Seit 1949 gibt es das Unternehmen Hilco, seit 1971 sitzt das Unternehmen für Modestoffe in Echterdingen. Foto: Caroline Holowiecki

Seit dem Jahr 1949 gibt es das Unternehmen Hilco, seit 1971 sitzt es in Echterdingen. Nun aber ist Schluss. Die Firma wird geschlossen. Was ist der Hintergrund?

Warme, flauschige Stoffe, leichte, luftige Stoffe, knallbunte und einfarbige Stoffe, Vorhangstoffe, Fleece- und Steppstoffe, Stoffe für Kinderbekleidung, für Dekorationen oder für schicke Damenmode: Der Künstler Christo könnte vermutlich noch einmal das Reichstagsgebäude verhüllen mit den vielen Textilien, die bei der Firma Hilco in Echterdingen lagern. Kein Wunder, Hilco ist ein Großhandelsunternehmen für Modestoffe und beliefert den Fachhandel, also beispielsweise Nähgeschäfte.

 

Gestalter schicken ihre Designmuster, Hilco stellt aus den neuesten Trends zweimal im Jahr seine Kollektionen zusammen. „Das ist ein Saisongeschäft“, erklärt Stefanie Scholtz. Außerdem gibt es vor Ort noch einen Privatverkauf für alle, die gern nähen. Im ersten Obergeschoss des unscheinbaren Gebäudes gibt es auf 500 Quadratmetern Meterware en masse, außerdem klassische Kurzwaren, etwa Garne und Knöpfe.

Deshalb stellt Hilco seinen Betrieb ein

Nun aber ist Schluss. Der Räumungsverkauf läuft – wegen Geschäftsaufgabe. Am 31. März stellt Hilco den Betrieb ein. Nicht aber aus wirtschaftlichen Gründen, wie die angespannte Lage im Einzelhandel und vor allem auch in der Textilbranche vermuten lassen könnte. „Klipp und klar und deutlich nein, wir machen aus freien Stücken zu“, sagt Christian Scholtz, der Geschäftsführer. Auch dessen Tochter Stefanie Scholtz betont, dass keine wirtschaftliche Notsituation und schon gar keine Insolvenz vorlägen. Vielmehr spricht sie von einer Lebensentscheidung. Ihr Vater und die drei Tanten – allesamt sind sie Gesellschafter – seien bereits im Rentenalter, „deswegen haben sie beschlossen, die letzte Lebensphase zu genießen“. Susanne Paul, eine der Tanten, nickt. „Mal um die Enkelkinder kümmern. Wer weiß, wie lang man das kann“, sagt sie.

Der Räumungsverkauf hat Fahrt aufgenommen. Foto: Caroline Holowiecki

Das Unternehmen Hilco besteht in dritter Generation. Gegründet wurde es 1949 im Stuttgarter Westen, seit 1971 hat es seinen Sitz im Gewerbegebiet von Echterdingen, etwas versteckt am Ende einer Sackgasse. Seit jeher war Hilco ein Familienunternehmen. Die Gesellschafter sind die vier Geschwister Susanne Paul, Eva König, Christine Vesenmaier und Christian Scholz. Deren Opa hat die Firma einst aus der Taufe gehoben. „Wir sind hier groß geworden“, sagt Susanne Paul.

Entsprechend emotional sei das nahende Aus. Früher habe Hilco 40 Mitarbeitende im Innen- und Außendienst beschäftigt. Denen sei der Entschluss bereits im vergangenen Sommer mitgeteilt worden. „Das war der schwerste Teil der Entscheidung“, sagt Stefanie Scholtz. Viele aus dem ehemaligen Team hätten bereits neue Jobs gefunden, andere seien ohnehin im Rentenalter gewesen.

Für das Gebäude wird ein Nachmieter gesucht. Derweil hat der Räumungsverkauf Fahrt aufgenommen. An drei Tagen die Woche, montags, freitags und samstags, können Nähfans sich in Echterdingen eindecken. Das werde gut genutzt, an der Kasse bildeten sich mitunter Schlangen. Das Hilco-Sortiment habe viele Fans. Christian Scholtz berichtet von vornehmlich zertifizierten Stoffen aus Europa. Sogar vom Bodensee sei mitunter Kundschaft dafür angereist. Auch Vereine, unter anderem Narrenzünfte, seien langjährige Kunden. „Viele nutzen den Räumungsverkauf, um sich noch mal persönlich zu verabschieden“, sagt Stefanie Scholtz. Der Familie ist anzumerken, dass der Abschied sie berührt. Christine Vesenmaier sagt: „Stoff ist unser Leben.“