Starkes Saisonende: Fabian Hambüchen in Stuttgart am Reck Foto: Pressefoto Baumann

Nach seinem umjubelten Auftritt in der Porsche-Arena hält Fabian Hambüchen ein Plädoyer für die Turnstadt Stuttgart.

Stuttgart - Oleg Wernjajew schaute verdutzt auf das, was ihm bei der Siegerehrung in der Stuttgarter Porsche-Arena überreicht worden war. Mit der goldenen Medaille, klar, konnte er etwas anfangen. Mit dem DIN-A3-großen Präsent im Weihnachtsdesign aber nicht. Also tuschelte der Ukrainer kurz mit Fabian Hambüchen, der auf dem Podest neben ihm stand. „Fabi hat mir erklärt, was das ist“, sagte er später. Ob er die Schokolade in dem Adventskalender Tag für Tag oder auf einmal verspeisen würde, wusste der Sieger des Mehrkampf-Weltcups aber noch nicht. Er hatte erst mal genug damit zu tun, die Anspannung abfallen zu lassen. „Ich ­habe am letzten Gerät gelitten! Bei der WM war meine Reckübung ziemlich schief­gegangen“, verriet er. Im Oktober in Antwerpen war er mit nur 11,833 Punkten am Königsgerät auf Rang 15 zurückgefallen.

Bei Fabian Hambüchen ist das im Normalfall andersherum. Dem Studenten gelingt es regelmäßig, sich mit einer Weltklasseübung am letzten Gerät noch an seinen Konkurrenten vorbeizuschieben. Und so war es auch dieses Mal. Als Viertplatzierter war er ans Reck gegangen – und erturnte dort den Tageshöchstwert von 15,966 Punkten. Mit 90,264 Punkten belegte Hambüchen damit Rang zwei hinter Wernjajew (92,165) und vor dem Stuttgarter Bundesligaturner Daniel Purvis (89,931/Großbritannien). Andreas Toba (Hannover) wurde Sechster (86,864) vor dem Japaner Yuya Kamoto (85,764). Am Abend zeigte das deutsche Frauenteam um die Stuttgarterin Kim Bui einen guten Wettkampf und holte im Finale der Team-Challenge hinter China (114,15) und Russland (112,45) Rang drei (111,25).

Für Fabian Hambüchen endete in Stuttgart ein silberglänzendes Jahr. Silber holte er bei der Universiade in Kasan am Boden und im Mehrkampf, bei der WM am Reck, mit seinem Bundesliga-Team KTV Obere Lahn, ja sogar beim TV-Turmspringen bei Stefan Raab – und nun auch noch in Stuttgart. Natürlich hätte Hambüchen den 4500 Zuschauern am ersten Advent gerne eine Goldmedaille präsentiert, „aber Oleg war heute definitiv zu stark“, sagte er.

Vier Jahre hatten die Stuttgarter Fans auf Fabian Hambüchen verzichten müssen – und der Turnstar auf Stuttgart. Jetzt war er froh, wieder hier zu sein. Dort, wo er 2007 Weltmeister am Reck geworden war. „Stuttgart ist einfach ein tolles Pflaster für mich – und für das Turnen insgesamt. So ein fachkundiges Publikum und so viel Euphorie findet man sonst nirgends“, sagte er und plädierte: „Man sollte viel mehr Wettkämpfe hier in Stuttgart stattfinden lassen.“

Zumindest der dreitägige DTB-Pokal, den bei seiner 31. Auflage insgesamt 17 000 Zuschauer verfolgt haben, wird weiter jährlich stattfinden. Allerdings stehen der Traditionsveranstaltung gravierende Veränderungen bevor. Wenn alles gutgeht und der Weltverband FIG im März 2014 im Sinne des Weltcup-Formats entscheidet, wird die Serie, die in dieser Saison noch in Glasgow (7. Dezember), Greensboro (1. März 2014) und Tokio (5./6. April) stattfindet, enorm aufgewertet. Der Plan ist, die Veranstaltung in den Qualifikationsmodus für Olympia 2020 in Tokio aufzunehmen. Damit könnte es gelingen, noch mehr Topturner nach Baden-Württemberg zu locken.

Allerdings müsste sich das Stuttgarter Publikum dann auch an einen neuen Termin gewöhnen. „Mit dem neuen Qualifikationssystem ist auch eingefordert worden, dass man in ein vereinheitlichtes Wettkampfsystem kommen soll“, sagte Wolfgang Willam, Sportdirektor beim Deutschen Turner-Bund (DTB) und Exekutivmitglied der FIG. Nach der WM im Herbst soll künftig kein internationaler Wettkampf mehr stattfinden. Geplant ist, die Weltcup-Serie von Anfang Februar bis Ende März auszutragen. Der DTB-Pokal müsste vom Spätherbst ins Frühjahr wandern. Für den Stuttgarter Projektleiter Jörg Hoppenkamps wäre das kein Problem: „Über allem steht, eine attraktive Plattform für die Vermarktung zu haben. Deswegen werden wir uns einer Termindiskussion nicht verschließen“, sagte er am Sonntag.

Auch Hambüchen könnte sich diese Änderung vorstellen. „Es wäre sinnvoll, die Termine zu bündeln“, sagte er, „für mich ist das jetzt der siebte Wettkampf nach der WM.“ Die Veranstalter in Glasgow müssen deshalb auf den Topturner verzichten. Im Frühjahr wäre das nicht passiert. Adventskalender würden dann aber auch nicht mehr verteilt.

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