Die Brücke und das Gebäude kommen weg, statt dessen sollen Wohnungen und Läden entstehen. Der Müll ist ein ständiges Ärgernis in der Ecke. Foto: Martin Haar

An der Eberhardstraße wird ein Schandfleck abgerissen. Der Bezirksbeirat fordert beim Neubau an der Eberhard-/Steinstraße eine neue Garagenzufahrt. Denn dies ist laut Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle eine Schmuddelecke.

S-Mitte - Nicht alle Neubauten in der Innenstadt lösen bei Stuttgartern grenzenlose Begeisterung aus. Die Einheitsarchitektur und den damit verbundenen Abbruch von Geschichte empfinden manche als Bausünde. Beim Gebäude an der Eberhardstraße 18 bis 22 sieht das anders aus. In diesem Fall ist für Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle einfach nur „wohltuend, dass etwas verschwindet und etwas Neues entsteht“. Die Rede ist von dem Gebäude, in dem seit dem Auszug des Kaufhauses Galeria Kaufhof große Flächen leer stehen oder nur provisorisch genutzt werden.

Die Gebäude wurden ab 1969 in zeitlichen Abschnitten errichtet und erhielten ein einheitliches Erscheinungsbild, das sich an dem damals benachbarten Kaufhaus Horten orientierte. Typisch für diese Kaufhauskette waren die sogenannten Eiermann-Kacheln, die mit dem Architekten Egon Eiermann entwickelt wurden. Das Kaufhaus Horten, wie auch der Nachfolger Galeria Kaufhof, waren Mieter in zwei Obergeschossen, die durch ein Brückenbauwerk über die Steinstraße mit dem Kaufhaushauptbau Eberhardstraße 22 verbunden waren.

Städtebaulich nicht auf der Höhe

Nun hat die Schockenried GmbH & Co. KG, vertreten durch die LBBW Immobilien Development GmbH, die Grundstücke Eberhardstraße 18 – 22 inklusive des Brückenbauwerks über der Steinstraße erworben. Diese waren bisher im Eigentum von drei Besitzern. Die Investoren haben entschieden, die Gebäude abzubrechen und durch einen Neubau zu ersetzen. Grund: Der Gebäudekomplex ist nicht nur marode, sondern auch städtebaulich überholt. Vor allem das Brückenbauwerk wird inzwischen als städtebaulicher Missstand betrachtet, da die Blickbeziehung vom und zum stadtbildprägenden Tagblattturm behindert wird. Die großflächigen und ­fensterlosen Obergeschossfassaden wirken isoliert und störend im Zusammenspiel mit den umgebenden historischen und zum Teil denkmalgeschützten Bauwerken.

Vor allem zum Hans-im-Glück-Quartier hin zeigt sich der Gebäudekomplex als Fremdkörper, da hier im Erdgeschoss die Tiefgaragenzufahrt und die Müllstandorte negativ auffallen. Veronika Kienzle nennt diese Ecke eine „Schmuddelecke“ und will sie am liebsten weg haben: „Es ist grausam, wie es dort aussieht.“ Doch das Stadtplanungsamt macht dem gesamten Bezirksbeirat, der die Meinung von Kienzle teilt, wenig Hoffnung. Eine Zufahrt über die Eberhardstraße sei nahezu ausgeschlossen, meinte eine Vertreterin des Amtes. Dennoch votierte der Rat dafür, sich über Alternativzufahrten Gedanken zu machen. Die Idee von Bezirksbeirat Klaus Wenk (CDU) wurde von allen begrüßt: „Vielleicht kann man die Einfahrt weiter in Richtung Steinstraße ver­legen.“

Zehn Architekten sollen Vorschläge machen

Damit müssen sich nun die Architekten auseinandersetzen. Bisher haben vier Planungsbüros ihre Vorstellungen abgegeben. Doch keine traf den Geschmack der Investoren und des Stadtplanungsamtes. Daher werden nun sechs weitere Büros ihre Vorstellungen für einen Neubau einreichen.

In Vorgesprächen mit dem Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung wurden dazu verbindliche städtebauliche Parameter festgelegt. Dazu gehören unter anderen: Kein Wiederaufbau des Brückenbauwerks über der Steinstraße. Die Gehwege müssen eine Mindestbreite von drei Meter haben. Und eine monolithische Großstruktur des neuen Geschäfts- und Wohnhauses ist unerwünscht.

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