Die Rollerverleiher haben während des Wasens in Bad Cannstatt Sperrzonen eingerichtet. Foto: dpa/Christoph Soeder

Die Stadt hat – anders als München – rund um das Volksfest kein E-Scooter-Verbot erlassen. Das war auch nicht notwendig. Die Betreiber haben selbst dafür gesorgt.

Stuttgart - Eine offizielle, von der Stadt verhängte Sperrzone für E-Scooter rund um den Wasen existiert nicht. Deswegen haben die Vermieter zu eigenen Maßnahmen gegriffen, um Trunkenheitsfahrten mit den elektrisch angetriebenen Tretrollern zu unterbinden: Sie haben die Zone selbst eingerichtet. Die beiden aktuell in Stuttgart vertretenen Anbieter handhaben diese Abgrenzung unterschiedlich, jedoch mit der gleichen Intention: Sie wollen aus Sicherheitsgründen die alkoholisierten Wasenbesucher von ihren Mietrollern fernhalten, und auch keinen Rollerverkehr inmitten der Menschenmassen, die rund um das Festgelände unterwegs sind.

Das Unternehmen Lime hat eine „Verbotszone“ eingerichtet. Innerhalb dieser dürfen die Scooter nicht abgestellt werden. Folglich können sie dort auch nicht angemietet werden. Das habe Lime per GPS-Steuerung so programmiert, sagt ein Unternehmenssprecher. „Das ist natürlich nicht auf den Meter genau. Es kann schon vorkommen, dass sie noch ein paar Meter innerhalb der Zone fahren. Aber dann gehen die Motoren aus“, fügt er hinzu. Wenn ein Roller doch mitten in der Verbotszone stehe, dann sei er vermutlich geschoben worden.

Voi hat ganz Bad Cannstatt vorerst ausgelassen

Auch der Konkurrent Voi hält seine E-Scooter vom Wasen fern. Das Unternehmen habe nicht nur den Wasen und die umliegenden Straßen mit einer Bannmeile versehen, sondern komplett darauf verzichtet, nach Bad Cannstatt zu expandieren, „denn die Sicherheit der Kunden steht bei uns an erster Stelle“, teilt Claus Unterkircher, der General Manager bei Voi für den Raum Deutschland, Österreich und Schweiz, mit. Daher ende das Einzugsgebiet zurzeit im Stuttgarter Osten am Neckar, solange das Volksfest läuft.

Was er mit Sicherheit meint, fügt der Voi-Manager nicht explizit hinzu. Man muss jedoch nicht lange nachdenken, um darauf zu kommen, dass damit gemeint ist, alkoholisierte Fahrten nach dem Festzeltbesuch zu verhindern. Zu erkennen ist diese unsichtbare magische Grenzlinie an den regelrechten Roller-Rudeln, die sich Abend für Abend an der Gaisburger Brücke bilden: Dort, wo nichts mehr geht mit dem E-Motor, stellen die Wasenbesucher das Rollern ein und bewältigen die restlichen Meter über den Neckar zum Volksfest zu Fuß.

Eigentlich sind derlei Ansammlungen abgestellter Roller vom Anbieter Voi nicht gewünscht. Die Richtlinien für Stuttgart sehen vor, dass nicht mehr als fünf Roller pro sogenanntem Knotenpunkt – den zentralen Anmietstellen – stehen dürfen. Jedoch habe man technische Möglichkeiten, die abgestellten E-Scooter zu orten und dadurch auf Angebot und Nachfrage zu reagieren – sprich die Gefährte einzusammeln und neu über das Stadtgebiet zu verteilen.

Dass Vorsicht geboten ist, wenn Scooter für alkoholisierte Fahrer zur Verfügung stehen, zeigt ein Blick auf die Zahlen der Polizei für den Monat September: Es hagelte 55 Anzeigen im Zusammenhang mit Scootern und Alkohol. 31 davon waren Strafanzeigen, weil die Fahrer 1,1 Promille oder mehr hatten.

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