Edwyn Collins Die Ente, der Song und das Leben

Von Katja Schwemmers  

Nach langer Krankheit wieder zurück im Musikgeschäft: Edwyn Collins Foto: dpa
Nach langer Krankheit wieder zurück im Musikgeschäft: Edwyn Collins Foto: dpa

Edwyn Collins meldet sich mit seinem siebten Soloalbum "Losing Sleep" zurück.

Stuttgart - Edwyn Collins' rechte Hand ist permanent zur Faust geformt, zum Gehen braucht er einen Stock. Dass der schottische Sänger, der mit seiner Solo-Single "A Girl Like You" Mitte der 1990er Jahre weltweit die Hitlisten anführte, überhaupt noch lebt, gleicht einem Wunder.

2005 erlitt Collins innerhalb von nur wenigen Tagen zwei Schlaganfälle. Als er wieder zu sich kam, konnte er nicht mehr schreiben. Die einzigen Worte, die er noch sprechen konnte, waren: ja, nein und Grace. Letzteres ist der Name seiner Frau, die ihm auch beim Gespräch zur Seite sitzt. Nun veröffentlicht der 51-Jährige mit "Losing Sleep" ein neues Album - eine Sensation, besonders für ihn selbst.

"Unsere Beziehung hat sich neu definiert"

"Es gemacht zu haben, ist der eigentliche Erfolg", sagt Collins. Seine Sprache stockt noch immer. "Aber es wird langsam besser", fügt er hinzu. Auch dank seiner Frau, die ihn seit über 25 Jahren managt. Wenn er nicht weiterkommt, vervollständigt sie seine Sätze. Grace Maxwell ist sein verlängerter Arm, und das nicht nur im übertragenen Sinne, sondern manchmal auch beim Gitarrespielen - denn das kann Edwyn Collins mit der einen Hand nicht mehr.

"Unsere Beziehung hat sich neu definiert", sagt Grace Maxwell, die mit "Falling And Laughing - The Restoration Of Edwyn Collins" ein Buch über den Erholungsprozess ihres Mannes veröffentlicht hat. "Als Edwyn nach sechs Monaten aus dem Krankenhaus entlassen wurde, war er abhängig von einem anderen Menschen", sagt sie. "Das war für uns beide neu. Ich bin nicht der geborene Krankenschwester-Typ. Ich habe auch schlechte Tage, an denen ich ungeduldig bin. Dann plagen mich Schuldgefühle, und ich bitte ihn um Verzeihung. Es ist nicht immer alles so perfekt, wie es aussieht." Edwyn lacht: "Das unterschreibe ich."

Gibt es Glück? Vor dem Schlaganfall sei er ein mürrischer Typ gewesen, erzählt Collins. "Weil ich immer so schlimme Kopfschmerzen hatte. Ich schluckte jeden Tag acht Tabletten und versuchte es zu ignorieren. Aber das ist nun vorbei, zum Glück!" Und seine Frau ergänzt: "Mir war nicht bewusst, wie schlimm seine Kopfschmerzen waren. Edwyn hat es auch gut vor mir versteckt. Wir kamen damals nicht mehr so gut miteinander klar."

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