Die Bundesfamilienministerin will die Abgabe von E-Zigaretten an Jugendliche verbieten. Foto: dpa

Bundesfamilienministerin Schwesig will eine Gesetzeslücke schließen und die Abgabe von E-Zigaretten an Jugendliche verbieten. Ihrem Kabinettskollegen Schmidt geht das nicht weit genug.

Berlin - Der Markt für E-Zigaretten boomt. 2013 wurde hierzulande mit E-Zigaretten und E-Shishas, bei denen nikotinhaltige Flüssigkeiten verdampft werden, nach Branchenangaben 100 Mio. Euro Umsatz gemacht, 2014 könnte bereits die 200-Mio.Schwelle überschritten worden sein. Immer mehr Raucher steigen ganz oder teilweise auf die E-Zigarette um. Ihre Motive: Dampfen statt Rauchen ist billiger und gilt selbst unter Kritikern als nicht so gesundheitsschädlich. Bundesweit gibt es inzwischen schätzungsweise 2,5 Mio. Konsumenten von E-Zigaretten.

Darunter sind auch viele Kinder und Jugendliche. Es gibt derzeit keine gesetzliche Altersbeschränkung. Lange war die Politik untätig, nun will sie handeln. Nach Informationen unserer Zeitung will Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) „zügig“ die Abgabe von nikotinhaltigen E-Zigaretten und E-Shishas an Jugendliche verbieten lassen. Die Politikerin geht davon aus, dass der Konsum von E-Zigaretten „wegen des Suchtstoffs und Nervengifts Nikotin mit deutlichen Gesundheitsrisiken verbunden“ ist.

In der Branche stößt das Abgabe-Verbot überwiegend auf Zustimmung. Die Tabakindustrie fordert seit langem Chancengleichheit und dass das Abgabeverbot von herkömmlichen Zigaretten auf die neuen Produkte ausgeweitet wird. Und Dac Sprengel vom Verband des E-Zigarettenhandels sagte: „Wir waren die ersten, die ein Abgabeverbot für unsere Produkte an Kinder und Jugendliche bei der Politik eingefordert haben.“ E-Zigaretten seien geeignet für Erwachsene, „in Händen von Kindern und Jugendlichen haben sie nichts zu suchen.“

Tatsächlich macht Kinder- und Jugendärzten und Krebsforschern vor allem die wachsende Verbreitung von E-Zigaretten und E-Shishas bei Jugendlichen Sorge. Nach einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die bislang nicht veröffentlicht wurde, hat jeder fünfte 12- bis 17-Jährige schon einmal eine E-Shisha probiert, jeder zehnte aus dieser Altersgruppe hat Erfahrung mit einer E-Zigarette.

Dazu muss man wissen: Vor allem E-Shishas arbeiten vielfach ohne nikotinhaltige Flüssigkeiten. Das Ministerium will nun aber nur die Abgabe von nikotinhaltigen Produkten an Jugendliche verbieten.

Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) widerspricht gegenüber unserer Zeitung vehement. „Das Gesetz würde zu kurz greifen, wenn nur die Abgabe von nikotinhaltigen Flüssigkeiten verboten würde.“ Bundesweit sei an Schulen zu beobachten, dass gerade E-Shishas chic seien. Mit Zusatz- und Aromastoffen, die nach Kaffee, Früchten oder Schokolade schmeckten, hätten sie gerade Jugendliche als Zielgruppe im Visier. Der Konsum sei überaus fragwürdig, er untergrabe die Suchtprävention an den Schulen. „Das ist die Einstiegsdroge für das Rauchen“, so Pötschke-Langer weiter.

Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) sieht es genauso wie das DKFZ. Er will dafür sorgen, dass das Abgabeverbot auch für nichtnikotinhaltige Substanzen gilt. Ein Ministeriumssprecher sagte im Gespräch mit unserer Zeitung: „Es ist in Ordnung, wenn starke Raucher zur Entwöhnung auf E-Zigaretten umsteigen.“ Es müsse aber verhindert werden, dass die Produkte den Einstieg ins Rauchen fördern. „Die Verdampfer sind keine harmlosen Naschereien, auch wenn sie nach Schokolade, Kaugummi oder Melone schmecken.“ Die süßlichen Aromastoffe verschleierten potenzielle Gefahren. Das Bundesinstitut für Risikobewertung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es auch bei den nikotinfreien Produkten gesundheitliche Risiken gibt, etwa durch Verdampfungsmittel, Aromen, Zusätze oder krebserregendes Formaldehyd.

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