Damit lässt es sich schnell laden. Foto: dpa/Sina Schuldt

Die E-Ladeinfrastruktur im Kreis Böblingen wächst. Der Bund fördert den Ausbau von Schnellladepunkten in Herrenberg, Leonberg und Böblingen/Sindelfingen. Wo genau sie hinkommen, ist noch unklar - bis auf Sindelfingen. Dort ist ein konkreter Standort im Gespräch.

Der Bund will den Ausbau von Schnellladeinfrastruktur für E-Autos fördern. Davon profitiert auch der Kreis Böblingen. Zwei Unternehmen erhalten finanzielle Unterstützung, um in Herrenberg, Leonberg und Böblingen/Sindelfingen Schnellladepunkte zu bauen. Also Ladesäulen mit einer Leistung von 150 Kilowatt oder mehr, an denen E-Autos in der Regel innerhalb von 15 bis 20 Minuten Strom „tanken“ können. Denn die Zahl der Elektroautos in Deutschland ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Zwar ist der Verbrenner immer noch mit Abstand die Nummer eins, aber die E-Autos holen, trotz Schwächen im Jahr 2024, auf.

 

Der Kreis Böblingen ist sogar bundesweit der Kreis, in dem am meisten Ladesäulen zeitgleich belegt sind, wie das Landratsamt kurz vor Weihnachten bekannt gab und sich dabei auf Daten des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft bezog. Für das Landratsamt ein Zeichen, dass der Bedarf an neuen Ladesäulen weiterhin hoch ist. Deren Anzahl im Kreis ist Daten der Bundesnetzagentur zufolge in den vergangenen Jahren bereits deutlich gestiegen: von 19 Ladepunkten im Jahr 2017 auf 1594 – davon 177 Schnellladesäulen – im Jahr 2024. Sindelfingen ist aktuell Vorreiter – unter anderem wegen der Ladesäulen bei Mercedes-Benz, die sich teilweise in den Parkhäusern am Werk befinden.

Deutschlandnetz soll weiße Flecken beseitigen

Beim Ausbau der Infrastruktur für E-Mobilität spielen verschiedene Akteure eine Rolle. Viele Kommunen im Kreis haben E-Ladekonzepte aufgestellt oder wollen die E-Ladeinfrastruktur als Teil von Mobilitätskonzepten berücksichtigen. Beim geplanten Bau der 16 Schnellladestationen geht es um ein vom Bund gefördertes Vorhaben. Das Anliegen des sogenannten Deutschlandnetzes: Weiße Flecken, an denen keine oder nicht genügend Schnellladepunkte vorhanden sind, zu beseitigen.

Der deutsche Energiekonzern Eon und Fastned, ein niederländisches Unternehmen, das sich auf den Ausbau von E-Ladeinfrastruktur spezialisiert hat, haben bei einer Ausschreibung für das Deutschlandnetz ein „Regionallos“ für den Kreis Böblingen gewonnen. Eon soll in Herrenberg acht und Fastned in Böblingen/Sindelfingen und Leonberg je vier Schnellladepunkte errichten. Auf Gebieten, die innerhalb eines Suchraums mit einem Radius von zwei Kilometern liegen müssen.

Welche Kriterien ein Standort erfüllen sollte

„Wir haben uns ganz bewusst auf dieses Los beworben“, sagt Linda Boll, Leiterin der deutschen Fastned-Niederlassung. „Wenn E-Mobilität massentauglich werden soll, brauchen wir nicht nur Lademöglichkeiten entlang von Autobahnen, sondern auch in der Innenstadt.“ Ein Knackpunkt sei allerdings, die geeigneten Flächen zu finden. Fastned hat zwar die Ausschreibung gewonnen, aber dadurch nicht das Recht, einfach zu bauen. Das Unternehmen sei deshalb in engem Austausch mit den Städten, sagt Boll. „Wir müssen in und mit den Kommunen nach passenden Flächen suchen und dann mit den Eigentümern, städtischen oder privaten, die Bedingungen klären“, beschreibt sie das Vorgehen.

Das gelbe Symbol und gelbe Dächer sind ein Markenzeichen von Fastned, wie Linda Boll erklärt. Die im Kreis Böblingen geplanten Stationen werden voraussichtlich deutlich schlichter ausfallen. /Fastned

Boll zählt die Kriterien für einen Standort auf: „Er sollte schnell auffindbar und erreichbar sein, eine gute Aufenthaltsqualität und bestenfalls ein Café in der Nähe haben.“ Dann könnten Autofahrer sich nicht nur während des Ladevorgangs einen Kaffee holen, sondern hätten eventuell auch die Möglichkeit, auf Toilette zu gehen. Es spielt demnach keine Rolle, ob es öffentliches oder privates Gelände ist, sofern die Ladepunkte rund um die Uhr zugänglich sind. Ganz ähnliche Standort-Anforderungen nennt auf Anfrage eine Unternehmenssprecherin von Eon. Konkrete Standorte haben sich in Herrenberg aber offenbar noch nicht herauskristallisiert. „Derzeit werden gemeinsame mögliche Standorte evaluiert“, teilt Herrenbergs Sprecherin Tilla Steinbach mit.

Wo die Säulen in Sindelfingen stehen könnten

Anders sieht es bei Fastned im Suchraum Böblingen/Sindelfingen aus. Dort ist ein möglicher Standort in Sindelfingen in der Böblinger Straße im Gespräch, wie Stadtsprecher Michael Botsch mitteilt und Fastned bestätigt. Konkret geht es offenbar um ein Teilstück der alten Brücke in der Böblinger Straße, neben der Autobahn 81. Es soll zurückgebaut werden und würde dann Platz für einen Schnellladepark bieten, auf einem Gelände, das der Stadt gehört. Ganz in der Nähe, auf dem Hornbach-Parkplatz, gibt es bereits vier Schnellladepunkte, die die Pfalzwerke aus Ludwigshafen betreiben.

Der Vertrag mit dem Deutschlandnetz, also dem Bund, dauert laut Boll zwölf Jahre, Ziel sei es, langfristig zu bleiben. „Wir streben Pachtverträge mit 20 bis 25 Jahren Laufzeit an“, sagt sie. „Wir kommen, um zu bleiben.“ Die Leiterin der deutschen Niederlassung ist sich sicher: „Die Zukunft liegt in der E-Mobilität, weil sie am effizientesten ist.“

Ein möglicher Standort existiert also schon. Doch wann können Autofahrer an den neuen Säulen Strom zapfen? „Unser Ziel ist es, die Ultra-Schnellladesäulen in Herrenberg spätestens bis 2026 zu errichten und in Betrieb zu nehmen“, teilt die Eon-Unternehmenssprecherin mit. Linda Boll will sich noch nicht auf einen Termin festlegen. Denn nach der Flächensuche steht als nächstes das Baugesuch, dann die Baugenehmigung und schlussendlich der Netzanschluss auf dem Programm. Sind diese Schritte abgehakt, sollte es schnell gehen. „Wenn alle Genehmigungen vorliegen, dauert der Bau drei bis vier Wochen“, sagt Boll.

Leistung der geplanten Ladepunkte und Förderung durch den Bund

Technische Daten
Beide Unternehmen teilen mit, dass ihre Ladesäulen mit Ökostrom bedient werden und eine maximale Ladeleistung von 400 Kilowatt haben, also 200 Kilowatt pro Ladepunkt – auch dann, wenn zwei Autos gleichzeitig laden. Linda Boll von Fastned merkt an, dass bei ihnen die Zahlung mit EC-Karte möglich ist, sie aber auch 95 Prozent der Ladekarten akzeptierten. Einen Rabatt für bestimmte Karteninhaber gebe es nicht.

Förderung
Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr investiert einer Sprecherin zufolge 2,3 Milliarden Euro in den Aufbau des Deutschlandnetzes. Sobald die Ladesäulen in Betrieb gehen, müssen die Betreiber demnach einen Teil ihrer Einnahmen an den Bund zahlen. „Die Zahlungen der Betreiber an den Bund werden mit den Vergütungen, die die Betreiber vom Bund erhalten, verrechnet“, schreibt die Sprecherin. Sie zahlen also von der erhaltenen Förderung wieder etwas zurück. Die Höhe der Summe hängt laut Sprecherin von den abgegebenen Ladestrommengen ab. „Je höher also die Nachfrage an den Standorten, desto höher ist auch die Refinanzierung für den Bund.“

Digitale Karten
Das Bundesverkehrsministerium stellt digitale Karten bereit, auf denen die existierenden Ladestandorte, aber auch der Bedarf und die geplanten Ladepunkte verzeichnet sind. Außerdem bietet es eine Plattform an, über die Kommunen und Privatpersonen mögliche Standorte für E-Ladeinfrastruktur anbieten können.