Mit interaktiver Grafik - Elektromobilität in Deutschland boomt – zumindest auf zwei Rädern. Der Autozulieferer Bosch mischt kräftig mit. Die E-Bike-Sparte von Bosch ist zwar im Vergleich zum Milliardenumsatz des Konzerns winzig, in der Fahrradbranche aber ein Riese, der den Takt angibt.

So viel Bosch steckt in einem Elektro-Fahrrad - klicken Sie auf unsere interaktive Grafik Foto: Bosch

Reutlingen - Immer mehr Fahrradfahrer satteln auf Elektroräder um. Allein im letzten Jahr wurden in Deutschland 480 000 E-Bikes und Pedelecs verkauft – das sind 17 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Damit ist der E-Rad-Anteil am gesamten Fahrradmarkt auf zwölf Prozent gestiegen. Mittlerweile sind auf Deutschlands Straßen 2,1 Millionen E-Bikes und Pedelecs unterwegs. Bei Bosch freut man sich über die Entwicklung.

„In Deutschland ist heute jedes zehnte verkaufte Fahrrad ein E-Bike. Wenn Sie sich eine Fahrradnation wie die Niederlande anschauen, wo der E-Bike-Anteil heute schon bei 20 Prozent liegt, und Länder wie Frankreich oder Italien, die für E-Bikes klimatisch geradezu prädestiniert sind, kann man ­davon ausgehen, dass das Wachstum des E-Bike-Marktes noch für viele Jahre weitergehen wird“, sagt Claus Fleischer, Leiter des Bosch-Produktbereichs eBike Systems. „Warum sollen in Zukunft nicht 30 bis 50 Prozent aller verkauften Räder elektrifiziert sein, wenn ein E-Bike nur Vorteile bietet?“ , findet der Manager.

Bosch ist vor sechs Jahren mit der konzerneigenen Start-up-Firma Bosch eBike Systems (Sitz: Reutlingen) ins Fahrradgeschäft eingestiegen. Aus kleinen Anfängen – mit Mitarbeitern aus Entwicklung und Vertrieb sowie Experten für Akkus, Motoren, Sensoren und Elektronik aus den Bosch-Geschäftsbereichen Automotive Electronics und Electrical Drives – ist längst ein Riese im Fahrradmarkt geworden. Waren Akkus und Motoren für die Radhersteller Neuland, hatte Bosch das Know-how schließlich im Haus. Lithium-Ionen-Akkus etwa stecken auch in Akkuschraubern oder Bosch-Rasenmähern – wenngleich in anderer Spezifikation. Bei elektrischen Antriebssystemen für E-Räder ist Bosch Marktführer in Europa und liefert Motor, Akku, Ladegerät, Bord- und Fahrradcomputer. Gefertigt wird im europäischen Ausland, das Herzstück – die Antriebseinheit – läuft im ungarischen Miskolc vom Band, wo auch die Endmontage ist.

Absatzzahlen nennt Bosch nicht. Der Umsatz des Bosch-Konzerns lag 2014 bei rund 48,9 Milliarden Euro. „Dazu trägt Bosch eBike Systems einen kleinen, aber stetig und vor allem schnell wachsenden Anteil bei“, sagt Fleischer. Der E-Bike-Markt sei in den letzten Jahren um die 15 Prozent gewachsen, Bosch eBike Systems konnte sogar 20 bis 25 Prozent zulegen. Bosch selbst nennt auch keine Marktanteile, doch in etwa jedem vierten E-Bike und Pedelec, das in Europa verkauft wird, steckt ein elektrisches Antriebssystem von Bosch. In Deutschland lag der Marktanteil 2014 bei etwa 40 Prozent – was bedeutet, dass mehr als 190 000 E-Räder hierzulande im letzten Jahr mit einem Bosch-Motor ausgestattet wurden.

Ein Ende des Wachstums ist für die Branche derzeit nicht in Sicht. Das Mobilitätsverhalten der Deutschen ändert sich, gleichzeitig wird das Fahrrad immer mehr zum Lifestyle-Produkt. Eine Rolle spiele auch die sich stetig weiterentwickelnde Batterie- und Antriebstechnologie, heißt es beim Zweirad-Industrie-Verband (ZIV). Zudem setzten auch immer mehr Jüngere beim Radeln auf elektrische Unterstützung. Waren es vor vier, fünf Jahren vor allem noch Senioren, verjüngt sich das Durchschnittsalter der E-Biker zunehmend. Auch immer mehr Radmodelle werden mittlerweile elektrisch unterstützt – vom Jugendrad über Mountainbikes bis zu Rennrädern und Tourenbikes.

Es zeichne sich ein neuer Trend ab, sagt ein Verbandssprecher. E-Bikes werden nicht nur in der Freizeit, sondern auch auf dem Weg zur Arbeit genutzt. Diensträder und Dienstwagen sind gesetzlich gleichgestellt, so dass auch immer mehr Firmen Fahrräder und E-Bikes bereitstellen. E-Bikes werden auch von immer mehr Logistikdienstleistern in Großstädten als Lastenfahrzeug eingesetzt.

Bosch beliefert mittlerweile mehr als 50 Fahrradmarken – von A wie Atala bis Z wie Zemo – und will mit der Radsparte weiter wachsen. „In Europa sind wir schon heute sehr erfolgreich – hier verstärken wir zurzeit unsere Aktivitäten in Skandinavien und Südeuropa. Gleichzeitig haben wir immer neue Märkte im Visier, so bauen wir zurzeit den Service für den Radhandel in den USA, Kanada und Australien auf und aus“, sagt Bosch-Manager Fleischer. 2014 hat Bosch eine Niederlassung in Irvine in Kalifornien eröffnet, um den nordamerikanischen Markt zu erschließen. Seit Juli 2014 ist Bosch eBike Systems mit einer eigenen Repräsentanz im chinesischen Suzhou vertreten, um in Asien große Fahrradhersteller zu beliefern.

Auch andere Autozulieferer sehen Chancen im Fahrradmarkt. Conti mischt mittlerweile mit und zählt genauso wie Shimano, Yamaha oder Brose – der Autozulieferer startete im Juli 2014 in Berlin die Serienproduktion eines Antriebs für Fahrräder – zu den Bosch-Wettbewerbern. Bosch hat den Fahrradmarkt geprägt und setzt auch beim Radeln auf Vernetzung – ein Trend der nächsten Jahre. Beispiel: der neue Bordcomputer Nyon. Der vereint E-Bike-Steuerung, Navigation und Fitnesstrainer in einem und übernimmt sogar Smartphone-Funktionen.

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