Dua Lipa Foto: AFP

Als 14-Jährige hat Dua Lipa auf YouTube Coversongs veröffentlicht. Heute werden manche ihrer Videos mehr als eine Milliarde Mal angesehen. Im Interview spricht die 23-jährige Britin über ihre Vorbildfunktion, ihre Wurzeln im Kosovo, den Brexit und den Nutzen des Ruhms.

Berlin - Wer auf tanzbare Popmusik steht, ist in diesem Jahr nicht an Dua Lipa vorbeigekommen. Sie ist erst 23, aber schon die meistgestreamte Künstlerin weltweit. Ihre Hits wie „New Rules“, „Scared to be lonely“ und „One Kiss“ sind mit Gold oder sogar Platin ausgezeichnet worden.

 

Frau Lipa, haben Sie manchmal Angst, dass alles nur ein Traum ist und Sie irgendwann aufwachen?

Ich fühle mich, als sei jeder Tag ein Traum. Es würde schon kolossal nerven, wenn ich einmal aufwachen und feststellen würde, dass alles ein Traum war. Manches ist wirklich zu gut, um wahr zu sein. Aber alle Beteiligten haben hart dafür gearbeitet.

Viele jüngere Menschen sehen in Ihnen ein Vorbild, weil Sie so viel erreicht haben. Wie gehen Sie damit um?

Vorbild zu sein ist immer etwas heikel. Natürlich möchte ich das bestmögliche Beispiel geben. Aber ich bin auch nur ein Mensch. Ich denke, ich wachse gemeinsam mit meinen Fans. Ich bin nicht perfekt, aber ich werde versuchen, so gut wie möglich zu sein, um Menschen auf die richtige Weise zu beeinflussen.

Wenn wir über die Welt von heute reden, müssen wir auch darüber sprechen, dass Menschen von Konflikten, Kriegen und aus wirtschaftlicher Not vertrieben werden. Sie haben auch so einen familiären Hintergrund...

Es ist wirklich sehr traurig. Niemand verlässt sein Land aus freiem Willen, jedenfalls in den meisten Fällen nicht. Ich weiß um die Chancen, die ich nur bekam, weil meine Familie nach Großbritannien ziehen konnte. Was ich heute tue, tue ich, weil ich mit 15 aus dem Kosovo weggezogen bin und in London an meiner Musik arbeiten konnte. Es regt mich auf, wenn Kindern wesentliche Menschenrechte verwehrt werden und sie deswegen keine leuchtende Zukunft haben. Kinder sind unsere Zukunft und bringen uns dazu, uns weiterzuentwickeln. Ich werde weiterhin solche Dinge ansprechen, die mir wichtig sind.

Sie haben als Kind bereits in Großbritannien gelebt, bevor sie wieder in den Kosovo zurückgingen. Wie beeinflussen diese Erlebnisse Ihre Arbeit?

Nun, mir hat einmal jemand gesagt, ich besäße anscheinend die Arbeitsmoral eines Einwanderers. Es ist etwas verrückt, jemandem das an den Kopf zu werfen, aber ich kann es verstehen. Ich habe gesehen, wie meine Eltern sich den verschiedenen Gegebenheiten immer wieder anpassen mussten - und sie haben es geschafft. Sie haben immer das Beste aus allem gemacht, um meinen Geschwistern und mir die bestmögliche Zukunft zu eröffnen. Sie hatten mehrere Jobs, haben Tag und Nacht gearbeitet. Ich habe gesehen, dass einem nichts einfach in den Schoß fällt und alles harte Arbeit ist. Das habe ich wohl verinnerlicht.

Und nun will Großbritannien die EU verlassen. Wie denken Sie darüber - es betrifft ja auch gerade die jungen Leute?

Ich weiß, wie wichtig es ist, in der Europäischen Union zu sein. Persönlich halte ich es für das Wichtigste, zusammenzubleiben. Ich halte gar nichts davon, die EU zu verlassen. Nun wissen wir nicht, was bei den Verhandlungen herauskommt, müssen als Bürger aber damit klarkommen. Wir haben abgestimmt, aber das Wahlsystem ist unfair. Kinder und Jugendliche durften nicht abstimmen - aber die müssen die Veränderungen durchmachen. Das kommt mir nicht richtig vor. Aber wir müssen daran arbeiten, dass Jugendliche und junge Erwachsene trotzdem eine gute Zukunft haben, auch wenn der Brexit kommt.

Zur Person: Dua Lipa ist 1995 als Tochter kosovarisch-albanischer Eltern in London geboren. Nach einigen Jahren im Kosovo kehrte sie als Teenager dorthin zurück. Nach ihrem Schulabschluss wurde ein großes Musiklabel auf sie aufmerksam. Schon ihre zweite Single wurde ein Erfolg. Mittlerweile hat sie über drei Millionen Alben und 32 Millionen Singles weltweit verkauft. Auf Spotify hat sie Rekord-Abrufe.