Jeder Schuss ein Treffer: der Bürgermeister Herbert Juhn kommt trotz Schalke-Trikots nicht schnell genug ins Eck. Foto: Horst Rudel

Von der Angst des Torwarts vor dem Elfmeter war am Samstag wenig zu spüren. Beim Elfmeterturnier des Fußball- und Turn- und Sportvereins Bad Ditzenbach stand für rund 100 Teilnehmer der Spaß im Vordergrund.

Bad Ditzenbach - Das ist rekordverdächtig und stellt sogar das denkwürdige Fußball-EM-Viertelfinale zwischen Italien und Deutschland in den Schatten, bei dem erst der 18. Elfmeter über Sieg oder Niederlage entschied. Nach sage und schreibe 800 Elfmetern stand am Samstag im Gosbacher Sportgelände fest, wer den FTSV-Turniersieg davontrug: Eine Nachwuchs-Mannschaft mit Namen „Die Mannschaft“, die im Finale die „Alten Herren“ ausstach.

80 Begegnungen an einem Nachmittag

Der Modus des Jedermannturniers, in dem Jung und Alt, Frauen und Männer gegeneinander antreten können, macht es möglich. Auf die kräftezehrenden 120 Minuten Spielzeit inklusive Verlängerung wird an der Fils großzügig verzichtet. Die Dramatik wird stattdessen gleich im Elfmeterschießen auf den Punkt gebracht. Jedes Team schießt fünf Elfer. Unentschieden sind möglich. 20 Mannschaften trafen am Samstag in vier Gruppen aufeinander und spielten später je nach Gruppenplatz erneut Jeder gegen Jeden die Plätze eins bis 20 aus, insgesamt 80 Begegnungen.

Runde für Runde aufgetankt und abgebaut

Gearbeitet wurde dabei mit allen Tricks. Das fing schon bei den Trikots an. Die einen schindeten in VfB-Trikots Eindruck, andere irritierten die Gegner durch poppige Sonnenbrillen oder im Schlabberblusen-Look der 1990er Jahre. Der Torhüter des „FC Handgranat“ kannte einschlägige Studien und hatte sich ein rotes Trikot besorgt. Statistisch gesehen haben Elfmeterkiller darin angeblich die größten Chancen, den Ball zu halten. Das gelang Robert Maisch auch bei den ersten zwei Begegnungen famos. Jeweils drei hielt er. Doch die Teamregel, die besagte, dass jeder, der einen Elfer verschießt, den anderen eine Runde ausgeben muss, erwies sich im Verbund mit schlampig getretenen Elfern im späteren Turnierverlauf als Beinschuss. Handgranat baute Runde für Runde an Treffsicherheit ab und endete auf Platz 10 im Mittelfeld.

Schultes taucht nicht schnell genug ab

Dort auf Platz 14 fanden sich auch die „Gmoindsbomber“ rund um den Ditzenbacher Schultes Herbert Juhn wieder. Er zeigte sich in der ersten Begegnung zwar als treffsicherer Schütze, gab seinem Team allerdings als Torwart keinerlei Rückhalt. Ob rechts oder links oder unten flach getretene Bälle, alle passierten ungestreift die Torlinie. „Ich muss einfach schneller runter“, bilanzierte Juhn danach selbstkritisch.

Derweil tankten die 100 Beteiligten am Versorgungsstand Kraft und Bier nach. „Die Treffsicherheit sinkt erfahrungsgemäß im Verlauf des Tages, dafür aber auch die Reaktionsschnelligkeit der Torhüter. Das gleicht sich aus“, meinte Michael Rießler, der Turnierleiter. Unterdessen erwiesen sich auf dem Platz einschlägige wissenschaftlichen Studien als richtig: Unten links geht der Ball meistens rein. Oben wird er selten gehalten, geht aber auch oft übers Tor. Und Standbein des Schützen hin, Augenkontakt her, am Ende siegte jugendliche Unbekümmertheit gegen Erfahrung.

Am Ende siegt die Nüchternheit vom Punkt

Sieger des dritten Elfmeterturniers wurde „Die Mannschaft“ , ein Team von 15- und 16-Jährigen aus den heimischen Nachwuchsteams. „Die haben das überraschend routiniert runtergespielt“, meinte Rießler anerkennend. Ein Schelm, wer denkt, die Jugendlichen siegten nur, weil sie am Ende nüchternen Kopf bewahrten.

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