Ein Junge trinkt aus einer kommunalen Quelle in Kapstadt. Seit Monaten sind die Bewohner der südafrikanischen Metropole zum strengen Wassersparen angehalten. Foto:  

Wegen der langen Dürre in Südafrika drohte Kapstadt schon im April das Wasser auszugehen. Jetzt meldet die Stadtverwaltung: Alles nicht so schlimm. Dahinter stecken fleißiges Wassersparen – und Imageberater.

Johannesburg - Für ungeübte Ohren klingt der „Tag Null“ wie ein in Stein gemeißelter Horrortermin – der Tag, an dem im südafrikanischen Touristenparadies Kapstadt als erster Metropole der Welt die Wasserleitungen austrocknen werden. Die Einwohner der Hafenstadt erleben derzeit allerdings, dass dieser Termin fließender ist als alles, was derzeit noch aus den Hähnen kommt: Erst rückte der Tag Null immer näher heran und drohte schließlich bereits Anfang April. Nun bewegt er sich plötzlich in die andere Richtung und soll frühestens Anfang Juli eintreten. Und das alles, ohne dass in Kapstadt auch nur ein Tropfen Regen fiel.

Der Grund für den mobilen Termin scheint genauso beweglich wie die Frist zu sein. Aus dem Bürgermeisteramt heißt es, die Landwirtschaft habe plötzlich ihren Wasserkonsum enorm gedrosselt. Die Wein-, Obst- und Gemüsefarmer der Region sind für den Verbrauch von bis zur Hälfte des kostbaren Nasses zuständig – abhängig von der Saison. Fachleuten ist allerdings längst bekannt, dass die Bauern am Ende des Sommers ihre Bewässerungsanlagen immer abschalten. Das hätte bei der Berechnung der Stunde Null von vornherein berücksichtigt werden müssen.

Andere verweisen darauf, dass die Kapstädter plötzlich Weltmeister im Wassersparen geworden seien. Statt wie noch vor einem Jahr mehr als 900 Millionen Liter pro Tag würden die rund vier Millionen Einwohner inzwischen nur noch gut 500 Millionen verbrauchen. Seit dem 1. Februar ist der Wasserverbrauch pro Person auf täglich 50 Liter beschränkt: Ein Drittel dessen, was ein Franzose verbraucht, wir Deutschen sind mit 120 Litern am Tag auch in dieser Hinsicht etwas sparsamer.

Die Hiobsbotschaft hatte unliebsame Nebenwirkungen

Offensichtlich sollte den Einwohnern der Hafenstadt mit dem Tag Null zunächst ein Schrecken eingejagt werden: Diese Rechnung ging auf. Die derzeitige Sparsamkeit der Kapstädter wird weltweit nur noch von den fünf Millionen Einwohnern der brasilianischen Metropole Belo Horizonte unterboten. Sie sollen nur 34 Liter Wasser am Tag verbrauchen. Wie sie das machen, hat sich bis nach Südafrika noch nicht herumgesprochen.

Die Hiobsbotschaften der Kapstädter Stadtmütter und -väter hatten jedoch unliebsame Nebenwirkungen. Die Kunde vor dem drohenden Austrocknen der Metropole wurde in alle Welt getragen: Touristen denken über einen Urlaub unterm Tafelberg zweimal nach, potenzielle Investoren bekommen kalte Füße. Deshalb sind in Südafrika seit Tagen politische Image-Berater unterwegs, die aus vollen Backen Entwarnung blasen. Jetzt heißt es plötzlich, die Krise sei nur halb so schlimm, wie Unheilpropheten glauben machen würden. Kapstadt sei die erste Metropole der Welt, die aus dem Wassernotstand allgemein gültige Lehren ziehe. Die Bevölkerung sei „zusammengerückt“ und habe sich als „außerordentlich belastbar“ erwiesen, frohlockt Xanthea Limberg, Sprecherin der Stadtbehörde.

Regnet es im Mai? Die Meteorologen wagen noch keine Prognose

Der Ruf einer inkompetenten Administration, die die Gefahr viel zu lange unterschätzt hat, soll durch das Renommee einer krisengestählten Musterverwaltung ersetzt werden. In Kapstadt werde die Zukunft einer zunehmend wasserknappen Welt einstudiert, heißt es jetzt optimistisch. Dabei setzen die Verantwortlichen auf die im Mai beginnende Wintersaison, die dieses Mal hoffentlich mehr Regen als in den vergangenen drei Dürrejahren bringen wird.

Die Meteorologen wagen bislang noch keine Prognose, im Rest Südafrikas wird unterdessen Geld für die austrocknende Mother City gesammelt. Ganz untätig ist auch die Stadtverwaltung nicht geblieben. Sie will unterirdische Wasserspeicher anbohren, teure Entsalzungsanlagen errichten und allmählich ein duales System von Trink- und Brauchwasser etablieren. Das alles braucht Zeit: Dem Kap bleibt nur die gute Hoffnung, dass ihm der Himmel diese auch geben wird.

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