Ehec auf Öko-Sprossen Ist Bio gefährlich?

Von Markus Brauer 

 Foto: dpa
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Öko ist umweltschonender und teurer, aber auch besser als herkömmliches Essen?

Stuttgart - Bio-Lebensmittel stehen bei Deutschlands Verbrauchern hoch im Kurs - noch. Denn in Zeiten von Ehec kommen Zweifel am Mehrwert von ökologischem Anbau auf. Hier die wichtigsten Fakten.

Warum sollen Bio-Lebensmittel plötzlich gefährlich sein?

Gefährliche Ehec-Keime auf Sprossen eines Biohofs in Bienenbüttel verunsichern Betriebe und Verbände. Der Berliner Wissenschaftsjournalist Hartmut Wewetzer stellte in der Zeitung "Tagesspiegel" die These auf: "Bio-Lebensmittel sind nicht nachweislich gesünder als herkömmlich erzeugte und manchmal sogar gefährlicher." Das habe zwei Gründe: Statt Kunstdünger würden Bio-Bauern Gülle, Mist und Kompost einsetzen, die Krankheitserreger wie den Ehec-Keim enthalten könnten. Zum anderen habe der Hang zu rohen, naturnahen und unbehandelten Lebensmitteln seine Tücken.

Macht Gülle-Düngung Bio-Produkte zu Ehec-Schleudern?

"Aus den zurückliegenden Ehec-Fällen der letzten Jahre wissen wir, dass Bio-Produkte nicht mehr oder weniger gefährlich sind als konventionelle", erklärt Peter Röhrig, Stellvertretender Geschäftsführer des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), dem Dachverband der deutschen Bio-Branche. In Deutschland würde der größte Teil der anfallenden Gülle auf konventionell bewirtschaftete Flächen ausgebracht. Für den Gemüseanbau sei Gülle als Dünger ungeeignet. Weder konventionelle noch ökologische Betriebe würden Gülle auf Gemüsepflanzen ausbringen, auch weil dies den Pflanzen direkt schade.

Sind Bio-Produkte ernährungsphysiologisch wertvoller als herkömmliche Lebensmittel?

Die Stiftung Warentest hat in zwei großen Lebensmitteltests 2007 und 2010 Bio-Lebensmittel genauer unter die Lupe genommen. Fazit des Bio-Checks: Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass ökologisch angebaute Ware gesünder, besser ist. Bei der Gesamtqualität (Pestizidbelastung, Keime, Geruch, Geschmack) liegen konventionelle und Bio-Produkte insgesamt gleichauf. Mit einer Ausnahme: Bei den Rückstandstests auf Pflanzenschutzmittel sind Bio-Obst und -Gemüse vorbildlich. Was nicht verwundert, schließlich müssen Bio-Bauern laut EU-Verordnungen komplett auf Gentechnik, synthetische Pflanzenschutzmittel und Kunstdünger verzichten.

Lebt man mit Bio gesünder und länger?

Auch hierzu gibt es keine Studien, die dies ausdrücklich belegen. Aus gutem Grund: Man müsste man Probanden ein Leben lang beobachten und streng auf Bio-Diät setzen. Nach Angaben des Helmholtz-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit bieten Bio-Lebensmittel eine "gewisse Sicherheit vor Belastungen", aber eine "generelle gesundheitsfördernde Wirkung" sei bisher nicht nachgewiesen worden.

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