Ein Freiwilliger birgt versenkte E-Scooter aus dem Hafenbecken von Marseille. Foto: Gerard Julien/AFP

Im Hafen von Marseille liegen offenbar hunderte E-Scooter. Taucher versuchen die Geräte zu bergen, bevor ihre hochgiftigen Akkus auslaufen und die Umwelt schädigen. Die bisherige Öko-Bilanz der E-Tretroller ist zwiespältig.

Marseille - Elektro-Tretroller sind seit rund einem Monat in Deutschland zugelassen. Und schon nehmen die Probleme überhand. Auf Bürgersteigen abgestellte E-Scooter behindern Fußgänger, Meldungen über Unfälle häufen sich, Fahrer sind betrunken unterwegs. Die Polizei ist alarmiert.

Marseilles „Friedhof der Motorroller“

Ein Problem der besonderen Art mit der E-Mobilität gibt es in Marseille. In der südfranzösischen Hafenstadt kurven die flotten Flitzer schon seit mehr als einem Jahr herum. Seit Juli ist ein unerwünschtes Problem aufgetaucht: Im Hafenbecken der französischen Hafenstadt liegen E-Scooter haufenweise verteilt.

„Etwa 200 Stück liegen im Meer“

Adrien DeMars ist einer der freiwilligen Taucher, welche die E-Tretroller aus dem Wasser mühsam fischen. „Nicht nur ich, viele andere Taucher suchen nach den Dingern. Im Moment liegen noch etwa 200 Stück im Meer.“

„Friedhof der Motorroller“ wird die Stelle von Einheimischen bereits genannt. Das Versenken ist deshalb so problematisch, weil in den Batterien der E-Scooter jede Menge giftige Chemikalien stecken. Die Lithium-Batterien könnten unter Umständen sogar explodieren.

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Weitwurf-Wettbewerb mit E-Scootern

Die Marseiller Polizei vermutet, dass hinter dem Phänomen ein neuer, krimineller Trend steckt. Offenbar werden am Hafenbecken der Millionenmetropole Weitwurf-Wettbewerbe mit E-Scootern veranstaltet, wie die Nachrichtenagentur AFP berichtet. Nun sollen sich Mitarbeiter der Stadtverwaltung mit den Roller-Werfern auseinandersetzen und sie von ihrem mutwilligem Treiben abbringen.

Wie die Lokalzeitung France Bleu Provenc e“ berichtet, soll es sich bei den mutmaßlichen Tätern vor allem um Kinder zwischen acht und zehn Jahren handeln, die älteren Täter seien 14 Jahre alt. „Das Spiel besteht darin, Roller zu nehmen und ins Meer zu werfen“, hieß es demnach seitens der Firma Line, die E-Scooter verleiht.

E-Vandalismus auch in Paris

Probleme mit E-Scooter-Vandalismus gibt es auch in Paris. Manche der mehr als 20 000 sogenannten Trottinettes in der französischen Hauptstadt landen in den zahlreichen Brunnen oder müssen aus der Seine gefischt werden. Inzwischen arbeitet die Stadt mit dem Startup Guppy zusammen, das von vier jungen Studenten ins Leben gerufen wurde.

Bei einer ersten Putzaktion im Juni 2018 zwischen der Fußgängerbrücke Léopold Sédar Senghor und der Pont-Neuf wurden – neben Fahrrädern und allerlei anderem Unrat – 58 Trottinettes aus der Seine gezogen. Das verschandelt nicht nur die Umwelt, darüber hinaus verunreinigen die Batterien, die Lackierung und die Reifen das Wasser.

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Entsorgungsprobleme mit E-Scootern

Wird eine Trottinette von den Anbietern aus dem Verkehr gezogen, wird das Gefährt von speziellen Firmen auseinandergenommen. Noch funktionsfähige Bestandteile werden wiederverwendet, der Rest, wie zum Beispiel Eisen und Kupfer, wird weiterverwertet.

Ein großes ökologisches Problem sind die Akkus. Umweltschützer weisen immer wieder auf noch nicht gelöste Probleme bei der Produktion und der Entsorgung der meist verwendeten Lithium-Ionen-Batterien hin. Für die Herstellung der E-Scooter-Akkus werden seltene Rohstoffe wie Lithium, Nickel und Kobalt benötigt, deren Gewinnung häufig mit großen Umweltbelastungen verbunden ist.

Das Kobalt wird vor allem in Bergwerken der Demokratischen Republik Kongo gewonnen, wo es unter oft unmenschlichen Bedingungen abgebaut wird. Zudem ist das Land ein Krisenherd, wo Korruption und staatliche Willkür herrschen.

Teures Recycling der Lithium-Batterien

Oftmals werden die Batterien unsachgemäß entsorgt. Wegen starker Brandgefahr dürfen Lithium-Akkumulatoren keinesfalls im Restmüll landen, sondern müssen an einer Müllsammelstelle abgegeben werden.

Das Recyceln von Lithium-Ionen-Batterien ist wegen der vielen Inhaltsstoffe und der komplexen Demontage teuer. Das wiegt die Kosten kaum auf und ist aus diesem Grund für die Firmen wenig lukrativ.

Zwar gebe es in Deutschland Rücknahme- und Recycling-Richtlinien, diese seien aber unzureichend und teils leicht zu umgehen, wie etwa der Umgang mit Elektroschrott oder alten Autos zeige, betont Jens Peters vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT). „Der Recycling-Kreislauf ist eine entscheidende Frage für die Umweltbilanz“, ergänzt Katrin Dziekan, Fachgebietsleiterin Umwelt und Verkehr beim Umweltbundesamt (UBA).

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