Dübelhersteller mit neuem Chef Zeitenwende bei Fischer

Von Ulrich Schreyer und Anne Guhlich 

Am Hauptsitz der Firmengruppe Fischer  in Waldachtal sind etwa 2000 Männer und Frauen beschäftigt – weltweit sind es 4600. Foto: Fischer
Am Hauptsitz der Firmengruppe Fischer in Waldachtal sind etwa 2000 Männer und Frauen beschäftigt – weltweit sind es 4600. Foto: Fischer

Mit Dirk Schallock steht von Juli an erstmals ein familienfremder Chef an der Spitze des Befestigungsspezialisten aus Waldachtal.

Stuttgart - Die Unternehmensgruppe Fischer mit Sitz in Waldachtal (Kreis Freudenstadt) steht vor einem Chefwechsel. Nach Informationen unserer Zeitung will sich der langjährige Firmenlenker Klaus Fischer zum 1. Juli in den Beirat der Unternehmensholding zurückziehen. Klaus Fischer (66) werde sich künftig vermehrt um Zukunftsthemen des Waldachtaler Unternehmens kümmern, bestätigte ein Firmensprecher am Freitag.

Fischer ist seit 1975 in dem von seinem Vater Artur Fischer gegründeten Unternehmen tätig. 1980 hatte er dort die Geschäftsführung übernommen. Sein Nachfolger an der Spitze der Fischerwerke ist Dirk Schallock. Dieser war bis Ende Februar Chef des Ventilatoren- und Antriebsherstellers EBM-Papst St. Georgen, einer Konzerntochter der EBM-Papst-Gruppe. Die Tochtergesellschaft setzt mit 1500 Mitarbeitern 350 Millionen Euro um. Der Umsatz im gesamten Konzern betrug zuletzt rund 1,7 Milliarden Euro, beschäftigt werden dort insgesamt 12 500 Mitarbeiter.

Ursprünglich hatte Fischer den Wechsel schon früher vollziehen wollen. Ende 2009 war Klaus Fischers Sohn Jörg Klaus Fischer an die Spitze des Unternehmens getreten. Dieser musste aber nach nur 15 Monaten an der Spitze den Chefsessel wieder räumen und verließ das Unternehmen.

Familieninterne Lösung scheiterte an unterschiedlichen Zukunftskonzepten

Seit April 2012 ist Klaus Fischer wieder Vorsitzender der Geschäftsführung. Zu der Trennung war es wegen unterschiedlichen Auffassungen über die Zukunft des Dübelherstellers gekommen. Dem Vernehmen nach wollte der Sohn auch Fernsehwerbung betreiben. Außerdem soll er den Weiterbestand der von seinem Vater gegründeten Autozulieferungssparte mit einem Werk in Horb in Frage gestellt haben. Dort waren seinerzeit etwa Getränkehalter für Fahrzeuge hergestellt worden. „Wir haben in den vergangenen Wochen feststellen müssen, dass unsere Vorstellungen im Hinblick auf die Ausrichtung und Führung des Unternehmens gravierend unterschiedlich sind“, hatte Klaus Fischer zu den Gründen für den Rücktritt seines Sohnes erklärt. Dies bedeute aber keineswegs, dass die Zukunft von Fischer als Familienunternehmen angezweifelt werde. Auch mit der jetzt erfolgten Berufung des ersten familienfremden Managers werde sich daran nichts ändern. Problematisch war schon früher der Übergang von Klaus Fischers Vater Artur, dem Gründer des Unternehmens gewesen. Damals hieß es, Artur Fischer verzögere den Übergang der Führung an seinen Nachfolger.

Der 1950 in Freudenstadt geborene Klaus Fischer war nach einem Studium an der Fachhochschule Konstanz 1975 bei den Fischerwerken eingetreten. In seiner Zeit als Gesamtgeschäftsführer hat er die Internationalisierung des 1948 gegründeten Unternehmens kräftig vorangetrieben. Inzwischen gibt es neun ausländische Produktionsstandorte. Vertreten ist Fischer mit einer eigenen Produktion unter anderem in den USA und in China.

Das Unternehmen treibt innovative Projekte voran

Die Mehrheit am Unternehmen hatte Klaus Fischer 1990 übernommen. Der Umsatz wurde unter seiner Regie kräftig ausgeweitet. Als dieser 1980 die Geschäftsführung übernahm wurden mit 1480 Mitarbeitern umgerechnet 80 Millionen Euro umgesetzt. Im vergangenen Jahr steigerte die Unternehmensgruppe mit ihren weltweit 4600 Beschäftigten ihren Umsatz um etwas mehr als sechs Prozent auf 755 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der im Januar 2016 verstorbene Unternehmensgründer Artur Fischer galt als einer der weltweit produktivsten Erfinder und hielt mehr als 1100 Patente und Gebrauchsmuster. Er war ein typisch schwäbischer Tüftler, der unter anderem auch ein Blitzlichtgerät erfand. Der Durchbruch gelang ihm aber mit den bekannten „Fischer-Dübeln“.

Der Erfindertradition blieb die Firma auch unter Klaus Fischer treu. So wurde unter seine Ägide beispielsweise ein neuer Dübel entwickelt, der sich an die Eigenschaften einer Wand anpassen kann. Eines der neuen Projekte ist ein Experiment mit Lieferwagen, aus denen Materialien nachbestellt werden können. Aus dem Wagen wird an den Lieferanten ein Signal geschickt, dieser kann das Fahrzeug mit einem Code öffnen und beladen, ohne dass der Kunde anwesend sein muss.

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