Bisher gibt’s nur BMW, Audi und Mercedes: Die DTM könnte aber bald mehr Hersteller zu lassen Foto: Getty

An diesem Sonntag (14 Uhr/ARD) findet in Hockenheim das Saisonfinale der Deutschen Tourenwagen-Masters-Serie (DTM) statt. Cheforganisator Hans Werner Aufrecht denkt allerdings schon ein paar Jahre voraus – und rechnet mit neuen Marken im Starterfeld.

Herr Aufrecht, wie groß ist die Vorfreude aufs Saisonfinale in Hockenheim?
Gute Frage. Wenn man beschäftigt ist, hält sich die Vorfreude in Grenzen, aber wir haben trotzdem allen Anlass, positiv zu denken. Die Tatsache, dass die Meisterschaft schon entschieden ist und wie sie entschieden wurde, sowie die Tatsache, dass wir dennoch Steigerungsraten verzeichnen, das macht uns schon glücklich.
Sie sind Marco Wittmann also nicht böse, dass er eine so dominante Saison hingelegt hat?
Nein, das darf ich ja gar nicht (lacht). Die Zahlen beweisen das Gegenteil.
Zu Beginn der Saison kamen in Hockenheim 12 000 Fans weniger als 2013, und am Norisring jammerten die Veranstalter über einen massiven Rückgang im Kartenverkauf.
Aber wir waren in der zweiten Saisonhälfte deutlich im grünen Bereich – und verzeichnen ein Plus zwischen fünf und zehn ­Prozent.
Das heißt für die gesamte Saison?
Ich gehe davon aus, dass wir null auf null rausgehen. Trotzdem: Das Thema Hockenheim beschäftigt mich. Wir sind ja verwöhnt vom Schlussrennen und stellen entsprechende Ansprüche. Sie erinnern sich ja auch noch: Einst hatten wir zwei mäßig besuchte Rennen am Nürburgring, wir haben daraus eines gemacht, das nun sehr gut besucht ist. Das wird in Hockenheim nicht funktionieren. Im Finale können nicht viel mehr Leute kommen, wir gehen für Sonntag von 60 000 bis 65 000 Menschen aus.
Dann wären es mehr Zuschauer als beim Großen Preis von Deutschland bei der Formel 1.
Das können Sie nicht vergleichen, allein wenn man an die Preise denkt. Da sind wir deutlich, deutlich drunter. Trotzdem sind wir sehr stolz darauf, dass die Menschen so von der DTM begeistert sind.
Das heißt, dass der schleichende Zuschauerrückgang der vergangenen Jahre gestoppt wurde. Eigentlich erstaunlich, schließlich wurde in dieser Saison erstmals am Freitag gar nicht mehr gefahren – der Kunde bekam im Grunde weniger für sein Geld.
Ich glaube, die Fans haben mitbekommen, dass sich unser Format geändert hat. Daran haben wir gearbeitet, damit die Leute mehr Kampf auf der Strecke sehen und weniger den Kampf der Ingenieure am Kommandostand. Mehr Sport und weniger Taktik – darin sehe ich die Hauptursache für diese Trendwende.
Nur noch ein Pflichtstopp statt bisher zwei.
Die Fahrer können nicht mehr so taktieren, sie können dem Duell auf der Strecke nicht mehr so leicht aus dem Weg gehen.
Die ITR hat die Fans im Netz aufgerufen, Vorschläge abzugeben, wie die DTM noch attraktiver gemacht werden kann. Sie werden am Samstag mit einigen der Teilnehmer in Hockenheim über die Vorschläge diskutieren.
Wir machen das seit einigen Jahren, weil wir uns damit beschäftigen, was die Fans sehen wollen. Fakt ist: Für die Zuschauer hat der Sport oberste Priorität, aber der Eventcharakter darf nicht vernachlässigt werden.
Geht denn noch mehr Event? Das kann ich mir fast nicht vorstellen, es finden Konzerte, Autogrammstunden und Marketingmaßnahmen der Sponsoren rund um die Uhr statt.
Wir müssen den Kundengeschmack besser treffen. Um ein Beispiel zu nennen: Im ­Regelfall wissen die Fans oft nicht, wer am Samstag und Sonntag überhaupt auftritt. Wir müssen die Kommunikation verbessern und Fans speziell darauf ansprechen.
In Hockenheim ist Formel-1-Spitzenreiter Lewis Hamilton zu Gast, außerdem kommen auch die ehemaligen Formel-1-Stars David Coulthard und Jean Alesi.
Das ist aber eine Aktion von Mercedes. Natürlich hoffe ich, dass die Zuschauer davon auch etwas mitbekommen. Doch noch einmal: Wir von der ITR müssen mehr tun.
Braucht die DTM mehr Stars? Mehr ehemalige Formel-1-Fahrer?
Das ist im Grunde ganz einfach. Menschen wollen Stars, und dem müssen wir gerecht werden – dazu gehören selbstverständlich ehemalige Formel-1-Fahrer. Woran will sich ein junger Pascal Wehrlein denn profilieren, wenn nicht in einem Duell mit einem großen Namen. Da macht Timo Glock eine gute ­Figur, der sich auch manchmal mit den jungen Burschen anlegt. Das ist die Mischung, die wir brauchen: Stars und junge Leute, die sie herausfordern.
Hat schon ein prominenter Neuzugang für 2015 unterschreiben?
Einige Formel-1-Piloten haben ja schon gesagt, dass sie sich in der DTM vorstellen könnten. Felipe Massa war einer davon, es gibt aber auch noch ein paar weitere. Der eine oder andere würde uns sicher guttun.
Noch mehr Marken sicher auch. Die ITR feiert es als großen Schritt, dass ab 2017 im sogenannten Klasse-1-Reglement identische Fahrzeuge in der DTM, der japanischen Super-GT-Serie und der US-Serie IMSA starten können.
Sie wissen doch auch, dass die Budgets der Hersteller ständig hinterfragt werden. Dieses neue Reglement hat weltweit Gültigkeit. Ein Hersteller entwickelt ein Rennauto und kann damit in Europa, in Asien und in Nordamerika fahren. Diese Vorgabe wurde nun erfüllt. Der Motor wird ein Zwei-Liter-Turbo sein, das ist der Trend der Zeit, auch wenn ich dem Achtzylinder nachtrauere.
Werden sich die Fans dann wie in der Formel 1 auch darüber beschweren, dass der Motor viel zu leise ist?
Ich habe ihn schon in Japan gehört, wir werden Spaß damit haben. Aber das Wichtige ab 2017 ist, dass die Hersteller mit einem Auto in all diesen verschiedenen Märkten fahren kann und die Hersteller in diesen Märkten präsent sein können. Bislang war es für einen deutschen Hersteller nicht möglich, ein DTM-Auto in Asien und Nordamerika einzusetzen.
Wer wird die DTM 2017 denn bereichern? Sie verhandeln sicher schon.
Toyota, und zwar mit der Marke Lexus, und Nissan stehen vor der Tür der DTM. Bei Honda ist noch einiges zu klären.
Und die DTM hält bis 2017 durch?
Wir werden die Voraussetzungen schaffen, dass die Hersteller zu kostengünstigen Budgets erstklassigen Motorsport betreiben können.
Sind eigentlich Bernie Ecclestone und sein Geschäftsmodell der Formel 1 eine Art Vorbild für Sie?
Das kann man sicher nicht vergleichen. Ich sage aber: Die Formel 1 hat es geschafft, dass die Refinanzierung eine deutlich bessere ist als in der DTM – und daran müssen wir ebenfalls arbeiten.
Ecclestone wird Ende des Monats 84 Jahre alt. Sie sind zwar noch ein paar Jährchen jünger – aber ans Aufhören denken Sie ebenfalls noch nicht, oder?
Solange man gestalterisch tätig sein kann, sehe ich keinen Grund dafür.
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