Nur wenn genügend Ladepunkte vorhanden seien, sei die massenhafte Produktion von E-Fahrzeugen sinnvoll Foto: imago images/Sylvio Dittrich

Die EU-Kommission lehnt es ab, die Mitgliedstaaten zur Schaffung von Ladepunkten für E-Autos zu verpflichten. Was das für die E-Autostrategie der Hersteller bedeuten kann.

Brüssel - Bis zu neun Millionen Ladepunkte für E-Autos müssen bis zum Jahr 2030 EU-weit geschaffen werden, wenn die EU-Kommission an ihren Plänen festhält und die Klimaziele für Neuwagen wie angekündigt verschärft. Nach Informationen unserer Zeitung lehnt es die Kommission aber ab, mit den schärferen Klimazielen für Autobauer auch die Mitgliedstaaten dazu zu verpflichten, eine entsprechend hohe Anzahl von Ladepunkten zu schaffen. Die Kommission hat der Branche jetzt mitgeteilt, dass eine Koppelung der beiden EU-Gesetzgebungsverfahren rechtlich und politisch nicht möglich sei. Damit weist die Kommission eine alte Forderung der Autoindustrie zurück. Nur wenn genügend Ladepunkte vorhanden seien, so die Argumentation des VDA, sei die massenhafte Produktion von E-Fahrzeugen sinnvoll.

 

Derzeit fehlen Millionen Ladepunkte

Die Kommission will am 14. Juli verkünden, dass die Autobauer im Schnitt den CO2-Ausstoß von Neufahrzeugen bis 2030 nicht um 37,5, wie bisher beschlossen, sondern um 50 Prozent je gefahrenen Kilometer senken müssen. In diesem Szenario würden nach Schätzungen der Kommission im Jahr 2030 60 Millionen E-Autos auf den Straßen der EU unterwegs sein. Derzeit gibt es EU-weit erst 200 000 Ladepunkte. Bis 2030 werden nach Schätzungen zwischen 4,4 und neun Millionen zusätzlicher Punkte benötigt, um den Lade-Bedarf zu decken.

Kritik von der Autoindustrie

Der CSU-Verkehrsexperte im Europa-Parlament, Markus Ferber, sagte gegenüber unserer Zeitung: „Der Green Deal hat gezeigt, dass die Europäische Kommission sich nicht vor massiven Eingriffen in die Entwicklung des europäischen Wirtschaftsraums scheut.“ Dass nun ausgerechnet der verpflichtende Aufbau alternativer Ladeinfrastruktur, ohne die die Reduktion der Emissionen im Straßenverkehr zum Scheitern verurteilt ist, nicht zu machen sein soll, sei nicht schlüssig. „Ein Green Deal, der nicht als Gesamtkonzept umgesetzt wird, sondern als Stückwerk der Verbote und Verpflichtungen, ist äußerst gefährlich für Europa.“

Kritik kommt auch von VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Sie forderte gegenüber unserer Zeitung: „Die EU-Kommission sollte die Zeit bis zu ihren Vorschlägen am 14. Juli dafür nutzen, einen klaren Fahrplan mit konkreten Zielen und Plänen zur Umsetzung für die europaweite Ladesäuleninfrastruktur vorzulegen.“ Der beschleunigte Ausbau der Ladesäulen-Infrastruktur in ganz Europa sei Voraussetzung dafür, dass die Unternehmen neue Ziele erreichen können. „Die traurige Realität ist, dass die EU von dem selbst gesetzten Ziel von einer Million Ladepunkte bis 2025 noch weit entfernt ist – dazu fehlt es an einer konkreten Strategie.“

Die meisten Ladepunkte in den Niederlanden

Laut einer Studie des europäischen Branchenverbandes ACEA waren im Oktober 75 Prozent aller Ladepunkte in vier europäischen Ländern konzentriert: 25,4 Prozent waren in den Niederlanden, 20,3 Prozent in Deutschland, 15,2 Prozent in Frankreich und 14,3 Prozent im Vereinigten Königreich. Schlusslicht waren Griechenland und Zypern mit 61 und 38 Ladepunkten.