In einem Tag an den Bodensee fahren? Das macht Ex-Bezirksvorsteher Herbert Burkhardt gerne. Seine Frau Gerhild radelt mit Foto: Annegret Jacobs

Radfahren, schwimmen, Enkel hüten – Vaihingens einstiger Schultes Herbert Burkhardt genießt das Leben.

Vaihingen - Kommad Se rei, nehmad Se Platz.“ Es ist 9.30 Uhr am Morgen. Aufgeräumt bittet Herbert Burkhardt den Besuch auf die Terrasse seines Hauses in Dürrlewang. „Kaffee? Richtig – oder schwäbisch, also mit Milch und Zucker?“ Der Besuch wählt schwäbisch, Burkhardt trinkt den Kaffee – so wie immer – richtig. Für den ehemaligen Bezirksvorsteher von Vaihingen ist es der zweite Kaffee. Um kurz vor acht Uhr ist er bereits im Vaihinger Schwimmbad Rosental gewesen und hat dort das erfüllt, was Burkhardt „meine tägliche Pflicht“ nennt: Er ist 20 Bahnen in 20 Minuten geschwommen, einen Kilometer. „Wenn das klappt, bin ich zufrieden.“

Sportlich war der Mittsiebziger schon immer. Zum 60. Geburtstag hat er sich einen lang gehegten Traum erfüllt und sich ein Rennrad gekauft. „So oft es ging, war ich auch im Schwimmbad und bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren“, sagt er. Aber als Bezirksvorsteher, Burkhardt stand von 1984 bis 2004 an der Spitze der Vaihinger Verwaltung, hatte er oft genug dann doch keine Zeit. Das Ergebnis: „Irgendwann habe ich meine Frau gefragt, ob sie meine Hosen zu heiß wäscht oder ob ich tatsächlich zugenommen habe“, kokettiert Burkhardt mit seiner heute sportgestählten Figur. 75 Kilo waren für den Bezirksvorsteher damals ein Grund, sich beim Essen zurückzuhalten – ein Gewicht von dem viele andere Männer jenseits der 50 nur träumen.

Seit seiner Pensionierung hat Herbert Burkhardt keine Gelegenheit mehr, Gewichtsprobleme zu bekommen. Er und seine Frau Gerhild sind Mitglied im Radsportverein Vaihingen geworden. 80 Kilometer in vier Stunden? Warum nicht? In einem Tag mit dem Rennrad an den Bodensee und am nächsten zurück? Machen die Burkhardts gerne.

Familie hält ihn auf Trab

Am diesem Morgen lässt Herbert Burkhardt seine Frau radeln. Dafür geht er dann am Abend auf den Sportplatz. Mitarbeiter des Stadtplanungsamtes haben einen Leichtathletik-Wettbewerb organisiert. Er hat da noch Kontakte und macht gerne mit. Kugelstoßen, Springen, Laufen. Nicht seine Paradedisziplinen. Aber wenn er nur radle und schwimme, dann laufe er Gefahr, ob seiner guten Zeiten nachher noch eitel zu werden, sagt Burkhardt.

Dann gibt es da noch ein Gütle in der Nähe von Tübingen, dass Burkhardts Frau Gerhild geerbt hat und dass beackert werden will. Nicht zu vergessen die „private Wilhelma meiner Frau“, wie Herbert Burkhardt den bunten Blumengarten seiner Gattin rund ums Haus bezeichnet. „Dafür darf ich auch ab und zu Erde schleppen oder das Beet umgraben.“ Und: Auch die zwei Kinder mit den vier Enkelkindern halten das Ehepaar im Ruhestand auf Trab.

Burkhardt galt als Schaffer

„Wissen Sie: Wenn mich jemand fragt, ob’s mir gut geht, sag’ ich: Noi. Mir geht’s sehr guad.“ Und Burkhardt wird immer noch gefragt. Denn seine 20 Jahre als Schultes haben Spuren im Bezirk hinterlassen. Meistens gute: Burkhardt, der bereits von 1972 an für zwölf Jahre stellvertretender Bezirksvorsteher in Vaihingen war, galt als effizient und arbeitsam, galt als Schaffer. In seine Amtszeit fällt die Einweihung der Ostumfahrung Vaihingen. Als er Mitte der 80er-Jahre erfuhr, dass im Bonner Verkehrsministerium die Chancen gut waren, Geld für die Umgehungsstraße zu bekommen, machte er Druck. Der Protest der Vaihinger sollte schließlich auch in der damaligen Bundeshauptstadt ankommen. „Mit Plakaten und allem, was dazu gehört.“ Eine zweite Sache, die ihm am Herzen lag, war die Rutsche für das Vaihinger Schwimmbad. Eine Million Mark hat sie gekostet, eine große Summe, aber Burkhardt organisierte eine Mehrheit dafür.

Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Manchem im Bezirksbeirat war Burkhardts Art ein wenig zu herrisch, seine Sympathie für die CDU-Fraktion zu offensichtlich. „Ich bin in keiner Partei“, sagt Burkhardt heute dazu. „Aber von meiner Einstellung bin ich klar bürgerlich.“ Heute sagt der ehemalige Vaihinger Bezirksvorsteher auch: „Ich hatte damals oft zwei Meinungen, eine dienstliche und eine private.“ Die waren oft nicht deckungsgleich. Mit seiner privaten habe er in Diskussionen nicht hinterm Berg gehalten. „Aber als Beamter im Dienste der Stadt war immer klar, welche Meinung Vorrang hatte“, sagt Burkhardt.