Diese Studentinnen zehren von den Erfahrungen in Südafrika: Julia Mathews, Kristin Machhein, Amelie Fäßler und Katharina Hege. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Drei Monate lang haben Studentinnen der Dualen Hochschule für die Stiftung Kinder fördern in Südafrika gearbeitet. Davon haben sowohl die Volontärinnen als auch die Bewohner des Dorfs Paternoster profitiert.

Stuttgart - Paternoster liegt direkt am Meer. Ein Traum einer südafrikanischen kleinen Ortschaft mit weiß verputzten Fischerhäuschen. Die rund 2000 Bewohner empfinden ihr Dasein nicht als Idyll. Bisher lebten sie vor allem vom Fischfang, doch die Fangquoten sinken, der Berufszweig hat keine Zukunft mehr. Viele Menschen sind darüber verzweifelt und haben sich aufgegeben.

Viele Kinder haben Gewalt erfahren müssen

Dementsprechend viele Kinder leben in ärmlichen Verhältnissen, haben Gewalt erleben müssen, sind verwaist oder vom fetalen Alkoholsyndrom gezeichnet, schildern Volontärinnen der Stiftung Kinder fördern – Zukunft stiften in ihren Berichten. Und doch haben sich die 20- bis 28-Jährigen den Respekt der Einheimischen erworben und versichern: „Nach zwei Wochen fühlt man sich in Paternoster heimisch.“

Kristin Machhein, Katharina Hege und Julia Mathews studieren an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) das Fach Soziale Arbeit. Teil des Studiums ist ein dreimonatiges Praktikum, das sie natürlich in Stuttgart absolvieren könnten, aber Kristin Machhein sagt: „Ich kannte Südafrika schon, war fasziniert von der Kultur. Ich wollte wissen, wie man dort mit Kindern arbeitet.“

Auch in Nachmittagsbetreuung viele spielerische Elemente eingeführt

In Paternoster sprechen Kinder wie Erwachsene sowohl Afrikaans als auch Englisch und vielleicht noch ein oder zwei andere Sprachen, können aber keine davon schreiben. Und der Rohrstock komme noch zum Einsatz. Deshalb haben die Studentinnen im Unterricht, aber auch in der Nachmittagsbetreuung und in den AGs viele spielerische Elemente eingeführt und den Kindern damit den Druck genommen. „Im Kindergarten konnten wir sehr viel Neues verankern und haben große Fortschritte in der englischen Sprache gemacht“, sagt Julia Mathews. Das sei gut angekommen: „Die Kinder sind sehr offen, neugierig, energiegeladen und schätzen das Wissen, das wir vermitteln, sehr“, so Katharina Hege.

Michaela Zentzheim, Jennifer Tribelhorn und Amelie Fäßler sind Studentinnen an der Pädagogischen Hochschule (PH) Weingarten. Für ihren Studienabschluss ist ein solcher Praxiseinsatz nicht erforderlich, dennoch haben sie sich in Afrika engagiert; die eine, „um mal praktisch zu arbeiten“, die Zweite, „um Erfahrung mit anderen Methoden und Materialien zu machen“, und die dritte Studentin, „um Englischkenntnisse zu vertiefen und um später an einer deutschen Schule im Ausland zu unterrichten“.

Siebtes Team seit Projektgründung im Jahr 2016

Das Team der jungen Frauen ist das siebte seit Gründung des Projekt im Jahr 2016. Anfangs unterrichteten vier PH-Studentinnen die rund 200 Kinder hauptsächlich in Englisch, „doch weil die Kinder in Anbetracht der familiären Verhältnisse nachmittags sich selbst überlassen sind und teils handfeste Streitereien austragen, haben wir AGs angeboten wie zum Beispiel einen Lego-Roboter programmieren, Lesen, Schreiben, Schwimmen“, schildert Projektleiterin Maike Reinhardt.

Die Stiftung Kinder fördern – Zukunft stiften ist 2009 von Christian Neuber vom Blue-Ocean-Verlag gegründet worden. Nach dem Verkauf des Verlags an Burda investierte er in die Stiftung und das afrikanische Projekt. Die Stiftung bezahlt den Studierenden Flüge und Unterkunft, bereitet sie vor und begleitet sie. „Wir wollen das Projekt sukzessive in die Hände der Südafrikaner übergeben, aber die wollen die Beteiligung der Deutschen weiterhin“, sagt Reinhardt. In wenigen Wochen reist ein neues Team nach Paternoster, direkt am Meer.

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