Bei der E-Zigarette wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit mit einem batteriegetriebenen Gerät erhitzt und der Dampf inhaliert Foto: dpa

Noch sind nur eine Handvoll kleiner Unternehmen auf dem deutschen Markt aktiv. Doch die großen internationalen Konzerne aus der Tabakindustrie stehen in den Startlöchern.

Berlin - In der Branche für E-Zigaretten herrscht Goldgräberstimmung. Der Absatz der E-Zigarette – dabei wird eine nikotinhaltige Flüssigkeit mit einem batteriegetriebenen Gerät erhitzt und der Dampf inhaliert – geht nach oben.

An den Wilden Westen erinnert aber vor allem, dass noch so gut wie alles erlaubt ist. Die noch überschaubare Zahl von Anbieter der Mehrweg-Verdampfungsgeräte chinesischer Bauart und der Kapseln mit der Flüssigkeit dürfen noch all das, was der Tabakindustrie längst verboten ist: Sie dürfen Werbung schalten, im Fernsehen und in Tageszeitungen. Sie dürfen Gratisproben an Passanten verteilen, müssen dabei noch nicht einmal einen Abstand zu Schulen und Kitas einhalten. Sie dürften bei international ausgestrahlten Großveranstaltungen wie etwa Formel-1-Rennen auch als Sponsoren auftreten. Da in Deutschland derzeit nur kleine Unternehmen am Start sind, dürfte ihnen allerdings dafür die Kapitalkraft fehlen.

Keine Abgabeverbote an Kinder und Jugendliche

Und: Es gibt keine Abgabeverbote an unter 18-Jährige. Selbst an Kinder dürfte man die E-Zigarette verkaufen. Die E-Zigaretten-Verkäufer genießen auch Steuerprivilegien: Auf Tabakprodukte wird empfindlich hohe Tabaksteuer erhoben, die Nikotinsteuer auf E-Zigaretten ist nicht erfunden.

Die Politik hat zwar in letzter Zeit immer wieder angekündigt, aktiv zu werden. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) etwa will das Jugendschutzgesetz ändern, damit E-Zigaretten nicht mehr an Kinder und Jugendliche gehen dürfen. Die Drogenbeauftragte Marlene (?) Mortler hat sich für eine Steuer stark gemacht. Doch passiert ist bislang nichts, obwohl zumindest die Änderung im Jugendschutzgesetz juristisch nicht besonders komplex ist.

Die Tage des freien Marktes sind aber gezählt. Spätestens im Mai nächsten Jahres, wenn europaweit die neue Tabakproduktrichtlinie der EU-Kommission umgesetzt sein muss, wird die Regulierung der konventionellen auf die E-Zigarette eins zu eins übertragen. Und eine Steuer wird auch kommen: Nach Informationen dieser Zeitung will die EU-Kommission bis zum Sommer ein Modell für die Besteuerung der Flüssigkeit vorlegen, die die Hersteller in Kapseln abfüllen lassen und die der Konsument dann im Mehrweggerät verdampft.

Steuer auf E-Zigarette?

Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums (BMF) sagte den Stuttgarter Nachrichten: „Das Ministerium begrüßt die Debatte über eine Steuer bei E-Zigaretten.“ Im BMF-Tabaksteuerreferat arbeiten die Beamten bislang nicht an einem eigenen Modell. „Wir werden abwarten, was die EU-Kommission vorschlägt und danach handeln“, so der Sprecher weiter.

Vermutlich wird also im Laufe des nächsten Jahres auch hierzulande eine Steuer auf E-Zigaretten eingeführt. Denkbar ist, dass eine Steuer je Milliliter der nikotinhaltigen Flüssigkeit erhoben wird. Wie hoch die Steuer ausfällt, ist nicht absehbar. Anbieter von E-Zigaretten erklären, dass der Konsum bei weitem nicht so gesundheitlich gefährlich ist wie das Rauchen. Das Heidelberger Krebsforschungszentrum sagt hingegen, die Unbedenklichkeit sei lange nicht erwiesen.

In dieser Phase kommt nun Bewegung in den Markt. Posh – ein Unternehmen mit Sitz in Düsseldorf kündigt an, den Markt aufmischen zu wollen. Man habe genug Finanzkraft, um eine 30-Millionen-Euro Werbekampagne abzufeuern, hört man von dem Unternehmen, dessen Geschäftsführer Ingo Karsten vorher beim Bonner Wettbewerber Snoke war.

Eine Plakat-Werbekampagne soll verführen

Derzeit sorgt eine Plakatwerbungskampagne in Berlin, München und weiteren Großstädten für Aufmerksamkeit für die neue E-Zigarette am Markt: „Be Posh“ – so heißt das Produkt – will Ende des Jahres Marktführer sein. Danach plane man den Sprung ins Ausland. Das Unternehmen mit derzeit rund 40 Mitarbeitern sagt, es handele sich um einen start up, auch ein Risikokapitalgeber sei an Bord.

Seit Anfang dieser Woche seien Teams unterwegs, um das Produkt in Tankstellen, Kiosks zu platzieren. Be Posh hat große Pläne: Da die Firma im Unterschied zur Konkurrenz mit Produkthaftung für die Verdampfungsgeräte chinesischer Bauart aufwarten könne, sei es auch denkbar, im Sortiment der großen Supermarktketten aufgenommen zu werden.

Die Branche für E- und für konventionelle Zigaretten spekuliert munter, welcher Geldgeber hinter Be Posh stecken könnte. Mal heißt es, ein großer internationaler Spieler aus der Tabakindustrie sei beteiligt. Bislang deutet aber nichts darauf hin, dass da was dran ist. Tatsache ist nur, dass Zigaretten-Konzerne mit Sitz in Deutschland derzeit weltweit auf Einkaufstour gehen und kleine E-Zigaretten-Hersteller aufkaufen, bislang sind sie hierzulande noch nicht auf dem Markt der alternativen Nikotin-Produkte aktiv geworden.

Hartnäckig hält sich das Gerücht, ein namhafter Plakat- und Online-Werber mit Sitz in Köln sei der unbekannte Investor mit dem vielen Geld. Ein Sprecher dieses Unternehmens widerspricht aber: „Wir sind es definitiv nicht.“

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