Der Leihrolleranbieter Bolt stellt seit Mitte Mai rund 500 E-Scootern in Stuttgart bereit. Foto: StZ/Bolt

Mit Bolt gibt es inzwischen vier Anbieter für E-Tretroller im Stadtgebiet, insgesamt könnten es in diesem Sommer mehrere Tausend Fahrzeuge werden. Stadt und Polizei sehen jedoch keine größeren Probleme mit Unfällen oder Strafzetteln.

Stuttgart - Mit dem Sommerbeginn sind auch die E-Scooter wieder vermehrt nach Stuttgart zurückgekehrt. Nach Auskunft der Stadt seien pro Tag bis zu 1200 der Leihroller bei jedem der vier Anbieter im Einsatz, die in Stuttgart inzwischen ihre Dienste anbieten – wobei die Zahl von Witterung und erwarteter Nachfrage abhängt. Zu den bereits länger aktiven Anbietern Tier, Lime und Voi kam unlängst Bolt hinzu: Seit Mitte Mai stellt der Anbieter mit Hauptsitz im estnischen Tallinn nach eigenen Angaben rund 500 der Tretroller mit Elektromotor in Stuttgart auf. Konkurrent Tier teilt mit, aktuell 800 Roller in der Stadt im Einsatz zu haben. Die Gefährte fahren fast zwei Jahre nach der ersten Zulassung längst nicht mehr nur in der Innenstadt. Die Tretroller von Bolt sollen auch in Zuffenhausen, Feuerbach, Vaihingen, Möhringen und Degerloch zum Einsatz kommen.

E-Scooter für Polizei und Stadt „kein Schwerpunktproblem“

Die Stadt Stuttgart sieht derzeit keine größeren Probleme mit kreuz und quer abgestellten E-Tretrollern, die in den ersten Monaten häufig für Ärger gesorgt hatten. Ralf Maier-Geißer, Leiter des städtischen Aktionsplans „Nachhaltig mobil“, meint dazu: „Vorteil der E-Scooter ist ja auch, dass man sie im Gegensatz zu einem Auto ganz leicht auch selbst aus dem Weg stellen kann. Dies empfehlen wir auch möglichen Beschwerdeführern, sofern sie dazu körperlich in der Lage sind.“ Insgesamt hat die Stadt 2020 in 651 Fällen Bußgelder im Zusammenhang mit E-Scootern verhängt, was jedoch bei insgesamt 1,01 Millionen Verkehrsdelikten in der Landeshauptstadt kaum ins Gewicht fällt.

Oft geht es um Scooterfahrer, die alkoholisiert oder verbotenerweise in der Fußgängerzone und auf Gehwegen unterwegs sind. Auch herumstehende Roller würden in einigen Fällen Fußgänger behindern, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage erklärt. Er betont jedoch: „Das ist für uns kein Schwerpunktproblem.“ Erst recht nicht während der coronabedingten Ausgangssperren. Laut Unfallstatistik waren E-Roller im Jahr 2020 an 44 Unfällen im Stuttgarter Stadtgebiet beteiligt, dabei verletzten sich fünf Rollerfahrer schwer. Auch in diesem Jahr kam es bereits zu Unfällen mit E-Scootern, zuletzt am Donnerstag in Feuerbach, als ein Fahrer in der Föhrichstraße mit einem Auto zusammenstieß und dabei schwer verletzt wurde. Im Vergleich waren Radfahrer 2020 an 508 Unfällen beteiligt, 77 wurden schwer verletzt, eine Person starb.

Kaum noch Beschwerden

Maier-Geißer zeigt sich „sehr zufrieden“ mit der Zusammenarbeit zwischen Sharing-Anbietern und der Stadt, die eine gemeinsame Vereinbarung unterzeichnet haben. Nach dem Start der Scooter 2019 habe die Stadt immer wieder Beschwerden über im Weg geparkte Scooter erhalten. „Inzwischen gehen die Beschwerden gegen null“, sagt Maier-Geißer. Ähnlich wie der konkurrierende Anbieter Lime verlangt auch Bolt, dass die Nutzerinnen und Nutzer nach jeder Fahrt ein Handyfoto des Rollers in der App hochladen, um zu beweisen, dass sie ordentlich geparkt haben. In den Apps der Anbieter sind außerdem sogenannte Verbotszonen hinterlegt, so dass die Roller nicht überall abgestellt werden können – inzwischen auch in den Stadtbezirken außerhalb der Innenstadt.

Die Vereinbarung mit der Stadt sieht auch vor, dass die Anbieter ihre E-Scooter im Sinne der Nachhaltigkeit nur mit Ökostrom aufladen dürfen. Bolt spricht sogar davon, die eigenen Roller „klimapositiv“ zu betreiben, da man unter anderem in Projekte zur CO2-Kompensation investiere. Den Aufwand für das Zurückstellen und Aufladen der Scooter wollen sowohl Bolt als auch Konkurrent Tier möglichst kleinhalten, wie beide in Pressemitteilungen erklären. Nach Angaben von Tier setze man dafür auf Wechselakkus, so dass nicht die ganzen Scooter zum Lager und wieder zurück transportiert werden müssen. Ähnlich handhabt es Bolt, wobei hier nach Unternehmensangaben nur fünf (festangestellte) Mitarbeiter die Flotte aufladen und an ihre Startpunkte zurückbringen sollen.

Das muss man zu den E-Rollern noch wissen

In Stuttgart sind aktuell vier Anbieter für E-Scooter aktiv: Tier, Lime, Voi und seit diesem Jahr auch Bolt. Die Tretroller können jeweils mit einer Smartphone-App des Anbieters ausgeliehen werden, die den Weg zum nächsten Fahrzeug weist.

In den Apps sind Verbotszonen hinterlegt, in denen die Roller nicht parken dürfen. Parks und bestimmte Fußgängerzonen sind tabu. Fahren dürfen die Roller nicht auf Gehwegen und in Fußgängerzonen, sondern wie Fahrräder nur auf Radwegen oder – mangels Radweg – auf der Straße.

Der neue Anbieter Bolt steigt mit einem Kampfpreis ein: Im Gegensatz zur Konkurrenz kostet das Ausleihen keine Startgebühr und 5 Cent pro Minute Fahrzeit, während andere einen Euro Startgebühr und zwischen 15 und 28 Cent pro Minute verlangen.