Die Pforten der Verwaltungstrutzburg bleiben in diesem Jahr abgeriegelt (Symbolfoto). Foto: Gottfried Stoppel (Archiv)

Die finanzielle Lage in Fellbach zwingt zu drastischen Maßnahmen. Sogar der traditionelle Rathaussturm wird zur Sparversion. Närrische Betrachtungen eines ernsten Themas.

Sollte es den Fellbacherinnen und Fellbachern bisher noch nicht klar geworden sein, wie dramatisch die Ebbe in der Stadtkasse de facto ist, so kommt die wahre Misere spätestens am Schmotziga Donnerschdag ans Licht. Denn: Der übliche Rathaussturm wird in einer Sparvariante umgesetzt werden.

 

Konkret: Die Stadt verweigert den am Donnerstag, 12. Februar, pünktlich zum 12-Uhr-Glockenschlag der Lutherkirche heranstürmenden Närrinnen und Narrhallesen die übliche Eroberung des Rathauses. Bisher ging’s, nach der Überwindung der obligatorischen Gegenwehr mit Konfettikanone, zu weiten Showeinlagen und Verköstigungen in den Ratssaal. Doch dieses Jahr lassen die Herrscherinnen und Herrscher der Verwaltungstrutzburg die Eingangspforten abriegeln. Droht am Ende allenfalls ein „Rathausstürmle“?

Rathaussturm in Fellbach: Trotz Sparmaßnahmen kein Ausfall

Faschingsmuffel wiederum mögen sich durch diese Politik der verschlossenen Tür bestätigt fühlen, dass es sich bei dem närrischen Treiben seit jeher um eine äußerst ernste Angelegenheit handelt. Allerdings, um alle Freunde des traditionellen Spektakels im Rathausinnenhof zumindest ein wenig zu beruhigen: Der Rathaussturm fällt nicht komplett aus.

So berichtet der Pressereferent des Fellbacher Carneval Clubs (FCC), Martin Thaler, gegenüber unserer Redaktion: „Dieses Mal wird aus dem sonst üblichen närrischen Orkan eher ein närrischer Wind.“ Der Rathaussturm werde in der Kampagne 2026 nur im Rathausinnenhof stattfinden können und dies auch nur in einer abgewandelten und abgespeckten Form.

Thaler beschreibt die Hintergründe so: „In Zeiten der leeren Stadtsäckel und finanziellen Haushaltsnotlagen der Stadt bleiben diesmal die Amtsstuben in Fellbach für das Volk geschlossen.“ Der Sturm beschränke sich ausschließlich auf den „Amtsvorgarten“, also den Rathausinnenhof.

Mehrere Hundert Besucher finden sich stets ein im Rathausinnenhof zum Auflauf, der an jenem Tag stattfindet, an dem auch die Weiberfasnet gefeiert wird. In Fellbach nach Thalers Angaben mit dieser Neuerung: „Also, desmol gibt’s koi Brezel ond koi Viertele!“

So lustig war der Rathaussturm bei der 80er-Party im vergangenen Jahr. Foto: Gottfried Stoppel

Dennoch wollen die Karnevalisten bis Aschermittwoch die Fellbacher Obrigkeit aufmischen. „Die Narrenschar wird dann die finanziellen Amtsgeschäfte durchforsten und auf närrische Art den Haushalt konsolidieren, damit in Fellbach wieder Spaß und Frohsinn herrscht und nicht nur ,aktionistische Sparsamkeit’ regiert.“

Man könne die Obrigkeit in der Stadt unterm Kappelberg nicht ungeschoren davonkommen lassen: Der Fellbacher Carneval Club will zusammen mit den Weida Wölf, den Höhlen-Bären und der Stadtkapelle Fellbach mit Donnerknall, Konfetti-Kanone und Rätschen-Getöse zumindest „den Fellbacher Regierungs-Vorgarten stürmen“.

Auch die Narren sollen sich am Fellbacher Sparpaket beteiligen

Mit dabei im Rathausinnenhof ist das Fellbacher Prinzenpaar Oberbacchus Marc I. und Keltermäusle Franciska I.; dazu drängen auch der Elferrat, die Weingeister, Gardemädels und die Wölfe vor der Eingangstür, musikalisch unterstützt von der Stadtkapelle im Häs als „Stadtgugga“. Der Carneval Club „mit seinem Gevolke“ verspricht auch ohne Rathaus-Erstürmung „eine tolle Straßenfasnet“. Der passende Fellbacher Schlachtruf: „Darauf drei kräftige Ha-tschi.“

Tatsächlich hängt die Ablehnung der sonst üblichen Erstürmung des Rathauses mit den aktuellen Einsparbemühungen zusammen, die in den vergangenen Wochen in Fellbach schon mächtig Staub aufgewirbelt haben. Diesen Hintergrund bestätigt Rathaussprecherin Sabine Laartz auf Nachfrage. In zwei Konsolidierungspaketen suchen Verwaltung und Gemeinderat in etwa bis zum Aschermittwoch nach Wegen, die städtischen Ausgaben um mehrere Millionen Euro nach unten zu drücken.

Einsparungen beim Rathaussturm: Wie viel Geld wird gespart?

Derartige Beträge sind bei einem Rathaussturm zwar nicht unbedingt zu vermuten. Wie hoch die Einsparsumme beim Rathaussturm tatsächlich ist, ob es um ein paar hundert oder einige tausend Euro geht, will Laartz nicht im Detail erläutern.

Sie verweist darauf, dass derzeit überall in Fellbach geschaut werden müsse, wo es noch Potenzial für die Reduzierung von Kosten gibt, da komme es auch auf Kleinbeträge an. Wenn etwa Schließungen von Kindergärten angedacht seien, könne man aus Grundsätzen der Gleichbehandlung die Narren nicht außen vor lassen. Als Außenstehender kann man die Strategie wohl am besten so beschreiben: Kleinvieh macht auch Mist.

Ganz so dramatisch muss man den abgespeckten Rathaussturm ohnehin nicht sehen. In anderen Städten, etwa Stuttgart oder Waiblingen, bleibt das Spektakel seit jeher auf den Marktplatz beschränkt.

Schlüsselübergabe, auch wenn die Eingangspforte abgeriegelt bleibt

Laartz erwartet jedenfalls auch in diesem Jahr einen attraktiven Rathaussturm mit Showprogramm im Innenhof. Sogar eine Schlüsselübergabe soll es geben, auch wenn die Narren dann gar nicht ins Rathaus können. Die Verteidigung übernimmt heuer als bewährte Kraft einmal mehr die Fellbacher Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Dass sie es kann, hat sie schon öfter beim närrischen Ansturm bewiesen – etwa beim gemeinsamen „Sister Act“-Frauenpower-Auftritt mit OB Gabriele Zull im Jahr 2017.

Im vergangenen Jahr dann wirbelte Soltys zum vom FCC ausgegebenen 80er-Jahre-Motto mit grellbunten Leggings, rosa Stulpen und rosa Tüllrock und Lederjacke als Rockröhre zu Nenas „99 Luftballons“ übers Pflaster des Innenhofs. Damit hat sie jedenfalls für den anstehenden Schmotziga Donnerschdag 2026 die Latte schon mal sehr hochgelegt.