Die leidige Parklplatzsuche entfällt mit dem E-Roller. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mobil in der Stadt heißt oft vor allem Stau und Suche nach einem Parkplatz. Mit dem Elektro-Roller ist das ein wenig anders. Eine Probefahrt vor der Winterpause.

Stuttgart - Der blaue Roller an der Ecke Tübinger und Eberhardstraßes sagt nichts. Kein Brummen, kein Motörle, das knattert und stinkt, wie man es von einem amtlichen Scooter kennt. Nur ein grünes Licht im Tacho signalisiert, dass der in der Sekunde gemietete Elektro-Roller bereit ist. Also dann, runter vom Ständer mit dem extrem retro ausschauenden Gefährt und dann ein wenig an einem Teil gedreht, das man üblicherweise Gasgriff nennt. Das ist in dem Fall Unsinn, aber jeder weiß, was gemeint ist. Ein leichter Dreh und dann surrt er los. Zügig, und bis auf das leise Singen der Reifen nahezu lautlos. Die CO2-neutrale Runde durchs Städtle mit dem E-Roller beginnt.

Das Angebot der Stadtwerke läuft seit dem 10. August, wird aber bereits stark angenommen. Kürzlich wurde bei der Registrierung die 1000-er Marke geknackt. Im Moment können die 15 Roller im gesamten Stadtgebiet gefahren werden, am Ende der Miete müssen sie aber wieder im Citybereich grob zwischen Leipziger Platz im Westen und Bad Cannstatt abgestellt werden. Im kommenden Frühjahr wird die Flotte stark erweitert. 75 Roller sollen es werden, die dann auch im gesamten Stadtgebiet angemietet und wieder abgestellt werden können. „Wir haben bewusst klein angefangen, weil wir erst einmal sehen wollten, wie das Angebot angenommen wird“, sagt der Stadtwerke-Sprecher Michael Isenberg, der auch betont, dass die Stadtwerke mit Stella Geld verdienen wollen. Das sei zwar nicht das primäre Ziel, aber doch Pflicht. Und die Resonanz ist gut. In den ersten knapp zwei Monaten wuselten die Roller bereits 9500 Kilometer durch die Stadt, angetrieben mit Ökostrom der Stadtwerke und mit 670 Kilo weniger CO2-Ausstoß als vergleichbare Motorroller.

Der E-Roller fährt nicht schneller als 50 Kilometer pro Stunde

Die Handhabung des Ganzen ist ziemlich einfach. Nach der Registrierung zeigt einem eine App auf dem Smartphone an, wo gerade ein freier Roller steht und wie weit entfernt er ist. Mit einem Klick hat man den Flitzer reserviert und dann 15 Minuten Zeit, auch loszufahren. Am Roller angekommen, öffnet man über die App die Gepäckbox, in der zwei Helme unterschiedlicher Größe, Einmal-Unterziehhauben, mit denen jeder an Fasching als Zombie durchginge, und die Schlüssel lagern. Haube auf und den Helm drüber, mit dem Schlüssel vorne das Lenkerschloss entriegeln und dann – ja dann wird es spannend. Es passiert erst einmal nichts. Kein Geknatter, aber der Roller ist betriebsbereit. Ein Dreh am rechten Lenkergriff und das babyblaue Zweirad stromert munter los. Allerdings nicht schneller als 50, aber das nur, weil die Stadtwerke die Motoren so haben drosseln lassen, damit man auch mit einem normalen Autoführerschein fahren darf. Wie weit man kommt, zeigt im übrigen der Ladestand im Display. 100 Prozent Batterie bedeuten 100 Kilometer. Wie weit es dann mit 65 oder 34 Prozent reicht – so viel Mathe kann jeder.

Also einmal quer durch die City. Nach zwei Kilometern ein Stopp auf einen Kaffee am Marienplatz. Vorfahren bis fast zum Eingang – das ist nicht schlecht. So lange der Roller steht, fallen fünf Cent pro Minute an, das Fahren kostet 59 Cent pro Kilometer oder 19 Cent pro Minute. Abgerechnet wird immer die günstigere Option. Zum Vergleich: ein E-Smart von Car2go kostet 29 Cent pro Kilometer. Überwacht werden die Roller von der Zentrale aus. Signalisiert einer, dass der Ladestand der Batterie unter 20 Prozent gefallen ist, wechseln Mitarbeiter des E-Lastenrad-Anbieters Velo Carrier die Akkus beim nächsten Stopp aus.

Anfang März soll die Flotte größer sein

Noch mehr Freude als beim Fahren machen die E-Roller beim Parken. In der City nutzen die Zweiräder eine ordnungstechnische Grauzone, dass Zweiräder da geparkt werden können, wo niemand behindert wird. Die Freiheit endet allerdings in Feuergassen oder Einfahrten, wobei die Disziplin der Roller-Teiler ganz ordentlich ist. „Bisher sind bei uns genau fünf Strafzettel eingegangen“, sagt Isenberg. Aufpassen muss man im Verkehr vor allem auf die anderen, weil die einen akustisch kaum wahrnehmen. Besonders Radler bekommen schnell einen Schreck, wenn man an ihnen vorbeirollt.

In ein paar Wochen, wenn das Wetter doch zu grausig wird, endet Stuttgarts erste E-Saison. Anfang März soll mit der aufgestockten Flotte weitergerollert werden. Nach einem Boxenstopp im Buchladen, einem kurzen Halt bei der Post und in der Markthalle endet die kleine Stadtrundfahrt wieder in der Tübingerstraße. Aufbocken, Helm und Schlüssel zurück in die Box die Einmalhaube, schnell in den nächsten Mülleimer werfen. Danach den Deckel der Gepäckbox zudrücken und auf der App „Miete beenden“ drücken, das war’s. Kurz darauf kommt eine Mail mit den Daten der Fahrt, einmal im Monat wird abgebucht. Das passiert dann auch völlig geräuschlos.

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