Ladestation statt Zapfsäule: Der Verkehr der Zukunft soll mehr und mehr mit elektrisch betriebenen Fahrzeugen erfolgen. Foto: dpa

Fahrzeuge mit E-Antrieb sind in der Stadt noch die Ausnahme– aber es werden mehr. Vor allem Institutionen wollen ihre Fuhrparke langfristig komplett umrüsten.

Stuttgart - Wenn Fritz Kuhn einen Termin in der Stadt hat, benutzt er einen Smart mit Elektromotor. Stuttgarts Oberbürgermeister setzt damit schon seit 2013 in Sachen Individualverkehr ein Zeichen. Die Zukunft des Autos soll eine zumindest teilweise elektrische sein, davon gehen mittlerweile auch die großen Automobilbauer aus, die in ihren Forschungslaboren mit Hochdruck an der Mobilität der Zukunft basteln. Auch in Stuttgart ist das zarte Pflänzlein 2016 wieder ein Stück gewachsen. Die Zahl der reinen E-Autos stieg von 792 zu Beginn des vergangenen Jahres auf 1013 Ende 2016. Die Zahl der Autos mit Hybridantrieb nahm von 360 auf 587 zu. Bei einem Bestand von etwa 360 000 Autos sind 1600 E-Mobile ein kleiner Anteil, aber immerhin, die Zahl steigt und wird mit mehr E-Auto-Auswahl deutlicher zunehmen. Und viele Institutionen mit einem Fuhrpark nehmen sich des Themas an und rüsten langsam auf.

Stuttgart ist stolz auf seine vielen Ladestationen

Die Stadt Stuttgart geht dabei vorneweg. Der städtische Fuhrpark an Pkw fährt schon zu 13 Prozent elektrisch, bis Mitte 2018 will man weitere 45 E-Autos kaufen. Mit 475 Ladestationen hat Stuttgart zudem nach eigener Einschätzung das dichteste Netz an Ladesäulen in ganz Deutschland. darüber hinaus testet die Stadt E-Antriebe, zum Beispiel in Kehrmaschinen, oder auch einen elektrischen Klein-Lkw der Daimlertochter Fuso, der 2017 in Serie gehen soll. Grundsätzlich will man sich in Stuttgart komplett vom reinen Verbrennungsmotor verabschieden. „Der städtische Fuhrpark wird schrittweise vollständig auf emissionsfreie und emissionsarme Antriebsarten umgestellt“, heißt es aus dem Rathaus. Emissionsarm meint dabei zum Beispiel die Hybridtechnik, also die Kombination von E- und Verbrennungsmotor. Ganz ohne Abgas geht es auch künftig nicht.

Stuttgart setzt also vermehrt auf E. Ob sich das auf die leidige Feinstaubproblematik auswirkt, muss sich aber erst zeigen, da der Staub nicht nur aus den Auspuffen der Autos kommt. Mehr E würde aber auf jeden Fall weniger Stickoxide bedeuten, die vor allem von Dieselmotoren in die Luft geblasen werden und die die Atemwege belasten.

Für Rettungs- und Streifenwagen taugt E noch nicht

Mehr E führt also zu besserer Luft, aber in manchen Bereichen ist die neue Mobilität noch nicht einsatzfähig, beispielsweise bei den Rettungsdiensten wie dem Deutschen Roten Kreuz. Es gibt schlicht noch keine elektrisch betriebenen Notarzt- und Rettungsfahrzeuge auf dem Markt. Anders sieht es bei Pflegediensten wie zum Beispiel der Diakoniestation aus. Dort will man die Zahl der E-Autos von derzeit zwei in den kommenden fünf Jahren auf 60 erhöhen.

Gut entwickelt hat sich 2016 das E-Auto-Mietsystem Car2go. Die Anzahl der monatlichen Mieten hat sich um bis zu 25 Prozent erhöht, etwa 85 000 Kunden haben sich mittlerweile bei Stuttgarts E-Auto-Flotte registriert, das ist ein Anstieg um etwa 40 Prozent gegenüber den Werten Ende 2015. Stolz ist man bei Car2go, dass die etwa 500 Autos in Stuttgart ausschließlich mit zertifiziertem Ökostrom geladen werden und dass die Flotte Deutschlands größte an E-Mietautos ist. Komplett rund läuft es bei dem 2012 gegründeten Unternehmen aber nicht immer. Ein Schwachpunkt ist zum Beispiel der Haltepunkt am Flughafen. Dort stehen zwar oft viele Autos, die aber wegen des zu geringen Ladestands der Batterie nicht mehr gemietet werden können. Die nächste Ladestation ist an der Messe. Laut Car2go soll aber in diesem Jahr eine Dockingstation direkt am Flughafen gebaut werden.

Die SSB setzt eher auf Hybrid-Busse

Auch die Stuttgarter Polizei hat sich im Jahr 2016 elektrisch aufgepeppt. Wobei auch hier der Stand der Technik noch stark die möglichen Einsatzgebiete limitiert. Ein Streifenwagen mit reinem E-Antrieb ist momentan noch nicht vorstellbar. Das liegt nicht an der Geschwindigkeit, E-Autos erreichen bis zu 250 Stundenkilometer. Aber die Reichweite ist bei Volllast einfach zu kurz. Die Polizei nutzt ihre E-Autos deshalb als Zivilfahrzeuge – überwiegend für Ermittlungen oder für Botenfahrten.

Bei Personenbeförderung im großen Stil ist der reine E-Antrieb auch noch kein Thema. Unter den 260 Bussen der Stuttgarter Straßenbahnen AG sind derzeit 15 Dieselhybride im Einsatz. Dazu kommen vier Busse, die mit Wasserstoff angetrieben werden. 2017 werden 15 neue Busse angeschafft, ein Teil davon soll mit Hybridtechnologie ausgestattet werden. Wie hoch der sein wird, entscheidet sich auch nach der Höhe der Landeszuschüsse, über die Anfang 2017 entschieden wird. Die Zukunft sieht man bei den SSB aber elektrisch, zumindest beim reinen Cityverkehr. Im Moment sei aber eine vollständige Umstellung wegen der noch nicht ausgereiften Technik „weder sinnvoll noch bezahlbar“, heißt es.

E-Mobil auch im Lieferverkehr

Ähnlich ist die Situation auch bei den Taxis. Von den 700 Stuttgarter Mietdroschken fahren im Moment nur sechs elektrisch, davon zwei der US-Nobelmarke Tesla. Dazu kommen etwa 40 Hybride. Die Stadt fördert den Kauf von E-Taxis mit bis zu 5000 Euro pro Auto.

Der E-Markt wächst also langsam, aber er wächst. 2016 kam auch Neues hinzu. In der Stadt sind 12 Cargo-E-Bikes der Firma Velocarrier für Paketzusteller im Einsatz, diverse Lieferdienste bringen mit E-Mobilen Essen, und wer zur zur Mobilität auch noch Luft um die Nase will, kann nach dem Car2go-Prinzip seit einigen Monaten bei Stella auch elektrische Roller mieten. Und deren Zahl steigt 2017 von 15 auf 75.

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