„Englische Landschaft“: ein Mann und eine Frau betrachten übergroße Kornkreise. Das Werk von Außerirdischen? Foto: Frank Eppler

Der Düsseldorfer Maler Sven Kroner spielt gerne mit den Grenzen der Wahrnehmung. Einige seiner mitunter apokalyptisch anmutenden Bilder werden vom 22. September an in der Galerie der Stadt Backnang gezeigt.

Backnang - Ein großes Transportschiff schippert auf überfluteten Feldern. Was ist wohl passiert? Und was passiert womöglich als nächstes? Diese Fragen stellt sich der Betrachter des großformatigen Acrylgemäldes „Ohne Titel“ von Sven Kroner, das im Obergeschoss der Galerie der Stadt Backnang ausgestellt ist. Viele Bilder des in Düsseldorf lebenden Malers, Jahrgang 1973, haben etwas Filmisches, sie könnten ein Standbild eines Kinofilms sein. Die Vorführung scheint nur für kurze Zeit gestoppt zu sein – um zu schauen und zu staunen. Auf einem anderen Gemälde scheinen kleine Bäumchen aus dem Boden zu wachsen. Ein paar Schritte weiter: das nächste Werk, das zu Spekulationen einlädt. Ist der schmelzende Schneemann wohl der Wand entstiegen? Wer weiß?

Sven Kroner erzählt während des kleinen Vorab-Rundgangs durch die Ausstellung, die an diesem Freitag, 22. September, um 20 Uhr eröffnet wird, wie und wo er arbeitet, wie er seine Motive auswählt. Auch am Freitag wird der Künstler anwesend sein und die Gäste der Vernissage mit seiner Illusionswelt ein klein wenig vertraut machen. Am Vortag berichtet er, dass er seit dem Abschluss seines Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf im Jahr 2000 ganz ordentlich nicht nur für die Kunst, sondern auch von der Kunst leben könne.

Sven Kroner spielt gerne mit den Grenzen der Wahrnehmung

Er sagt, dass seine Werke bis zu 25 000 Euro kosteten. Kroner arbeitet zusammen mit fünf anderen Malern in einer alten Fabrikhalle, die nicht geheizt werden könne. Das Malen im Winter sei deshalb nicht immer die reinste Freude.

Der Künstler, der im Allgäu geboren und aufgewachsen ist, spielt gerne mit den Grenzen der Wahrnehmung. Einige seiner Werke muten mitunter apokalyptisch an, etwa das Bild mit dem Titel „Am Rhein 2“, das den Fluss bei Dunkelheit zeigt, mit einem hellen Blitz am Himmel und Menschen, die am Ufer zelten. Oder das Bild „Englische Landschaft“: ein Mann und eine Frau betrachten übergroße Kornkreise auf einem weiten Feld. Das Werk von Außerirdischen? Kroner gibt keine eindeutige Antworten auf solche Fragen. Jeder Betrachter muss seine eigenen suchen und finden.

Dass Sven Kroner in der bayerischen Idylle groß geworden ist, leugnet er nicht. Mit Blick auf jene Bilder, die kleine Ortschaften im Allgäu zeigen, spricht er von einer Hass-Liebe: „Man will hin, aber nichts ist los dort“. Kroner gelingt es, mit seinen Gemälden auch die einfachsten Szenen spannend zu beschreiben. Ein Beispiel ist das Bild „Vor dem Haus (Ficker)“ – es zeigt den Blick aus dem Fenster eines Hauses, vermutlich in der Stadt Neuss bei Düsseldorf, in der der Künstler und seine Familie leben.

Jemand hat „Ficker“ in den Schnee geschrieben

Eine verschneite Straße, zwei geparkte Autos, mehrere Spuren im tiefen Schnee, auf eins der beiden Fahrzeuge hat jemand „Ficker“ in die weiße Pracht geschrieben. Die Spuren führen von einer Haustüre zu dem Wagen und dann zu einer Stelle, die nicht schneebedeckt ist. Kam der Übeltäter aus dem Haus? Und ist er wenig später mit einem Auto davon gefahren? Wer weiß?

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: