fotovoltaikanlage erzeugen. „Dafür bietet sich das große Dach in Richtung Süden an“, sagt Investor Joachim Braun, der das Gebäude für 420 000 Euro von der Gemeinde kauft. Die ersten Mieter könnten Anfang 2018 einziehen. „Einige Interessenten haben sich schon gemeldet“, erzählt Bürgermeister Friedrich.

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