Sepp Vogler spricht in seinem Dienstzimmer über Höhen und Tiefen der letzten acht Jahre. Foto: Ines Rudel

Als Quereinsteiger ist Sepp Vogler vor acht Jahren zum Rathauschef gewählt worden – der frühere Managementtrainer wollte die Verwaltung modernisieren – und eckte an.

Ebersbach - An diesem Freitag ist für Sepp Vogler Aufräumtag im Ebersbacher Rathaus. Der scheidende Bürgermeister will seinem Nachfolger Eberhard Keller schließlich alles geordnet übergeben. Bevor Vogler mit seiner Ehefrau Angelika und Hund Nemo zum Wandern nach Südtirol aufbricht, blickt er auf seine achtjährige Amtszeit zurück.

Herr Vogler, verliert man viele Freunde, wenn man in seinem Heimatort Bürgermeister wird?
Im Gegenteil, ich habe viele Freunde dazugewonnen. Es war eine unglaublich intensive, ereignisreiche Zeit, und ich habe viel gelernt. Ich habe wunderschöne Momente erlebt, mit den Mitarbeitern und auch mit dem Gemeinderat. Ab und zu wurde auch die Kehrseite der Medaille sichtbar, dann flogen halt mal die Fetzen.
Sind denn die Ebersbacher besonders kämpferisch veranlagt?
Nein, das glaube ich nicht. Aber es gab natürlich komplizierte Situationen, und man muss auch mal Tiefschläge verkraften. Grundsätzlich ist die Bürgermeisterei sehr adrenalinträchtig. Und ich habe gelernt, dass das politische Geschäft auch ein bisschen schmutzig ist.
Sie kamen als Quereinsteiger ins Amt, was war Ihr erster Eindruck?
Wir haben hier im Rathaus eine sehr kompetente und leistungsbereite Mannschaft, die über alles Wissen verfügt. So konnte ich meine fehlende fachliche Verwaltungskompetenz mit meiner Kompetenz zu moderieren und zu steuern kompensieren. Das war eine gute Mischung. Ich habe viel Augenmerk auf die ämterübergreifende Zusammenarbeit gerichtet, denn unsere Aufgaben sind mit den Jahren immer komplexer geworden. Meist sind mehrere Fachämter betroffen, denn die Aufgaben kommen ja nicht sortenrein hier an. Anfangs haben sich die Mitarbeiter noch schwergetan, aber zwischenzeitlich ist diese ämterübergreifende Zusammenarbeit selbstverständlich.
Mit dem Gemeinderat klappte die Zusammenarbeit nicht immer reibungslos, Ihnen wurde vorgeworfen, Mitarbeiter zu verschleißen. Woran lag das?
Ich glaube, das liegt an der Perspektive. Der Gemeinderat weiß natürlich nicht so genau, wie die Verwaltung funktioniert. Es stimmt, wir sind mit Vollgas unterwegs, wir haben viel gemacht, und das hat Spuren hinterlassen. Wir haben beispielsweise Überlastungsanzeigen, die beim Personalamt, Personalrat oder den Vorgesetzten eingehen, aber der Krankenstand ist normal. Es muss also unser Ziel sein, Belastungen zu reduzieren. Mein Ansatz war: Lasst uns die Organisation untersuchen. Ich wollte eine Organisationsentwicklung nach dem Motto: Was sind unsere Schwerpunktaufgaben, was lässt sich bündeln und schlank gestalten, damit die Belastung niedriger wird? Mein Ziel war die zukunftsfähige Verwaltung, aber der Gemeinderat wollte keine Umstrukturierung.
Hat sich daran etwas geändert?
Inzwischen ist die Einsicht im Gemeinderat gewachsen, dass wir an einer neuen, zukunftsfähigen Organisation nicht mehr vorbeikommen. Wofür wollen wir am meisten Geld ausgeben und wo den Output deutlich reduzieren? Ich dränge den Gemeinderat ja bereits seit 2014 zur Haushaltskonsolidierung, damit wir die Themen gründlich angehen können. Und nun arbeiten wir an dem Rezept Zukunft. Die Ergebnisse der Diskussion innerhalb der Verwaltung wollen wir mit den Räten im Rahmen der Klausur am 30. September diskutieren. Das ist die Vorbereitung der anstehenden Haushaltsstrukturkommission, in der es um die wichtigsten Themenschwerpunkte und die finanziellen Rahmenbedingungen geht. Diese wichtigen Leitplanken brauchen wir, und diese Umstrukturierung kommt jetzt mit dem neu gewählten Bürgermeister Eberhard Keller.
Wie steht Ebersbach finanziell da?
Wir haben viel auf die Beine gestellt. In den vergangenen acht Jahren haben wir rund 65 Millionen Euro in die Infrastruktur verbuddelt. Dazu gehören das Kauffmann-Areal samt Umfeld, die Feuerwehr, das Kinderhaus, die Kinderkrippe Roßwälden, aber auch unsere neue Wasserversorgung samt dem Hochbehälter Diegelsberg. Ich war gerade mal ein Vierteljahr im Amt, da haben wir uns auf der Klausur 2009 auf eine Höchstverschuldung von 7,5 Millionen Euro bis 2013 verständigt. Heute sind wir bei lediglich 5,3 Millionen. Das kann sich sehen lassen.
Was ist Ihnen im Rückblick gelungen?
Die Stadtentwicklung ist gut vorangekommen. Mit dem Kauffmann-Areal habe ich 2009 ein Großprojekt übernommen, das sich erfolgreich durchgesetzt hat und von der Bevölkerung angenommen wird. Gelungen ist auch die Erneuerung der Hauptstraße, der wir zu mehr Aufenthaltsqualität verholfen haben. Dafür sorgt beispielsweise auch die Stadtgärtnerei mit den vielen Blumen. Und mit Stolz kann ich sagen, auch die Debatte mit den Anliegern der Diegelsberger Straße hat funktioniert, wo es darum ging, ihre Erschließungsbeiträge entsprechend niedrig zu halten. Wir haben offen miteinander gesprochen und die Faktenlage geklärt. Auf einem guten Weg ist auch der Bebie-Prozess, hier geht es um Bildung, Erziehung und Betreuung in Ebersbach. Als das Konzept beschlossen wurde, saß ich noch auf den Zuhörerplätzen im Gemeinderat. Heute ist das Konzept ein Erfolgsrezept. Wir haben wieder steigende Einwohnerzahlen und wachsende Jahrgangsstärken, dafür sind auch Standortfaktoren wie die Ganztagesbetreuung und neue Wohngebiete ausschlaggebend. Damit sind wir auf dem richtigen Weg.
Das nächste Großprojekt ist der interkommunale Gewerbepark Fils. Welche Ansiedlungen wünschen Sie sich dort, und wie ökologisch wird das Ganze?
Das Ziel sind möglichst viele hochwertige, zukunftsfähige Ansiedlungen, darüber entscheidet der Zweckverband. Wir wollen einen Branchenmix. Da es in der Region Stuttgart aber kaum noch Flächen gibt und die Logistikbranche extrem wächst, gibt es von solchen Betrieben großen Bedarf. Die Spedition Haller ist mit 600 Arbeitsplätzen unser größter Arbeitgeber. Aus meiner Sicht müssen wir uns gut überlegen, ob wir da Nein sagen wollen. Und die Anwohner aus Diegelsberg kann ich beruhigen, sie werden nicht nur auf kahle Industriedächer sehen. Die Dächer müssen begrünt sein, das erfordert schon das Wassermanagement.

Roßwälden ist seine Heimat

Sepp Vogler hat zunächst eine Ausbildung zum Verwaltungswirt absolviert und anschließend in Konstanz Verwaltungswissenschaften studiert. Später war er als selbstständiger Managementtrainer tätig. Der parteilose Vogler, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder und drei Enkel hat, lebt seit 35 Jahren im Ebersbacher Teilort Roßwälden. Als Vogler 2009 gewählt wurde, stand für den damals 59-Jährigen bereits fest, dass das seine einzige Amtszeit werden würde. Daran änderte auch die Neuregelung der Landesregierung 2015 nichts, die die Altersgrenze von 68 auf nun 73 Jahre erhöhte. Voglers Amtszeit endet am 13. August. Sein Nachfolger ist Eberhard Keller (SPD) aus Stuttgart.

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