Eine gute halbe Stunde nach dem Säureangriff wurde das Auto der Tatverdächtigen brennend aufgefunden. Foto: Benjamin Beytekin

Eine 46-Jährige steht im Verdacht, ihren Ehemann mit Säure im Gesicht verletzt zu haben. Eine halbe Stunde nach der Tat wurde sie aufgegriffen – neben ihrem brennenden Auto.

Berglen/Winnenden - In der Gemeinde Berglen hat sich am Donnerstagabend ein Familiendrama abgespielt, bei dem ein Mann verletzt wurde. Gegen 18.30 Uhr ging der Notruf eines Mannes aus einem Teilort bei der Polizei ein. Als Beamte und Rettungsdienst in der Wohnung in Lehnenberg eintrafen, fanden sie einen 43-Jährigen vor, der im Gesicht Verätzungen aufwies. Nachdem der Mann erstversorgt worden war, kam er in ein Krankenhaus. Den bisherigen Ermittlungen zufolge hatte seine Gattin ihn nach einem Streit mit Säure angegriffen. „Das Motiv waren wahrscheinlich Ehestreitigkeiten“, sagt ein Polizeisprecher. Bei der Flüssigkeit handelte es sich wohl um Salzsäure. Am Freitagnachmittag liefen noch Untersuchungen, um die Chemikalie zu bestimmen.

Die dringend tatverdächtige 46-jährige Frau des Opfers war in der Wohnung des Ehepaares nicht aufzufinden. Sie war mit ihrem Auto, einem Mini Cooper, davongefahren, bevor die Polizei eintraf. Etwa eine halbe Stunde später folgte der nächste Einsatz: Polizei und Feuerwehr wurden zu einem rund zwölf Fahrminuten entfernten Feldweg in der Nähe des Winnender Bahnhofs und der Schwaikheimer Straße gerufen. Dort stand ein Auto in Flammen – es handelte sich um den Mini der Gesuchten.

Der Ehemann belastet seine Gattin schwer

Polizisten griffen die 46-Jährige in der Nähe des brennenden Fahrzeugs auf. „Sie war ansprechbar und augenscheinlich nicht verletzt“, so der Polizeisprecher. Sie habe nicht versucht, sich etwas anzutun. Während die Feuerwehr die Flammen aus dem Autowrack löschte, blieb die nahe Bahnstrecke für eine halbe Stunde gesperrt. Die Frau wurde aufs Revier mitgenommen, wo die Polizei sie verhörte. „Sie macht zwar Angaben, die sind aber meist wenig konkret“, sagte ein Polizeisprecher. Der Ehemann belaste in seinen Aussagen seine Gattin schwer, sie selbst habe die Vorwürfe aber nicht wirklich eingeräumt.

Die Ermittler haben Anhaltspunkte dafür, dass der Mini mithilfe von Brandbeschleunigern angezündet worden ist. Auch wenn es naheliegend scheint: „Wir wissen aber noch nicht, ob die Frau das Auto tatsächlich selbst angezündet hat“, erklärte der Polizeisprecher am Freitagnachmittag. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei ermitteln nun wegen des Verdachts der versuchten schweren Körperverletzung gegen die Frau aus Berglen. Die Staatsanwaltschaft hat angeordnet, die 46-jährige Frau in einer Psychiatrie unterzubringen. Der verletzte Ehemann befand sich am späten Freitagnachmittag noch im Krankenhaus. „Die Verletzungen waren nicht lebensgefährlich, er ist nicht erblindet. Und er wird wohl keine bleibenden Schäden davontragen“, erklärte ein Polizeisprecher.

Säure als Waffe

Motiv Laut einer Studie sind die allermeisten Opfer von Säure-Attacken Frauen. Oft sind Eifersucht oder Zurückweisung das Motiv der Täter, ihr Opfer für immer zu entstellen.

Seltenheit
In der Region Stuttgart sind in den letzten Jahren keine Fälle bekannt, bei denen Menschen mit Säure angegriffen wurden. In Hannover machte im Sommer ein Fall Schlagzeilen, in dem ein Säure-Täter gegen ein Urteil Revision einlegte – und mit 15 statt zwölf Jahren eine härtere Strafe für sich selbst forderte.

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.versuchte-vergewaltigung-in-waiblingen-22-jaehrige-wehrt-sich-gegen-zwei-maenner.3d1aac49-c9ac-4c6c-8c0d-6bbf634a9abc.html

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