Oha, da sieht einer ja verdächtiger aus als der andere: Aber das sind die garantiert Unschuldigen, die Krimiautoren Michael Kobr (li.) und Volker Klüpfel (re.) sowie der Kommissar Peter Honecker. Foto: Sat 1

Zwei bekannte Krimiautoren denken sich einen Fall aus. Und ein echter Kommisar muss ihn lösen, läuft herum, verhört Schauspieler und besorgt sich Handy-Daten. Keine Frage, das „Krimi-Duell“ bei Sat 1 ist mal was anderes.

Stuttgart - Man nehme zwei erfahrene Krimiautoren, lasse sie einen verzwickten Mordfall konstruieren und setze dann einen richtigen Kommissar darauf an: Die Idee ist gar nicht schlecht. Die Umsetzung mag nicht rundum gelungen sein, aber Sat 1 gebührt Lob dafür, mal was Neues auszuprobieren. Beim „Krimi-Duell“ handelt es sich um die Kombination zweier bewährter Genres: klassisches Fernsehspiel und „Scripted Entertainment“-Reihen wie „K 11 – Kommissare im Einsatz“ oder „Auf Streife“ (beide Sat 1), in denen beurlaubte echte Ermittler fiktionalisierte Fälle lösen.

Die Rahmenhandlung stammt vom erfolgreichen Krimiduo Volker Klüpfel und Michael Kobr. Zu Beginn stellen die Schöpfer des urigen, als Roman- wie TV-Held beliebten Allgäuer Kommissars Kluftingermit Hilfe eines Modells und einiger Spielfiguren den Tatort und die handelnden Personen vor. Die erfolgreiche Moderatorin eines Münchener Privatradios ist ermordet worden. Verdächtige sind neben den vier Mitarbeitern des Senders ein Studiogast, ein Stalker sowie ein hasserfüllter Hörer, der noch eine Rechnung mit der Frau offen hatte.

Nur 48 Stunden

Der wahrhaftige Kriminalhauptkommissar Peter Honecker aus Essen hat nun 48 Stunden Zeit, den Täter zu finden. Er darf sich dabei all jener Mittel bedienen, die ihm auch im beruflichen Alltag zur Verfügung stehen, darf etwa kriminaltechnische Untersuchungen sowie DNS-Tests veranlassen. Entscheidend ist jedoch, dass der Kommissar die Aufgabe nicht alleine lösen muss: Während sich seine Ermittlungen darauf beschränken, in immer wieder anderen Räumlichkeiten des Funkhauses die Verdächtigen zu befragen, erledigt eine umtriebige Kollegin (Jessica Gerlach, ebenfalls echt) die zeitraubende Hand- und Fußarbeit: Alibiüberprüfung, Funkzellenauswertung et cetera.

Tatsächlich führen letztlich weniger die kleinen grauen Zellen zur Lösung als die technischen Hinweise. Der Gag an der Sache ist ohnehin die sportliche Herausforderung; Befragungen gibt es schließlich in jedem Krimi en masse. Deshalb werden Klüpfel und Kobr, die die Ermittlungen „live“ an einem Monitor verfolgen, immer wieder „zugeschaltet“, um das Geschehen zu kommentieren. Ihre Einwürfe laufen allerdings meist auf die Frage hinaus, wie viel Zeit Honecker noch hat. Wer das Autorenduo schon mal bei einer seiner ausgesprochen unterhaltsamen Lesungen erlebt hat, wird von dieser Ebene enttäuscht sein. Das Entertainer-Potenzial der beiden wird definitiv nicht genutzt.

Ein wenig wie beim Krimi-Dinner

Mit Ausnahme des Ermittlerduos und der Kriminaltechniker werden sämtliche Mitwirkenden von Schauspielern verkörpert. Sie haben vorab genaue Figurenprofile erhalten und müssen während der Vernehmungen im Rahmen ihrer Rolle improvisieren. Die Darbietungen erinnern gelegentlich an eines jener Laienspiele, mit denen zahlende Gäste bei sogenannten Krimi-Dinnern unterhalten werden.

Interessanterweise sind nur für die weiblichen Rollen Schauspielerinnen engagiert worden, die einen gewissen Namen haben oder zumindest gesichtsbekannt sind: Maria Bachmann als Senderchefin, Sina-Valeska Jung als Mordopfer sowie Nova Meierhenrich als ihre Kollegin, die erfahrene Couch-Kriminalisten recht früh zur Hauptverdächtigen küren werden.

Hoffen auf die Revanche

Zum Konzept der netto neunzig Minuten langen Sendung gehören neben der Musik, die ähnlich bombastisch wie in einer Quizshow das nächste Level ankündigt, und den Inserts, die Fachbegriffe wie KTU erklären, regelmäßige Unterbrechungen: weil Honecker seine Ermittlungen erklärt oder den Fall auf einer Meta-Ebene kommentiert: „Ich glaube, hier wollen die Autoren mich auf eine falsche Fährte locken“. Der Erkenntnisgewinn ist überschaubar. Für etwaige Fortsetzungen wäre es vielleicht interessanter, einen weiteren Kriminalisten hinzuziehen, der die Ermittlungen aus fachlicher Sicht analysiert.

Andererseits könnte sich Honecker zur Revanche ein Rätsel für die beiden Autoren ausdenken; dann hätte er den Part des Besserwissers aus dem Off. Mit der Verpflichtung des Kriminalisten mit den Cowboystiefeln, dem eine gewisse Eitelkeit nicht fremd ist, der aber am Schluss nur zur Hälfte richtig liegt, ist den Verantwortlichen ohnehin ein interessanter Griff gelungen.

Ausstrahlung: Sat 1, 1. August 2018, 20.15 Uhr

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