Sie haben den Duschbrocken erfunden: Johannes Lutz (links) und Christoph Lung in den Räumlichkeiten des Seifenherstellers Haag in Stuttgart-Feuerbach Foto: Julia Bosch

Zwei ehemalige Studenten aus Stuttgart-Hohenheim, Christoph Lung und Johannes Lutz, haben den Duschbrocken erfunden. Das ist ein festes Shampoo und Duschgel in einem. Das Leben der beiden hat sich seitdem gehörig verändert. Das merken auch deren Freundinnen beziehungsweise Frauen.

Stuttgart - Christoph ist mehr online unterwegs, Johannes mehr offline. So könnte man die Aufgabenteilung der beiden ehemaligen Hohenheimer Studenten beschreiben. Christoph Lung kümmert sich nämlich vor allem um den Onlineshop, Website und Marketing, Johannes Lutz mehr um Zahlen und Prozesse. Die beiden haben vor zwei Jahren ein Start-up gegründet und den Duschbrocken erfunden. Dahinter steckt ein festes Shampoo und Duschgel in einem, das nicht mit einer Seife verwechselt werden darf – das betonen die beiden. „Wir brauchen im Gegensatz zu einer Seife keine Lauge“, erläutert Johannes Lutz. Deshalb gingen auch keine Fette verloren, die gut für Haut und Haare seien. Außerdem werde beim Duschbrocken auf Sulfate und Konservierungsstoffe verzichtet.

Anfang 2018, nach einer Weltreise, haben Johannes Lutz (27) und Christoph Lung (30) damit angefangen, in der Waschküche von Johannes Lutz’ Eltern in Stuttgart-Plieningen an einem Produkt für die Dusche zu tüfteln, das plastikfrei und biologisch abbaubar ist, ohne Tierversuche auskommt sowie gut riecht. Anfangs lief längst nicht alles glatt: Einmal hatte Lutz seinem Cousin einen Duschbrocken mitgegeben, damals noch in knalligem Rot; eine Farbe, auf die die Erfinder total stolz waren. Kurz darauf schickte der Cousin Bilder von seinem Bad – und wirklich alles darin war rot: die Dusche, der Duschvorhang, das Handtuch.

Rund 65 000 Duschbrocken verkauft

Heute können Johannes Lutz und Christoph Lung darüber lachen. Die Rezeptur für den Duschbrocken ist perfektioniert; mittlerweile haben etliche Menschen Duschbrocken ausprobiert und für gut befunden – auch viele mit langen Haaren. Das war anfangs nämlich ebenfalls eine Schwierigkeit. „Weil wir selbst nicht wussten, was lange Haare brauchen, sind anfangs längere Haare nach dem Waschen mit dem Duschbrocken geflogen oder waren sehr schwer“, sagt Johannes Lutz.

Inzwischen haben die zwei ehemaligen Hohenheimer Wirtschaftsstudenten rund 65 000 Duschbrocken verkauft. Seitdem sie die Idee dazu hatten, haben sich ihre Leben ziemlich verändert. Besonders in den ersten Monaten hatten sie kaum für etwas anderes Zeit. Das ist derzeit wieder so, weil sie ab dem 1.­ Dezember einen neuen, speziellen Duschbrocken für Weihnachten anbieten. „Zur Zeit beantworte ich selbst abends im Bett noch Nachrichten“, sagt Christoph Lung.

Die Freundinnen unterstützen bei Bedarf

Die Erfindung hat auch Auswirkungen auf deren Beziehungen. Johannes Lutz hat dieses Jahr geheiratet, mehr als eine Woche Flitterurlaub hat er sich aber nicht erlaubt. „Unsere Freundinnen werden dieses Jahr wohl auch diejenigen sein, die die Plätzchen backen müssen“, sagt er. „Und die beiden springen auch ein, wenn wir mal spontan Hilfe brauchen.“

Inzwischen haben die Erfinder aber auch professionelle Unterstützung. Zum einen gibt es eine Praktikanten- sowie eine Werkstudentenstelle. Außerdem haben sie drei 450-Euro-Kräfte eingestellt, die ihnen beim Verpacken und Versand der Duschbrocken helfen. Und sie haben einen Familienbetrieb in Innsbruck gefunden, der künftig einen Teil der Produktion übernimmt.

Jeden Morgen treffen sie sich im Café

Vieles machen die jungen Männer aber noch selbst – und halten dabei an Ritualen fest: Jeden Morgen um 7 Uhr treffen sie sich auf ein Croissant und einen Cappuccino in einem Café, dann fahren sie entweder nach Stuttgart-Hallschlag oder nach Stuttgart-Feuerbach. Im Hallschlag ist die sogenannte Schaumstation, wo die Materialien gelagert werden, von wo aus der Versand läuft und wo man seit Kurzem auch die Duschbrocken persönlich abholen kann. Bis zuletzt lief alles online. In Feuerbach konnten sich die beiden in den Räume des Stuttgarter Seifenherstellers Haag einmieten; dort läuft die Produktion.

Derzeit schaffen sie es, rund 1500 Duschbrocken am Tag zu produzieren. Noch vor einem Jahr waren es nur etwa 150 am Tag, wodurch es teilweise Lieferzeiten von bis zu vier Monaten gab. „Das war kein gutes Gefühl“, sagt Christoph Lung. „Wenn künftig ein Teil der Produktion ins Innsbruck erledigt wird, schaffen wir sogar noch mehr jeden Tag.“ Das ist auch nötig: Denn durch die wachsende Nachfrage wachsen auch die Aufgaben der beiden – etwa Lohnbuchhaltung. Inzwischen stecken hinter dem Duschbrocken zwar immer noch vor allem zwei Stuttgarter Jungs – aber eben irgendwie auch eine richtige Firma.

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