Der E-Smart hat Batterien aus Kamenz Foto: Max Kovalenko

Spekuliert wurde darüber schon länger – nun ist es offiziell: Das Ende der Batteriezellenproduktion bei der sächsischen Daimler-Tochter Li-Tec. Der Autokonzern zieht den Schlussstrich. Der Standort soll aber weiter bestehen.

Kamenz/Stuttgart - Die Zukunft der Batterien für Elektroautos liegt nicht in Deutschland. Die Daimler-Tochter Li-Tec, das einzige Unternehmen in Deutschland, das entsprechende Batteriezellen herstellt, wird geschlossen. Erst vor wenigen Jahren ist das Batterieprojekt mit großen Erwartungen gestartet. 1000 Menschen sollten einmal in Kamenz, nahe Dresden, Arbeit finden. Dort gründeten Daimler und der Essener Evonik-Konzern die gemeinsame Tochter Li-Tec. Doch das Geschäft mit Autobatterien kriselt. Es folgte ein Rückzug auf Raten. Zunächst stieg in diesem Frühjahr Evonik bei Li-Tec aus. Jetzt stellt Daimler die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen im Dezember 2015 ganz ein. Den 280 Li-Tec-Mitarbeitern wurde der Beschluss bereits mitgeteilt, sagte ein Daimler-Sprecher am Wochenende.

Auf absehbare Zeit sei die Fertigung der Batteriezellen für Elektro- und Hybridautos – wie den Smart – nicht wirtschaftlich, so der Konzernsprecher. Das Produkt sei zwar absolut wettbewerbsfähig, werde aber nicht in ausreichend großer Stückzahl nachgefragt, damit sich die Produktion rechne.

Die Entscheidung hat sich abgezeichnet. „Li-Tec macht zwar die beste Batterie – die Frage ist, ob es auch die wirtschaftlich wettbewerbsfähigste ist“, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche unserer Zeitung unlängst bei der Vorstellung der neuen B-Klasse auf Mallorca gesagt. Bei der Elektroversion des Kompaktwagens setzt Daimler voll auf den Kooperationspartner Tesla. Batterie und Antriebsstrang werden aus den USA geliefert und in Rastatt montiert. Tesla hat abgekündigt, mit Milliardenaufwand eine Fabrik zu bauen, die mehr Batterien herstellen kann als alle anderen Fabriken der Welt zusammen. Daimler habe keine Exklusivbeziehungen mit seinen Tochterfirmen, auch diese stünden im Wettbewerb, hieß es dazu beim Stuttgarter Konzern. Was die Produktion betrifft, hat Li-Tec nicht mithalten können, wie sich jetzt zeigt. Man habe die Erkenntnis gewonnen, dass ein Autobauer die Zellen nicht selber produzieren müsse, heißt es.

Batterien sind das Herzstück der Zukunftstechnologie Elektroautos, von denen die Bundesregierung bis 2020 eine Million auf der Straße sehen will. Doch ausgerechnet das Geburtsland des Automobils hat bei der Batteriezellen-Technik den Anschluss verloren. Asiatische Hersteller wie LG, ­Panasonic oder Toshiba sind weit vorne.

Daimler hatte im April dem Partner Evonik die Anteile am gemeinsamen Batterie-Verlustbringer Li-Tec abgekauft. Den Fokus legen die Schwaben nun auf den komplexeren Zusammenbau von Batteriesystemen.

Die Li-Tec-Mitarbeiter vertrauen darauf, dass Daimler den Standort nicht aufgeben wird. Li-Tec soll laut Daimler als Forschungsstandort in Kamenz erhalten bleiben. Der Großteil der 280 Mitarbeiter soll in die Deutsche Accumotive übernommen werden – auch eine hundertprozentige Daimler-Tochter, die in Kamenz Batteriesysteme herstellt. Bei Accumotive werden die Produktionskapazitäten derzeit erweitert, um ab 2016 Batterien unter anderem für die nächste Generation des Elektro-Smart zu bauen. Für die Batterieblöcke wird mit einer ­steigenden Nachfrage gerechnet. In Kamenz beginnen jetzt die Verhandlungen mit dem Betriebsrat. 50 der 280 Li-Tec-Mitarbeiter haben befristete Verträge.

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